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Ferrari und Mercedes

In Malaysia ist Siegen Pflicht

Alonso und Schumacher Foto: Wolfgang Wilhelm 17 Bilder

Red Bull hat in Melbourne alle Pokale abgeräumt. Das Auto ist haushoch überlegen. Bei Ferrari und Mercedes machte sich Ernüchterung breit. Auch wenn man wegen technischer Probleme unter Wert geschlagen wurde, bleibt dennoch die Erkenntnis: Red Bull ist außer Reichweite.

04.04.2011 Michael Schmidt

Der GP Australien war für viele ein Schock. Man hatte den Red Bull an der Spitze des Feldes erwartet, doch dass Adrian Neweys neues Wunderauto gleich so weit an der Spitze fährt, damit rechnete im Lager der Konkurrenz keiner. McLaren: um neun Zehntel abgehängt. Ferrari: 1,4 Sekunden zu langsam. Mercedes: 1,8 Sekunden hinter Sebastian Vettel. Das bedrückt auch neutrale Beobachter, die auf eine Fortsetzung der spannenden Vorsaison gehofft haben.

McLaren schafft kleines Wunder

Bei den Verfolgern rauchten die Köpfe. Daheim in der Fabrik fand die ein oder andere Krisensitzung statt, auch wenn man das so natürlich nie kommunizieren würde. Die Verfolger von Red Bull versuchen Haltung zu bewahren, getreu dem in der Formel 1 weit verbreiteten Selbstbetrug: Wir haben alles unter Kontrolle.

Am ruhigsten kann man noch bei McLaren schlafen. Der Rennstall aus Woking hat in 14 Tagen ein kleines Wunder geschafft und 1,5 Sekunden gefunden. Der McLaren MP4-26 in Melbourne war nur ein Provisorium. Mehr ließ der zweiwöchige Crashkurs nicht zu. Da ist also noch Potenzial zum Aufholen vorhanden. Schon in Malaysia werden der eilig zusammengeschusterte neue Auspuff und sein Umfeld etwas aufgeräumter aussehen.

Ferrari erwartet Steigerung

Ferrari und McLaren beruhigten sich damit, dass man beim Saisonauftakt unter Wert geschlagen worden ist. Beide rapportierten Probleme. Ferrari gab dem Frontflügel die Schuld. Er produziere nicht genügend Abtrieb auf der Vorderachse, wodurch sich die Vorderreifen zu spät aufheizen. Man hofft, mit einem modifizierten Flügel, mit höheren Asphalttemperaturen und schnelleren Kurven in Malaysia wieder zu der Form zurückzufinden, die der F150 bei Testfahrten gezeigt hat.

Als Indiz für diese These führt Ferrari die Steigerung im Rennen von Melbourne an. Da sei es wärmer als im Training gewesen, da hätten die Reifen mehr Zeit zum Aufwärmen gehabt, und schon wären Fernando Alonsos Rundenzeiten im Bereich derer von Vettel gewesen, seine beste sogar um vier Zehntel schneller. Und Felipe Massa sei sogar die schnellste Rennrunde überhaupt gefahren, was aber keine Kunst ist, wenn man zehn Runden vor Schluss noch einmal frische weiche Reifen aufziehen lässt.

Ferrari denkt zu blauäugig

Das ist ein bisschen sehr blauäugig gedacht. Vettel fuhr abgesehen vom ersten Turn, als die Hinterreifen zu stark abbauten, nur so schnell wie er musste. Lewis Hamilton war spätestens nach dem Bruch des Unterbodens keine Gefahr mehr. Hätte der erste Saisonsieger gewollt, wäre er im Rennen locker eine Sekunde schneller unterwegs gewesen. Und dann hätten Alonso 0,6 Sekunden auf den Red Bull gefehlt. Außerdem kann es nicht Ferraris Anspruch sein, auf glückliche Umstände zu hoffen. Die mögen beim GP Malaysia am kommenden Wochenende eintreffen, doch schon in Shanghai und Istanbul können die Wetterlage oder die Streckencharakteristik wieder gegen die rtoten Autos sprechen.

Red Bull trotz fehlendem KERS deutlich schneller

Auch Mercedes stellte eine Milchmädchenrechnung auf. Die Probleme mit Kers und dem Heckflügel und das daraus resultierende nicht optimale Setup hätten in Summe acht Zehntel gekostet. "Aber wenn wir das abziehen, wären wir immer noch eine knappe Sekunde hinter Vettels Red Bull gelegen", bedauerte Teamchef Ross Brawn. Die Wahrheit sieht so aus: Auch unter Einrechnung der Sonderstellung von Melbourne und dem Abzug der Gebrechen sind Ferrari und Mercedes zwischen einer halben und einer Sekunde zu langsam. Wenn Red Bull ohne Kers fährt. Mit dem Elektro-Joker sieht es noch dramatischer aus.

Konkurrenz rätselt über Red Bull-Frontflügel

Man mag sich damit beruhígen, dass die Saison noch lang ist und dass spätestens beim GP Türkei größere Entwicklungsstufen gezündet werden, doch auch Red Bull steht nicht still. Red Bulls Gegner werden vielleicht auf den großen Vorsprung der Brawn GP aus dem Jahr 2009 verweisen, der zu Saisonmitte aufgebraucht war. Aber Red Bull ist nicht Brawn GP: Erstens klingelt in der Teamkasse mindestens soviel Geld wie bei den Gegnern, und zweitens lebt der Red Bull nicht von einem technischen Trick, den die Konkurrenz einfach so nachbauen kann wie es 2009 mit dem Doppeldiffusor der BrawnGP der Fall gewesen ist.

Wer die Überlegenheit der Red Bull auf den elastischen Frontflügel kapriziert, der träumt. Selbst wenn dieser Trick eine halbe Sekunde wert ist, kann er nicht so einfach nachgebaut werden. Im Stand ist der Flügel legal. Was er bei voller Fahrt macht, darüber wird bei allen Teams fleißig gerätselt. Um den Red Bull-Flatterflügel zu kopieren, müsste man ihn erst einmal verstehen. Und da liegt das Problem.

Das Thema ist ja nicht neu. Der Flügel war schon letztes Jahr im Gespräch. Bis jetzt hat nur Williams die Verbiegetechnik einigermaßen im Griff. Es sieht nicht so aus, als wäre bei den anderen der Groschen gefallen. "Wir wissen, was Red Bull macht, aber wir wissen nicht wie", gibt ein Ingenieur zu.

Alonso, der Prediger

Ferrari und Mercedes sind mit dem Ziel in diese Saison gegangen, sich im Vergleich zum Vorjahr zu steigern. Ferrari will den WM-Titel, Mercedes wenigstens einen Sieg. Nach beidem sieht es im Moment nicht aus. Man kann davon ausgehen, dass zumindest bei Ferrari bereits in Kürze erste Frustreaktionen an die Oberfläche treten. Fernando Alonso wurde in Melbourne fast zum Prediger, als er sein Team zur Ruhe mahnte: "Wir wollen aus einem Rennen kein Drama machen. Es ist zu früh, aus dem Ergebnis von Australien irgendwelche Vorhersagen zu treffen."

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