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Ferrari-Sieg zur richtigen Zeit

"Müssen auf dem Boden bleiben"

Sebastian Vettel - Maurizio Arrivabene - Ferrari - GP Ungarn 2015 Foto: xpb 22 Bilder

In Ungarn feierten Ferrari und Sebastian Vettel den zweiten gemeinsamen Sieg. Er kam zum passenden Zeitpunkt vor der Sommerpause. Weil die kritischen Stimmen in der Öffentlichkeit nach zuvor 7 sieglosen Rennen lauter geworden waren. Teamchef Maurizio Arrivabene gab sich anschließend cool – und zeigte sich enttäuscht über den Räikkönen-Ausfall.

28.07.2015 Andreas Haupt

Mit einem Sieg beim GP Ungarn hatte bei Ferrari vor dem Wochenende niemand gerechnet. Zwar sah man sich auf dem langsamen Kurs vor den Toren Budapests näher dran an Mercedes als noch in Silverstone, doch an einer Überlegenheit der Silbernen bestand keine Zweifel. Was Sebastian Vettel am Donnerstag vor dem Rennen zum Wunschdenken animierte. "Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich gerne in Monza den zweiten Sieg für Ferrari holen."

Ab Samstag läuft der Ferrari

Es klappte früher. Drei Tage später stand der Ferrari-Pilot zusammen mit Technik-Direktor James Allison ganz oben auf dem Podest. Und verspritzte zusammen mit Daniil Kvyat und Daniel Ricciardo den Champagner.

Dabei war der Start ins GP-Wochenende für Ferrari noch ordentlich misslungen. Am Freitagmorgen setzte ein Kurzschluss das Auto von Vettel zeitweise außer Betrieb. Bei Kimi Räikkönen brach der Frontflügel weg. Die Frequenzen auf den Randsteinen scheuerten das Material weich.

Am Nachmittag fehlte der Speed. Der Rückstand zu Hamilton wuchs auf über eine Sekunde. Zu allem Überfluss drehte sich Vettel zweimal. "James Allison hatte zu mir gesagt, dass das der schlimmste Trainingstag in seiner Karriere war", verriet Maurizio Arrivabene.

Statt seine Mannen unter Druck zu setzen, legte der Ferrari-Teamchef die Hand auf. "Ich habe zum Team gesagt: Bleibt ruhig und analysiert, was passiert ist. Im dritten Training ist uns dann der Turnaround gelungen." Von dort an passte die Balance im Auto und Ferrari war die zweite Kraft im Feld.

Arrivabene bedauert Räikkönen-Ausfall

Am Sonntag überraschte die Scuderia dann alle. Mit einem Blitzbeginn griffen sich Vettel und Kimi Räikkönen von Startplatz 3 und 5 aus die Mercedes. Und setzten sich in der Folge ungefährdet ab. Über 40 Runden lang sah es nach einem ungefährdeten Doppelerfolg aus. Es wäre der erste für Ferrari seit dem Skandalrennen in Hockenheim 2010 gewesen. Doch dann streikte die Elektropower der MGU-K an Räikkönens SF15-T. Was ihn zunächst zu einem leichten Opfer für Rosberg und Ricciardo machte und später zur Aufgabe zwang.

"Ich bin sehr enttäuscht darüber, was mit Kimi passiert ist. Er war wirklich gut heute. Besonders am Start. Aber so ist die Formel 1. Manchmal gewinnst du, weil die anderen patzten. Und manchmal läuft es anders herum", kommentierte Arrivabene nüchtern.

Vettel spulte die 69-Runden-Distanz problemlos herunter. Sein Sieg war der erste nach 7 erfolglosen Rennen. Für Ferrari kam der zweite Triumph 2015 zum richtigen Zeitpunkt. In Spanien, Monaco, Kanada, Österreich und England hatte man zuvor kein Land gegen Mercedes gesehen. In Silverstone brauchte Ferrari gar Regen, um Williams in Schach zu halten.

Ferrari-Mindestziel erreicht

Die kritischen Stimmen wurden immer lauter. Wieder schienen die Updates während der Saison nicht die gewünschten Resultate zu bringen. Umso wichtiger ist der Ungarn-Sieg. Er gibt dem Team Ruhe für die Sommerpause. "Vor einem Monat war noch alles schlecht, was wir gemacht haben. Wir müssen nach dem Sieg auf dem Boden bleiben und hart weiterarbeiten", gibt der Teamboss die Richtung vor.

Von Druck will er nichts wissen. "Meine Schultern sind breit. Da verteilt sich die Last. Ich habe vor der Saison gesagt, dass wir zwei Rennen gewinnen wollen. Es ist ein normaler Prozess, indem wir uns befinden. Wir waren am Anfang weit weg und haben dann die Lücke fast geschlossen. Später sind wir etwas zurückgefallen. Die anderen entwickeln sich eben auch weiter. Die generelle Entwicklung von uns passt."

Das Mindestziel von zwei Siegen hat Ferrari damit erfüllt. Falls in der zweiten Saisonhälfte noch weitere Erfolge herausspringen sollten, will der Italiener 100 Kilometer barfuß nach Maranello laufen, wie er im Dezember flachste. Arrivabene schraubt die Erwartungen nicht zu hoch. "Wir haben noch 9 Rennen vor uns. Hoffentlich noch viele wie heute. Man hat aber auch mal schlechtere Rennen, wie in Silverstone. Das bedeutet aber nicht, dass man sich zurückentwickelt. Wir haben wie die anderen Teams auch mal schlechte Tage."

Arrivabene weicht bei Räikkönen-Zukunft aus

Wie üblich bekam der Teamchef in seiner Medienrunde die Frage nach der Zukunft von Räikkönen gestellt. Statt einer klaren Antwort gibt es einen kleinen Seitenhieb auf die Journalisten-Zunft. "Ihr beschwert euch immer darüber, dass wir immer dieselben Antworten geben. Aber ihr denkt nicht darüber nach, dass ihr immer dieselben Fragen stellt. Ich kann nur sagen: Wir konzentrieren uns auf unser Auto."

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