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Ferrari SF15-T nett zu den Reifen

Ferrari mit Pirelli-Joker?

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Malaysia 2015 - Formel 1 Foto: Wolfgang Wilhelm 79 Bilder

Auf bestimmten Strecken unter bestimmten Bedingungen hat Ferrari gegen Mercedes einen Joker in der Hand, glaubt Technikchef James Allison. Wir erklären, wo die Schwächen im Mercedes-Konzept liegen.

02.04.2015 Michael Schmidt

Unterschiedlicher könnten zwei Autos nicht sein. Der Mercedes AMG W06 generiert den meisten Abtrieb im Feld, er bringt sofort Temperatur in die Reifen, hat aber seit diesem Jahr einen mittelmäßigen Top-Speed und ein enges Abstimmungsfenster.

Der Ferrari SF15-T schont seine Reifen, hat stabilen Abtrieb, guten Top-Speed, ist einfach abzustimmen und fast immer gut ausbalanciert. Auf eine Runde gewinnt der Mercedes. Egal auf welcher Rennstrecke. Der Vorsprung schwankt je nach Layout, Asphalt und Temperatur zwischen drei Zehntel bis über eine Sekunde.

Auf die Distanz schrumpft der Vorteil. Je mehr die Rennstrecke die Reifen fordert und je höher die Temperaturen, umso näher ist Ferrari dran. Oder wie in Malaysia sogar vorn. Dann darf sich Mercedes keinen Fehler erlauben. Passiert er doch, spielt Ferrari seine Trumpfkarte aus. Die Reifen halten länger, und der Top-Speed ist besser, der Spritverbrauch geringer.

Ferrari setzte im Rennen von Malaysia von vornherein auf ein Zweistopp-Rennen mit der Reifenfolge medium-medium-hart. "Das war für uns unmöglich", gab Niki Lauda zu. Die Mercedes-Piloten waren je zwei Mal mit den Mischungen hart und medium unterwegs.

Ferraris Schlüssel zum Sieg: Reifen und Kühlung

Jedes Auto hat seine DNA. Die lässt sich nicht mehr ändern. Es sei denn, man baut ein neues Auto. Mercedes hat sich auch die alte Red Bull-Masche festgelegt. Wir stellen beide Autos in die erste Startreihe und diktieren das Rennen von der Spitze.

Gerät man in den Verkehr, wird es eng. Weil die extreme Aerodynamik in den Turbulenzen mehr leidet. Das stresst die Reifen. Und weil der Top-Speed fehlt, die Gegner schnell zu überholen. Lewis Hamilton brauchte fünf Runden, bis er an Sergio Perez, Carlos Sainz, Romain Grosjean und Nico Hülkenberg vorbei war.

Ferrari-Technikchef James Allison sah den Schlüssel zum Erfolg in zwei Faktoren: "Unser Auto ist nett zu den Reifen. Das hat uns bei der Hitze geholfen. Und wir haben ein sehr effizientes Kühlpaket. Deshalb mussten wir unsere Verkleidung kaum öffnen. Vielleicht war das ein Vorteil gegenüber den anderen."

Einen dritten Punkt erwähnt der Engländer gar nicht. Es sieht so aus, dass Ferrari mit dem Motor mehr riskieren kann als Mercedes. Immer mehr Fahrer im Feld sind der Meinung, dass der Ferrari V6-Turbo im Moment mehr Power hat.

Mercedes muss Strategie auf Auto-DNA ausrichten

Die Safety-Car-Phase spielte Ferrari einen Steilpass zu. Allison sprach von einem Geschenk. "So mussten wir die Mercedes nicht auf der Rennstrecke überholen. Unser Rennspeed war ein bis zwei Zehntel pro Runde besser. Da kommst du im direkten Kampf nur unter Schmerzen vorbei."

Auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff räumte ein, dass Mercedes die Taktik vielleicht hätte splitten sollen. "Die DNA unseres Autos ist auf Abtrieb ausgelegt. Wir müssen in Zukunft die Strategien darauf ausrichten." Allison will die gute Form in Malaysia nicht überbewerten. Genauso wenig wie die Niederlage in Melbourne. "Wir wären dort 20 Sekunden näher an den Mercedes dran gewesen, hätten wir im ersten Renndrittel nicht so viel Zeit hinter dem Williams verloren."

Andererseits sagt er auch: "Wir werden uns in China hart tun, das zu wiederholen. Es steht noch viel Arbeit an, bis wir überall zuversichtlich auf Sieg fahren können." Prinzipiell aber hat Allison lieber ein Auto, das freundlich mit den Reifen umgeht. "Auf Rennstrecken, wo das ein Nachteil ist, hast du genügend Werkzeuge, die Reifen auf Temperatur zu bringen. Andersherum tust du dich schwerer, die Reifen in Schuss zu halten, wenn dir die Strecke oder die Bedingungen mal nicht entgegenkommen."

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