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Ferrari und die Massa-Frage

Aufgeschoben, aber nicht vergessen

Felipe Massa - Ferrari - GP Malaysia - Training - 23. März 2012 Foto: xpb 45 Bilder

Ferrari hat wieder etwas Luft zum Atmen. Fernando Alonsos Sieg in Malaysia zwingt Teamchef Stefano Domenicali nicht zum unmittelbaren Handeln. So wird auch das Thema Felipe Massa aufgeschoben. Es kann aber jederzeit wieder hochkochen. Doch ist ein Fahrerwechsel mitten in der Saison sinnvoll?

05.04.2012 Michael Schmidt

Ferrari ist kein normales Team. Keiner feiert seine Siege so schön wie die Truppe aus Maranello. Und keiner steht bei Niederlagen derart unter dem Mikroskop der Kritiker. Als Fernando Alonso beim Saisonauftakt in Melbourne nur den fünften Platz belegte und Felipe Massa auf Rang 13 nach einer Kollision mit Bruno Senna die Segel streichen musste, da verlangte das Fachblatt "Autosprint" die Ablösung des Brasilianers.

Die Namen Jarno Trulli und Sergio Perez wurden in den Raum geworfen. In den deutschsprachigen Gazetten wird derzeit häufig Name Adrian Sutil ins Spiel gebracht. Als McLaren-Mercedes 2009 auf einem ähnlichen Niveau in die Saison gestartet ist, da hat keiner den Kopf von Heikki Kovalainen gefordert.

Ferrari kann keine Techniker opfern

Ferrari steht immer unter Druck. Wird er zu groß, muss ein Bauernopfer her. Seit Jean Todt den Sitz des Präsidenten geräumt hat, lässt sich der Rennstall wieder vermehrt von der öffentlichen Meinung in der Presse leiten. Im letzten Jahr musste Aldo Costa gehen. Heute weiß man, dass der damalige Technische Direktor gefeuert wurde, um Ruhe in die Partie zu bringen.

Costa hatte gerade noch ein umfangreiches Aerodynamikpaket auf den Weg gebracht. Es war Costas Pech, dass es nicht gleich beim Debüt in Barcelona funktionierte. Hauptsächlich deshalb, weil die Ingenieure die Vorteile des Anblasens des Diffusors nicht auf Anhieb verstanden. Nur eine Woche später in Monte Carlo war das gleiche Konzept gut genug, dass Alonso mit Sebastian Vettel und Jenson Button um den Sieg fahren konnte. Doch nach der Überrundung von Alonso in Barcelona musste einer der Kopf hinhalten. In Monaco war Costa schon nicht mehr an Bord.

Diesmal kann Ferrari keinen der leitenden Ingenieure in die Wüste schicken. Man hätte ja nicht mal Ersatz dafür. Außerdem müsste man sich eingestehen, dass der Weg des aggressiven Design auch nicht mehr bringt als der angeblich so konservative Weg der Vorgänger. Pat Fry, Nicolas Tombazis, Steve Clarke und Marco de Luca müssen gehalten werden, weil sie dieses Auto gebaut haben und demzufolge auch die einzigen sind, die es gesundbeten können.

Kein Fahrerwechsel mitten in der Saison

Was also wäre einfacher, den Fahrer zum Sündenbock zu stempeln, um die Medien zu beruhigen? Felipe Massa hat das Rennfahren sicher nicht verlernt. Er hat nur Mühe, mit einem kritischen Auto schnell zu fahren. Aber wer hätte das nicht, außer einem Fernando Alonso? Der hat es bei Minardi 2001 und bei Renault 2008 und 2009 gelernt. Erinnern Sie sich, wo in diesen Jahren seine Teamkollegen waren? Alonso hat sie allesamt nach Strich und Faden an die Wand gefahren.

Stefano Domenicali hat Recht, wenn er sagt: "Wir müssen Felipe das Vertrauen ins Auto zurückgeben. Dazu brauchen wir ein besseres Auto." Hoffentlich erinnert er sich auch daran, wenn die Kritik wieder lauter wird und die Euphorie nach dem unerwarteten Malaysia-Sieg abgeebbt ist. Oder besser noch kommt er erst gar nicht in die Lage, handeln zu müssen, weil seine Ingenieure eine schnelle Lösung finden.

Ferrari hätte nichts davon, Massa mitten in der Saison auszutauschen. Außer noch mehr Ärger. Jeder, der frisch in dieses Team käme, stünde vor einem Berg von Schwierigkeiten. Er müsste das Team kennenlernen. Dazu das Auto, das selbst die eigenen Ingenieure und Fahrer vor Rätsel stellt. Und er müsste gegen den komplettesten Rennfahrer unserer Zeit antreten, der alles schon kennt, bestens im Team vernetzt ist und obendrein schnell Autofahren kann. Eine unlösbare Aufgabe.

Ein Sergio Perez könnte sich damit seine Karriere ruinieren. Der Job wäre nur etwas für die Hoffnungslosen, die in einer Art ultima ratio auf alles oder nichts setzen. Zum Beispiel Trulli oder Sutil. Es gibt übrigens ein abschreckendes Beispiel. Giancarlo Fisichella hat sich 2009 seinen Lebenstraum erfüllt und ist fünf Rennen für den verletzten Massa eingesprungen. Mit einem ähnlich schwierig zu fahrenden Auto. Fisichella ist damals grandios gescheitert.    

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