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Ferrari zieht Bilanz und blickt auf 2016

"Müssen Mercedes schlagen können"

Marchionne - Arrivabene - Ferrari - Christmas Press Lunch - 14. Dezember 2015 Foto: Ferrari 54 Bilder

Der erste Schritt ist getan. Ferrari hat die Saison 2015 als stärkster Verfolger von Mercedes abgeschlossen. Doch Präsident Sergio Marchionne will nächstes Jahr mehr als nur die Silbermedaille. Ferrari muss in der Lage sein, um den Titel zu kämpfen.

14.12.2015 Michael Schmidt

Drei Siege, 16 Podiumsplatzierungen, 428 Punkte, 10.608 Rennkilometer, 186 Runden in Führung: Das sind Ferraris Zahlen der Saison 2015. Zum Vergleich die Daten des Vorjahres: Null Siege, zwei Podiumsplatzierungen, 216 Punkte, 10.704 Rennkilometer, 32 Runden in Führung. Man könnte sagen: eine hundertprozentige Steigerung. Doch zurück blieb auch die Erkenntnis, dass Mercedes auf nahezu allen Strecken einen Vorsprung von acht Zehnteln pro Runde hatte. "Ich glaube, wir können mit dieser Saison zufrieden sein", bilanziert Präsident Sergio Marchionne gnädig.

Doch für den 63 jährigen Italo-Kanadier ist das nur der erste Schritt. Bei der traditionellen Weihnachts-Pressekonferenz in Maranello machte der Chef von Fiat und Ferrari klar, dass die Ansprüche im nächsten Jahr höher liegen müssen. "Weltmeister wäre eine schöne Vorstellung", träumt er kurz vor sich hin, bevor er konkret wird: "Wir haben 2015 große Fortschritte gezeigt, aber jetzt müssen wir in der Lage sein, die Lücke zu Mercedes zu schließen. Ich erwarte zum Saisonstart 2016 ein Auto, mit dem wir Mercedes schlagen können. Ich sage nicht, dass wir es müssen. Aber wir müssen es können. Es gibt unsererseits jedenfalls keine Entschuldigungen mehr."

Ein Winter der Leidenszeit für Ferrari

Marchionne verlangt von seinen Söldner große Opfer. Normalerweise sei der Winter eine Zeit der Besinnung und des Ausruhens. Damit wird es nichts beim berühmtesten Rennstall der Welt. "Wir werden über den Winter leiden und hart arbeiten, um unsere Ziele zu erreichen. Die nächsten drei Monate werden entscheidend. Wir müssen das beste aus ihnen machen."

Rennleiter Maurizio Arrivabene verzichtete im Gegensatz zum Vorjahr auf eine genaue Beschreibung des Saisonziels. "Es gibt eine Vorgabe von unserem Präsidenten. Es ist unsere Aufgabe, diese zu erfüllen." Dann kommt die Sprache auf das Team, das Ferrari jetzt im Visier hat. Marchionne bezeichnet Mercedes-Chef Dieter Zetsche als Freund und Wettbewerber. "Zu Beginn war von Mercedes aus eine gewisse Arroganz gegenüber Ferrari zu spüren. Heute respektiert er uns mehr. Gute Resultate auf der Rennstrecke sind der einzige Weg, dass wir uns vollen Respekt erarbeiten können. Es wäre eine Enttäuschung, wenn unser neues Auto nicht in der Lage sein sollte, Mercedes zu schlagen."

Der große Capo setzt sein Team unter einen gewaltigen Druck. Arrivabene ist die Anspannung anzumerken. Er spricht von Entschlossenheit und Bescheidenheit und gibt zu, in ständiger Angst zu leben. "Angst, die selbst gestellten Ziele nicht zu erreichen." Der 58-Jährige aus Brescia präzisiert. "Es ist eine positive Angst. Eine, die uns antreibt. Ich bin nie happy mit dem, was ich erreicht habe. Die Situation ist doch so: 'Wir waren Zweiter und müssen uns nun anschicken, Erster zu werden. Natürlich sind wir alle ein bisschen nervös."

Lob für Vettel, Seitenhiebe auf Alonso

Schließlich kommt Marchionne noch auf die Fahrer zu sprechen. Es beginnt mit einem Lob für Sebastian Vettel und einem Seitenhieb auf seinen Vorgänger Fernando Alonso. "Wir hatten letzten Samstag hier in Maranello eine Veranstaltung mit dem ganzen Team. Vettel hat vor 1.200 Leuten eine Rede gehalten. Komplett auf Italienisch. Es war unglaublich. Man hat nur noch seinen deutschen Akzent herausgehört. Es war eine herzliche Ansprache. Nach nur einem Jahr kann ich sagen: Sebastian ist ein Ferrari-Mann und voll in das Team eingebunden. Mehr als es Alonso in fünf Jahren je war."

Auch Kimi Räikkönen bekam Streicheleinheiten von seinem Präsidenten: "Ich habe in der zweiten Saisonhälfte einen neuen Kimi erlebt. Er ist Vater geworden, und das tut ihm gut. Kimi ist viel gefestigter und hat ernsthafter gearbeitet als vorher. Sein Problem war nur, dass Vettel eine so außergewöhnliche Saison gefahren ist."

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