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Wie nah ist Vettel dran?

"Die drehen einfach am Power-Rad"

Sebastian Vettel - GP Australien 2016 Foto: xpb 63 Bilder

Sebastian Vettel wäre gerne mit einem Sieg in die neue Saison gestartet. 34 Runden lang durfte er davon träumen. Dann begann ihm und Ferrari zu dämmern, dass man mit den weichen Reifen möglicherweise zu hoch gepokert hatte.

21.03.2016 Michael Schmidt

Das Training war eine Ernüchterung. Mercedes brummte Ferrari 6 Zehntel auf eine Runde auf. Doch nur einen Tag später war die rote Welt schon wieder in Ordnung. Mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass Sebastian Vettel nicht gewonnen hat. Dafür aber mit der Gewissheit, dass er die Mercedes im Rennen unter Druck setzen kann. "Da sind wir viel näher an ihnen dran als im Training."

Vettel schoss schon auf den ersten 600 Metern an den Silberpfeilen vorbei. "Der Start war fast perfekt", blickte der spätere Dritte zurück. "Ich bin so gut vom Fleck gekommen, dass ich ein bisschen zu viel wollte als ich zwischen den Mercedes durch bin. In der zweiten Beschlenigungsphase bekam ich etwas Schlupf an den Hinterrädern."

Mercedes-Ingenieure warnen: "Beim Start ist Ferrari besser gerüstet als wir." Den Gegenangriff von Nico Rosberg wehrte Vettel am Bremspunkt ab. Um dann erfreut festzustellen, dass ihn Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari nach hinten absicherte.

Ferrari setzte von Anfang an auf Supersoft

Ferrari hatte seine Taktik von Anfang an auf die superweichen Reifen aufgebaut. Man sparte sich schon im dritten Training einen Extra-Satz für das Rennen auf. Den Ferrari-Strategen war klar, dass man mit gleichen Mitteln den Silberpfeilen noch nicht beikommen kann. Also war Risiko Pflicht - was bis zur 17. Runde nach Plan funktionierte. Dann machte der Rennabbruch Mercedes ein Geschenk. Rosberg konnte seine Strategie korrigieren. Und Hamilton machte verlorenen Boden gut.

Während Mercedes auf die harten Reifen setzte, blieb Ferrari seiner aggressiven Taktik treu. "Wir werden erst in der Datenanalyse erfahren, ob wir damit falsch lagen. An unserem Auto bauen die Reifen anders ab als am Mercedes", meinte Rennleiter Maurizio Arrivabene.

Auf den ersten Blick gab es keine eindeutige Antwort darauf. "Sebastian hatte zum Schluss die Chance, Hamilton zu überholen. Es kann so falsch nicht gewesen sein." Auch Vettel wollte keinen Schuldigen suchen: "Wir treffen diese Entscheidung als Team."

Arrivabene resümierte, dass Ferrari das Rennen eher verloren habe, als dass es Mercedes gewonnen hat. "Bis zur roten Flagge sah Sebastian wie ein Sieger aus. Wir haben das Tempo bestimmt. Und unsere Strategieprogramme haben gesagt, dass ein Sieg möglich war." Mercedes-Chefstratege James Vowles gab zu: "Wenn Sebastian einmal an Lewis vorbeigewesen wäre, hätte Lewis nicht mehr kontern können."

In den Kurven so schnell wie Mercedes

Beide Mercedes-Piloten betrachten Ferrari im Rennen als Gegner, den man ernst nehmen muss. In der Qualifikation ist Mercedes dagegen immer noch eine Klasse für sich. "Die drehen einfach am Power-Rad, und dann sind sie weg", grübelt Vettel. Doch es gibt auch positive Anzeichen. "In den Kurven können wir mit ihnen mithalten." Im kurvenreichen dritten Sektor gewann Rosberg nur 77 Tausendstel auf Vettel. Beim Top-Speed fehlten dem Ferrari lediglich 3,5 km/h.

Möglicherweise spielt die größere Auswahl aus dem Pirelli-Sortiment Ferrari einen Steilpass zu. Es sieht so aus, als könnte Ferrari weichere Reifen fahren. Weil das Auto traditionell schonend mit seinen Sohlen umgeht. Das ist bei kühlen Temperaturen im Training ein Nachteil, im Rennen auf bestimmten Strecken vielleicht eine Trumpfkarte. Weil man mit der dritten Mischung den Gegner aus der Reserve locken kann. In Melbourne hatte Mercedes noch eine Antwort parat.

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