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Ferrari verliert auf der ganzen Linie

Foto: dpa 62 Bilder

Für Ferrari sind die Träume vom Titel der Fahrer-Weltmeisterschaft so gut wie ausgeträumt. Felipe Massa verabschiedete sich als erster aus dem Quartett der Titelkandidaten. Kimi Räikkönen müsste auf Spitzenreiter Lewis Hamilton 17 Punkte aufholen.

01.10.2007 Michael Schmidt

Selbst Ferrari-Chef Jean Todt gibt zu: "Es bräuchte ein Wunder dazu." So bleibt den Roten nach dem Ausschluss von McLaren-Mercedes ein Konstrukteurstitel am grünen Tisch. In der virtuellen Teamwertung führt McLaren gegen Ferrari mit 187:170. Es wäre also auch da fast aussichtslos gewesen, die Silberpfeile zu besiegen.

Verkorkste Saison setzt sich fort

Ferrari hat sich durch hausgemachte Fehler um seine Titelchancen gebracht. Felipe Massa merkte es kritisch an: "Ich war immer konkurrenzfähig, aber leider hat mich mein Auto zu oft im Stich gelassen." Er hätte noch hinzufügen müssen: Oder mein Team. Das ignorierte offenbar alle gängigen Wetterprognosen für den Großraum Fuji. Zwar sagte keiner der Wetterpropheten derart nasse Bedingungen voraus, wie sie dann am Sonntag herrschten, aber zumindest leichter Regen wurde von allen erwartet.

In Fuji spielte nicht nur das Wetter McLaren alle Karten in die Hand. Ferrari stolperte von einer Panne in die nächste. Als vor der Qualifikation die Abstimmung festgelegt werden musste, setzten die Ferrari-Ingenieure auf ein Trockenrennen. Man behielt das Freitags-Setup, das bei 27 Grad Lufttemperatur und 47 Grad auf dem Asphalt schnelle Rundenzeiten zuließ, bei wechselnden Bedingungen oder sogar Regen aber ein schlechter Kompromiss war.

Verzweiflung bei der Scuderia

Die Tatsache, dass Ferrari hoch pokerte zeigt, wie groß die Verzweiflung war. Normalerweise macht man in so einer entscheidenden Phase der Saison, das was der Gegner macht. McLaren setzte auch einen Mix zwischen Regen- und Trockensetup. Damit schenkte man je zwei Zehntel zum einen oder anderen Extrem her. Ferrari verlor mit seiner Trockenabstimmung aber bereits 0,4 Sekunden auf eine reinrassige Regeneinstellung.

Warum Rennchef Luca Baldisseri die Order ausgab, mit Intermediates an den Start zu gehen, blieb allen ein Rätsel. Mal abgesehen davon, dass die Rennleitung den Start mit Regenreifen zur Pflicht machte, stand soviel Wasser auf der Fahrbahn, dass Intermediates auf jeden Fall die falsche Wahl gewesen wären. Felipe Massa hatte sogar ausdrücklich um Regenreifen gebeten, doch die Techniker überstimmten ihn. Kimi Räikkönens Aussage, dass der Poker es mit der Mischbereifung hätte funktionieren können, wurde ihm wohl eingetrichtert. Da muss sich der Finne fragen lassen, warum in den ersten Runden Massa zwei Mal und er ein Mal hinter dem Safety-Car ausrutschte.

Ferrari-Plan ging nicht auf

Ferrari kalkulierte so: Das Safety-Car würde so lange vor dem Feld herfahren, bis der Regen nachlässt. Und dann wären die Intermediates goldrichtig gewesen. Auch wieder falsch gedacht. Die Freigabe des Rennens wäre dann in der Nähe der geplanten Boxenstopps von McLaren gefallen, die dann ohne Zeitverlust hätten reagieren können. Obwohl man die beiden roten Autos während der Safety-Car-Phase immer wieder betankte, weil man nach den Strafstopps am Ende des Feldes nichts verlieren konnte, beorderte der Kommandostand Massa eine Runde nach Freigabe des Rennens zu einem weiteren Tankstopp an die Box. Massa hätte trotz der Kratzer am Auto nach der Karambolage mit Alexander Wurz noch ein paar Runden auf der Strecke aushalten können, um dann so voll zu tanken, dass er den Rest des Rennens übersteht. So aber musste der WM-Vierte kurz vor Schluss noch einmal an die Tankstelle und verlor dabei drei Plätze.

Auch die letzte Aktion ging schief. Um die Fehlgriffe zu verdecken, schob Ferrari die Schuld auf die Rennleitung. Die Anweisung, dass auf Regenreifen gestartet werden muss, wäre bei Teammanager Stefano Domenicali erst sieben Minuten nach dem Start auf dem Bildschirm erschienen, eine geschlagene Stunde also, nachdem alle Teams diese E-Mail erhalten hatte. Der Teammanager eines Konkurrenten erklärte: "Das ist gar nicht möglich. Meldungen der FIA werden über den Zentralserver verschickt. Da kriegen alle Teams die Nachricht gleichzeitig."

Alle Teams wussten Bescheid

Ferrari argumentierte, dass normalerweise derart wichtige Meldungen auf einem Zettel an die Teams weitergeleitet würden, dessen Erhalt man schriftlich bestätigen müsse. Sechs Stunden lang versuchte Ferrari von Chefkommissar Tony Scott-Andrews eine Entschuldigung zu bekommen, mit dem Ergebnis, dass die FIA um 23 Uhr eine für Ferrari eher peinliche Belehrung verteilte. Darin heißt es: Außer Ferrari bestätigte alle Teilnehmer, die E-Mail um 12.37 Uhr erhalten zu haben. Alle sind darauf mit Regenreifen gestartet, bis auf Ferrari.

Das Sportgesetz besagt, dass die Rennleitung bei extremen Umständen den Teams kurzfristig Instruktionen zukommen lassen kann. Bei einer Sitzung der Formel 1-Arbeitsgruppe am 7. Dezember 2006 in Monaco haben sich alle Teams darauf verständigt, einen elektronischen Verteiler einzuführen, weil der es ermöglicht alle Teams simultan zu verständigen. Um eine Situation wie die in Fuji zu vermeiden, wird die Rennleitung in Zukunft über das E-Mail hinaus als Absicherung die Zettelwirtschaft wieder einführen.

Das Ende der Ära Todt?

Von einer Entschuldigung an Ferrari ist nichts zu lesen. Damit wird Fiat-Präsident Luca di Montezemolo den Schuldigen in den eigenen Reihen suchen, so wie er das schon im Spionagefall vorhatte. Damals zog Rennleiter Todt seinen Kopf noch aus der Schlinge, weil der FIA-Weltrat McLaren sämtliche Konstrukteurspunkte strich. Ferrari-Insider behaupten jetzt: Wenn McLaren die Fahrer-WM gewinnt, wird die Ära Todt zu Ende gehen.

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