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Strategie-Fehler bei Ferrari

"Zu sehr auf Webber konzentriert"

Fernando Alonso Foto: xpb 36 Bilder

Ferrari startete mit der besten Ausgangslage in den Grand Prix von Abu Dhabi. Am Ende herrschte Trauerstimmung im roten Lager. Ausgerechnet im entscheidenden Rennen der Saison unterlief der Scuderia ein schwerer Fehler.

14.11.2010 Tobias Grüner

Bei Ferrari war alles gerichtet für die große Weltmeisterfeier. Präsident Luca di Montezemolo kam extra aus Italien eingeflogen. Pierro Lardi Ferrari, Sohn von Firmengründer Enzo, fieberte ebenfalls in den Boxen mit. Am Ende blieben die Champagner-Flaschen im Kühlschrank. Österreichische Energy-Drinks liefen dagegen in Strömen.

Doch wie konnte sich Fernando Alonso in letzter Sekunde die Butter vom Brot nehmen lassen? Wie verlor der zweifache Weltmeister 19 Punkte auf Sebastian Vettel, der nur zwei Plätze vor ihm gestartet war? Am Ende verketteten sich unglückliche Umstände mit einem groben Strategie-Schnitzer - und das im wichtigsten Rennen des Jahres.

Ferrari richtet Strategie an Webber aus

Die grundsätzliche Fehleinschätzung der Strategen lag in der Annahme, dass Mark Webber an diesem Tag der wichtigste Konkurrent sein würde. Der Australier konnte Ferrari vom Start weg unter Druck setzen, weil Jenson Button schon vor der ersten Kurve an Alonso vorbeizog und den WM-Spitzenreiter in ein direktes Duell verwickelte.

In der elften Runde rief Red Bull Webber auch noch an die Box zum Reifenwechsel. Bei Ferrari herrschte kurz Ratlosigkeit am Kommandostand. Die Kernfrage der Strategen lautete zu diesem Zeitpunkt: Kann Webber auf den neuen harten Reifen schneller als Alonso fahren und den WM-Spitzenreiter im indirekten Duell überholen?

Alonso bleibt vor Webber - verliert aber gegen Vettel

Zwei Runden tat man gar nichts. Abwarten lautete die Parole. Dann wurde Massa an die Box beordert. In Runde 14 hatte Ferrari die Chance die Zeiten von Webber auf den neuen Reifen mit denen von Alonso auf den gebrauchten Gummis zu vergleichen. Webber fuhr drei Zehntel schneller, was die Scuderia zum sofortigen Handeln veranlasste. Alonso musste auch an die Box.

Die Taktik, Alonso vor Webber zu halten, gelang tatsächlich. Bis zum Ende des Rennens blieb der Australier hinter dem Ferrari. Im Eifer des Gefechts verloren die Taktiker aber das restliche Geschehen komplett aus den Augen. Vitaly Petrov und Nico Rosberg hatten bereits in der ersten Runde gestoppt und lagen nun plötzlich vor Alonso. Plötzlich musste der zweifache Champion aus eigener Kraft überholen, um im Falle eines Vettel-Sieges nicht zu viele Plätze zu verlieren.

Alonso gibt Fehler zu

Wie wir wissen, gelang die Übung nicht. Alonso verzweifelte 34 Runden hinter Vitaly Petrov. Vettel fuhr an der Spitze immer mehr Vorsprung heraus und fiel bei seinem Stopp nur kurz hinter Jenson Button zurück. Am Ende verlor Alonso gegenüber dem deutschen Konkurrenten drei wertvolle Positionen durch die Strategie.

Nach dem Rennen verteidigte Alonso die Taktik zunächst. Nach Blick auf die Daten musste der Geschlagene aber den Fehler eingestehen. "Im Nachhinein muss man sagen, dass wir besser nicht so früh hätten stoppen sollen. Aber das ist nach dem Rennen leicht zu sagen, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen. Das war keine einfache Entscheidung."

Domenicali: "Falsche Entscheidung aus drei Gründen"

Teamchef Stefano Domenicali wurde sogar noch deutlicher: "Wir haben aus drei Gründen eine falsche Entscheidung getroffen: Wir haben gegen einen Konkurrenten mit zwei Autos gekämpft, wir haben uns übermäßige Sorgen um den Reifenverschleiß gemacht und wir haben nicht in Betracht gezogen, wie schwer es ist, andere Autos auf der Strecke zu überholen. Jetzt ist es aber zu spät die "Warums" zu diskutieren."

Auch Chefstratege Chris Dyer sprach nicht lange um den heißen Brei herum. "Wir hatten das Auto und den Fahrer, um den Titel zu gewinnen. Wir haben es nicht geschafft, weil wir bei der Strategie einen Fehler gemacht haben. Es nützt auch nichts, nach Ausreden zu suchen. Wir haben uns zu stark auf Mark konzentriert und steckten plötzlich im Verkehr fest. Das hat uns den Titel gekostet. Man könnte sagen, dass wir zu sehr auf das geschaut haben, was hinter uns abging, und nicht gesehen haben, was vor unserer Nase passierte."

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