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Ferrari holt auf Mercedes auf

Rote Gefahr für die Silbernen

Start - GP Kanada 2016 - Montreal Foto: xpb 65 Bilder

Ferrari verkürzte in Montreal den Abstand zu Mercedes. Im Qualifying büßte Sebastian Vettel nur 0,178 Sekunden auf die Pole-Zeit von Lewis Hamilton ein. Und im Rennen kämpfte Ferrari mit seinem Star um den Sieg. Die Änderungen am Turbolader und am Auto zahlen sich aus.

13.06.2016 Andreas Haupt

Auch im siebten Anlauf hat es für Ferrari nicht zum ersten Saisonsieg gereicht. Dennoch zeigte der erfolgreichste Rennstall der Formel 1-Geschichte sein wahrscheinlich bislang bestes Rennen in diesem Jahr. Zum ersten Mal seit dem GP Australien setzte Ferrari die silberne Konkurrenz richtig unter Druck. „Der Abstand zu Mercedes war sowohl im Qualifying als auch im Rennen gering“, konstatierte Teamchef Maurizio Arrivabene.

Ferrari so nah dran wie nie

Am Samstag verpasste Sebastian Vettel die Pole-Position um 0,178 Sekunden. So gering war der Abstand zwischen Mercedes und Ferrari noch in keiner Qualifikation. Am Sonntag schrammte Vettel um 5,011 Sekunden an seinem 43. GP-Erfolg vorbei. „Wenn du den Sieg riechen kannst, bist du unmittelbar nach dem Rennen natürlich enttäuscht“, gab Arrivabene zu.

Ferrari verspielte den 225. Triumph in der Königsklasse, obwohl Vettel zu Beginn wie vom Katapult geschossen in Führung ging. „Es war einer der besten Starts, den ich je in der Formel 1 gesehen habe“, lobte der Teamchef seinen viermaligen Weltmeister.

Doch dann brockte sich Ferrari über die Strategie die nächste Niederlage gegen die Silberpfeile ein. Während Hamilton eine Einstopp-Taktik wagte, steuerte Vettel zweimal die Box an. Das erste Mal bereits in der elften von 70 Runden, als die Rennleitung das Virtual Safety Car ausgerufen hatte. Das Auto mit der Startnummer 5 verlor die Spitzenposition, und konnte sie sich nicht mehr zurückholen.

Unmittelbar nach dem Grand Prix bezeichnete Arrivabene die Taktik als fehlerhaft. Später stellte sich der Italiener vor seine Mannschaft. „Ich muss mich beim Team entschuldigen. Direkt nach dem Rennen sprang Sky UK auf mich zu und fragte, wer den Fehler mit der Strategie gemacht hat. In meiner Rolle darf ich nicht mit dem Finger auf irgendjemanden zeigen. Wenn, ja wenn wir einen Fehler gemacht haben – ich betone das Wort wenn -, dann muss ich das auf meine Kappe nehmen.“

Arrivabene argumentiert für zwei Stopps

Der Teamchef versuchte den Kritikern Argumente dafür vorzulegen, dass die Ferrari-Strategie so falsch nicht gewesen sein konnte. „Unser Plan A war von Anfang an ein Zweistopp-Rennen. Durch das Virtual Safety Car sind wir nur früher reingekommen, als ursprünglich gedacht. Von den ersten zehn Fahrern haben nur zwei eine Einstopp-Strategie gewagt. Hamilton und Bottas. So verkehrt kann unsere Herangehensweise also nicht gewesen sein.“ Er gab aber auch zu, dass die Experten am Kommandostand und in den Boxen die Haltbarkeit der Pirelli-Reifen unterschätzten. „Wir haben nicht vorhergesehen, dass es Hamilton bis zum Ende schafft.“

Viele Stimmen im Fahrerlager hielten Ferrari vor, dass man wenigstens die Taktik innerhalb des Teams hätte aufteilen müssen. Zumindest ein rotes Auto hätte demnach während der Virtual-Safety-Car-Phase auf der Piste bleiben müssen. Arrivabene verteidigte. „Wir haben die Strategie nicht gesplittet, weil wir das Virtual Safety Car als Chance sahen, Positionen zu gewinnen. Und mit Kimi hat das ja auch geklappt.“

Räikkönen verriet nach dem Rennen, dass Ferrari kurzfristig die Taktik ändern wollte, es aber zu spät dafür war. „Ich hatte schon die Boxenstraße angebremst“, erklärte der Iceman, der das Ziel fast eine Minute später als sein Teamkollege sah. „Kimi musste aufgrund seiner Zweikämpfe Sprit sparen. Jedes Mal, wenn er das machte, sind die Reifentemperaturen in den Keller gegangen“, argumentierte Arrivabene. Räikkönen präzisierte: „Im letzten Sektor hatte ich Probleme, die Reifen auf den Geraden warm zu halten.“

Leistungskurve zeigt nach oben

Ferrari verpasste in Kanada zwar den Sieg. Die Leistungskurve verläuft aber nach oben. „Die Arbeit, die wir nach Monaco investiert haben, zahlt sich aus. Wir verstehen das Auto besser und schaffen es, die richtige Balance zu finden. Das Team hat hier in Montreal einen tollen Job gemacht“, freute sich der Teamchef.

Die Updates zeigen ihre Wirkung. Die Technik-Truppe in Maranello modifizierte für den GP Kanada die Verkleidungsteile rund um die Hinterradaufhängung. Und der V6-Motor erhielt einen neuen Turbolader, der es der MGU-H erleichtert, mehr Energie zu rekuperieren, ohne dass dafür Leistung im Verbrennungsmotor verloren geht.

GPS-Messungen der Konkurrenz zeigten, dass Ferrari Mercedes auf der elektrischen Seite der Antriebseinheit eingeholt hat. „Es geht nicht darum, auf dasselbe Level zu kommen. Wir wollen gewinnen und vor Mercedes stehen“, feuert Arrivabene seine Truppe an. „In Baku müssen wir unsere Leistung bestätigen. Das wichtigste ist: Positiv, positiv, positiv bleiben. Und Bescheidenheit. Wir müssen uns bewusst machen, wo wir sind.“

Arrivabene äußerte sich auch zu den Gerüchten, die Technikchef James Allison auf dem Weg zu Renault sehen, damit er sich nach dem Tod seiner Frau besser um seine Kinder kümmern könne. „Da ist nichts dran. James ist durch eine schwierige Phase gegangen, die ich niemandem auf der Welt wünschen würde. Wir stehen zu ihm und er ist bei uns. Das ist das Wichtigste.“

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