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Ferrari-Speed von Reifen abhängig

Auf Soft so schnell wie Mercedes

Ferrari vs. Mercedes - GP Österreich 2015 Foto: xpb 21 Bilder

Mercedes feierte in Montreal und in Spielberg überlegene Doppelsiege. Doch so deutlich war der Vorsprung gar nicht. Sebastian Vettel fuhr in der zweiten Rennhälfte jeweils schneller als der Sieger. Was auch mit dem Reifentyp zu tun hat.

24.06.2015 Michael Schmidt

War der Sieg von Ferrari in Malaysia eine Eintagsfliege? Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene hofft nicht. "Wir halten an unserem Saisonziel von drei Siegen fest." Zuletzt schien der Vorsprung der Silberpfeile auf Ferrari wieder angewachsen zu sein. Sebastian Vettel fehlten in Kanada 49,9 Sekunden auf die Sieger. Am Red Bull-Ring waren es 18,1 Sekunden.

Beide Rennen hatten Gemeinsamkeiten. Montreal und Spielberg sind Power-Strecken. Gefragt ist ein gutes Zusammenspiel von Aerodynamik und Mechanik. Also stabiler Abtrieb, Traktion, Bremsstabilität, guter Top-Speed. Pirelli brachte zu beiden Rennen die Reifenmischungen "soft" und "supersoft" mit. Beide Grand Prix waren prinzipiell Einstopp-Rennen. Ferrari ließ Vettel in Kanada notgedrungen mit zwei Stopps fahren. Das war dem schlechten Startplatz wegen Technikproblemen im Training geschuldet.

Schaden wurde im ersten Stint angerichtet

Bei genauer Durchsicht der Rundenzeiten fällt auf, dass Ferrari gar nicht so weit von den Silberpfeilen weg war, wie es der Rückstand im Ziel vermuten ließ. Der Schaden wurde in beiden Rennen im ersten Stint angerichtet. Beide Male auf dem Supersoft-Reifen. Mit der härteren Mischung war Vettel stets bei der Musik. Zum Großteil sogar schneller als die Mercedes.

Die Zweifler werden sagen: Mercedes musste Benzin sparen, Bremsen schonen und hat es in der zweiten Hälfte des Rennens gemütlich genommen. Benzin sparen und Bremsen schonen muss Ferrari auch. Mit Blick auf das Leben des Motors darf Vettel auch nicht nach Belieben im Power-Modus fahren. Auf dieser Ebene herrscht somit Gleichstand.

Lewis Hamilton und Nico Rosberg haben in Kanada bis zur letzten Runde um den Sieg gekämpft. Vettel musste noch an Nico Hülkenberg und Pastor Maldonado vorbei. Das hat Zeit gekostet. Also durchaus vergleichbare Bedingungen.

Gleiches Spiel in Österreich. Nico Rosberg konnte es nach der Strafe für Hamilton etwas ruhiger angehen lassen. Aber Vettel hing dafür zwischen den Runden 63 und 71 hinter Felipe Massa fest. Der WM-Dritte konnte also auch nicht so schnell, wie er wollte.

Vettels Stunde schlug in der zweiten Rennhälfte

Beim Vergleich zwischen Vettel und dem jeweils schnelleren Mercedes-Piloten fällt auf, dass der Ferrari seine schwache Phase zu Beginn des Rennens hat, wenn er schwer und mit den angefahrenen Supersoft-Reifen unterwegs ist. Das bessert sich im Mittelteil mit abnehmender Benzinmenge und zunehmenden Grip von der Strecke. Ab Rennmitte fährt Vettel so schnell wie die Mercedes, wenn nicht sogar schneller. Das bestätigt nach Durchsicht aller Daten auch Mercedes-Strategiechef James Vowles.

Nehmen wir Montreal. Da war Vettel in den ersten sieben Runden auf Supersoft-Reifen unterwegs. Er gewann keinen einzigen Umlauf gegen Hamilton und verlor 19,6 Sekunden auf die Spitze. Okay, er steckte im Verkehr, und Hamilton hatte freie Fahrt. Auf frischen Soft-Reifen bis Rennmitte wurde es etwas besser. In einem Segment von 28 Runden fuhr der Ferrari-Pilot 8 Mal schneller als der Spitzenreiter. Das sind 29 Prozent. Der Rückstand wuchs bis zum zweiten Boxenstopp von 19,6 auf 38,1 Sekunden um 18,5 Sekunden an.

Ab Runde 36 waren Vettel und Hamilton mit ihrem letzten Reifensatz unterwegs. Vettel auf einer gebrauchten Soft-Garnitur, Hamilton auf einer frischen. Der Verfolger gewann 24 der verbleibenden 35 Runden, demnach 69 Prozent. Der Rückstand schrumpfte um 7,7 Sekunden.

Vettel zu 74 Prozent schneller als Rosberg

Der GP Österreich bestätigte das Bild. Von den ersten 31 Runden im Renntempo (ohne Safety-Car) auf den Supersoft-Reifen gingen im Fernduell Vettel gegen Rosberg nur drei an Ferrari. Das sind kümmerliche 10 Prozent. Der Rückstand betrug vor Rosbergs Boxenstopp 12,4 Sekunden. Dabei hatte Vettel in dieser Phase freie Fahrt.

In die zweite Rennhälfte stieg Vettel mit einem Rückstand von 26,2 Sekunden auf den führenden Mercedes ein. Beide hatten jetzt neue Soft-Reifen am Auto. Bis zur Zielflagge in Runde 71 machte Vettel noch 8,0 Sekunden gut. 26 von 35 Runden gingen an ihn. Das sind 74 Prozent.

Auch gegen Hamilton schnitt Vettel besser ab. 22 Runden gehörten ihm, 13 Hamilton. Und der Engländer musste wegen seiner Fünfsekunden-Strafe Attacke machen. Mercedes dachte darüber nach, einen Sicherheits-Stopp einzulegen, für den Fall eines späten Safety-Cars.

Dass sich Ferrari auf dem härteren der beiden Reifen wohler fühlt, ist erstaunlich. Eigentlich dachte man, dass die Reifen für den SF-15T gar nicht weich genug sein können. Doch der Supersoft von 2015 ist mit seinem Vorgänger nicht mehr zu vergleichen. Viele Teams klagen über Schwierigkeiten mit dem Reifentyp.

Ferrari immer nur auf "falschem" Reifen schnell

Bei der Analyse aller Rennen fällt eines auf: Ferrari fährt immer dann schnell und auf dem Niveau von Mercedes, wenn der Reifentyp nicht zu den äußeren Bedingungen passt. Die Mischung "soft" ist ein Reifen für hohe Temperaturen. Er arbeitet bei 100 bis 125 Grad. Doch immer dann, wenn die Ferrari auf diesem Reifentyp geflogen sind, war es relativ kühl. In Bahrain wurden 30 Grad auf dem Asphalt gemessen, in Monaco 31 Grad, in Montreal 35 Grad und in Spielberg 24 Grad.

Das gleiche Phänomen zeigt sich bei den anderen Optionen. In Malaysia lag die Asphalttemperatur bei 61 Grad. Ferrari hat Mercedes vor allem auf dem Medium-Reifen in die Knie gezwungen. Der funktioniert jedoch am besten bei tiefen Temperaturen. Sein Arbeitsbereich liegt bei 90 bis 120 Grad.

In Barcelona kassierte Ferrari zwar eine böse Schlappe, war aber auf dem Medium-Gummi im Vergleich zu Mercedes stärker als auf der harten Mischung. Auch in Barcelona war es heiß. Der Asphalt heizte sich auf 50 Grad auf.

Ferrari-Capo Arrivabene weigert sich, die Reifen als Entschuldigung für langsame oder schnelle Rundenzeiten gelten zu lassen. Er fordert die Ingenieure auf: "Wir müssen mit jedem Reifentyp und unter allen Bedingungen schnell sein."

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