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Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo

"Anderer Schumacher will Mercedes fahren"

Schumacher und di Montezemolo Foto: dpa 13 Bilder

Ferrari gibt Michael Schumacher für sein Formel 1-Comeback im Mercedes frei. Doch in Maranello herrscht tiefe Enttäuschung darüber, dass ihr Ex-Weltmeister zur Konkurrenz überläuft. "Das ist nicht der Schumacher, den ich kenne", sagt Ferrari-Chef Luca di Montezemolo.

18.12.2009 Michael Schmidt

Es sollte ein Scherz sein, doch es ist bitterer Ernst. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo versucht Michael Schumachers Plan, 2010 mit Mercedes ein Formel 1-Comeback zu geben, mit Humor zu kommentieren, doch zwischen den Zeilen ist die Enttäuschung über die Fahnenflucht des Ex-Weltmeister deutlich herauszuhören.
 
"Michael hat mir letzten Mittwoch am Telefon gesagt, dass er eine sehr gute Möglichkeit habe, wieder zu fahren, und dass er diese gerne wahrnehmen wolle. Das war nicht der Schumacher, den ich kenne. Er muss einen Zwillingsbruder haben, der sein Gesicht hat, seinen Speed und der 41 Jahre alt ist."

"Es gibt noch einen anderen Schumacher"

Der Vergleich mit dem vermeintlichen Doppelgänger zieht sich durch alle Antworten zum Thema Schumacher. "Wir haben 15 Jahre miteinander verbracht. Michael hat uns viel gegeben, wir aber auch ihm. Wir dachten alle, dass er seine Karriere bei uns beendet. Jeder kann tun was er will. Der richtige Schumacher ist immer noch bei uns. Aber ich muss akzeptieren, dass es noch einen anderen Schumacher gibt."

Als Formel 1-Fan sei er happy, sagt Montezemolo, denn der Sport brauche gute Nachrichten nach so vielen schlechten. "Ich finde es auch gut, dass Button bei McLaren gegen Hamilton antritt. Das belebt unser Geschäft. Button bei Brawn GP, das wäre der Aufguss einer alten Geschichte gewesen." In seiner Position als Ferrari-Präsident aber, wirft Montezemolo ein, stimme ihn Schumacher Entschluss traurig. Es ist, als würde der langjährige Sohn die Familie verlassen, um anderswo glücklich zu werden.

Nicht lange zum Comeback überreden

Montezemolo hat schon seit Sommer geahnt, dass Schumacher auf ein Comeback fixiert ist. "Ich musste ihn nicht lange dazu überreden, Felipe Massa zu ersetzen. Es hat nicht zehn Minuten gedauert, bis er zusagte, sondern nur fünf." Umso größer die Enttäuschung, dass die Nackenverletzung den Rekordsieger daran hinderte, seinen Plan umzusetzen. "Als mich Michael am Tag der Wahrheit anrief, da war er ein am Boden zerstörter Mann."

Ferrari wollte ihm später noch eine Brücke bauen, brachte den Einsatz eines dritten Autos ins Spiel, um Gaststars wie Michael Schumacher, Motorrad-As Valentino Rossi oder Rallye-Champion Sebastien Loeb eine Chance zu geben. "Wir wollten der Formel 1 mit einem dritten Auto, eingesetzt von einem externen Team einen neuen Schwung geben. Bei allem Respekt vor den neuen Teams, die Idee des dritten Autos hätte der Formel 1 konkurrenzfähigere Autos, bessere Sponsoren und bessere Fahrer gebracht." Der Weltverband wollte von Ferraris Idee nichts wissen. Damit gab es für Schumacher auch keine Einsatzmöglichkeit.

Schumi hat guten Job gemacht

Die per Handschlag im September verlängerte Vertragsverlängerung mit Ferrari beinhaltete nur noch die Entwicklung von Straßenautos. Für Schumacher wäre bei Ferrari die Nabelschnur zur Formel 1 gekappt worden. Hätte Montezemolo auf Einhaltung des Abkommens pochen können? Juristisch wahrscheinlich nicht. Er wollte es auch nicht, selbst auf die Gefahr hin, dass Schumacher bei Mercedes nun mehr als nur ein Rennfahrer, sondern wahrscheinlich auch Botschafter der Marke wird.

"Ich weiß nicht, welche Aufgaben Michael bei Mercedes erfüllen wird. Ich weiß nur, dass unser Michael für uns einen sehr guten Job gemacht hat. Es ist aber nicht so, dass wir ohne ihn mit leeren Händen dastünden. Ich vertraue meiner Mannschaft. Mit Alonso und Massa haben wir zwei schnelle und junge Piloten. Der eine war schon zwei Mal Weltmeister, der andere wäre es geworden, hätten wir 2008 nicht so viele Fehler gemacht. Unser Testpilot Marc Gené wird künftig das Verbindungsglied zwischen Rennsport und Serie sein. Er ist schon sehr gut in diese Aufgabe hineingewachsen."

"Viele sehen ihn als Verräter"

Montezemolo bereitet seinen Ex-Piloten schon einmal darauf vor, was ihn in Zukunft erwartet. Nach Monza wird der 91-fache GP Sieger 2010 vermutlich mit einer Tarnkappe fahren müssen. "Auf unserer Website gingen bereits viele Kommentare zu seiner Entscheidung ein. Viele sehen ihn als Verräter." Der 62-jährige Italiener gibt sich gönnerhaft: "Ich werde unseren Fans antworten: Das ist ein anderer Schumacher, der da bei Mercedes fahren will."

Die Anspielung auf den vermeintlichen Zwillingsbruder ist übrigens nicht neu. So hatte Montezemolo bereits die schwache zweite Saisonhälfte von Kimi Räikkönen in der Saison 2008 erklärt. "Da muss Kimis Bruder im Auto gesessen sein. Er war auch blond, hat auch nicht viel geredet, war aber leider nicht ganz so schnell." Es gehört zum Selbstverständnis der Roten, dass die Marke größer ist als die Menschen. Schumacher, das war einmal. Eine schöne, erfolgreiche Zeit, aber abgehakt.

Der Mythos zählt, und die Tatsache, dass Schumachers Siege bei Ferrari viel heller strahlen als die davor bei Benetton. "Bis auf Jim Clark, Jackie Stewart und Ayrton Senna sind alle großen Fahrer für uns gefahren", blickt Montezemolo zurück. Und selbst für Senna gab es nichts Größeres als Ferrari. "Fünf Tage vor seinem Tod war er bei mir zuhause und hat mir gestanden: Eines Tages fahre ich für euch."

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