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Ferrari zu langsam

Was ist faul bei Ferrari?

Felipe Massa - Ferrari - Formel 1-Test Barcelona - 3. März 2012 Foto: xpb 30 Bilder

Ferrari kommt nicht in die Gänge. Die Rundenzeiten sind bescheiden, die Dauerläufe Licht und Schatten, die Aussagen von Streckenspionen teilweise erschreckend. Technikchef Pat Fry sieht trotzdem nicht schwarz. Die Experten rätseln, was den neuen Ferrari 2012 bremst.

02.03.2012 Michael Schmidt

Am Donnerstag stand Fernando Alonso am Streckenrand. Der Weltmeister von 2005 und 2006 filmte alle Autos mit seinem Handy. So, als wollte er für sich und seine Ingenieure ein Dokument erstellen, auf dem die Defizite des roten Autos zu sehen sind. Aus Ferrari wird man nicht schlau. Mal sind die Rundenzeiten ganz ordentlich, mal hinken sie um Meilen der Konkurrenz hinterher. Ein Teammitglied resümiert: "Wir sind nicht so schlecht, wie wir aussehen, aber auch nicht so gut, wie wir sein müssten."

Ferrari muss sich für eine Konfiguration entscheiden

Es ist für die Fahrer und Ingenieure immer noch schwierig, das richtige Fenster zu finden, in dem das Auto schnell ist. Das Fenster für die optimale Aerodynamikkonfiguration, das Fenster für das Fahrzeug-Setup. Technikchef Pat Fry gab vor der letzten Testwoche in Barcelona die Devise aus, sich auf die vielversprechendste der Aerodynamikkonfigurationen zu konzentrieren. Bei dieser zielt der Auspuff nach innen.

"Wir müssen für das erste Rennen eine Basis finden, auf der wir das Auto entwickeln können. Der Unterschied zwischen den einzelnen Auspufflösungen ist nicht groß, aber jetzt wird es Zeit, eine davon zu optimieren. Jetzt geht es darum, eine konstante Balance mit dem Auto zu finden und unser Programm abzuspulen, zu dem wir bis jetzt nicht gekommen sind", erklärte der britische Ingenieur.

Ferrari hinkt seinem eigenen Zeitplan weit hinterher. Acht Testtage brauchte man, um sich für eine Richtung zu entscheiden. Jetzt beginnt die eigentliche Testarbeit. Trotzdem fuhr Fernando Alonso auch am zehnten Tag noch mit Farbe auf den Flügeln herum, und hin und wieder rollte er langsam über die Zielgerade, um Aero-Daten zu sammeln.

Ferrari wirkt nicht souverän

Pat Fry beruhigt: "Wir haben heute Entwicklungsteile probiert. Dafür musste wir Daten sammeln." Eine der Entwicklungs-Komponenten war ein neuer Frontflügel. Er wurde mit gelber Farbe besprüht, um den Strömungsverlauf zu dokumentieren. Sonderlich souverän wirkt das nicht.

Am Samstag absolvierte Felipe Massa am Vormittag eine Qualifying-Simulation. Mit den Supersoft-Reifen sprang eine 1:22.413 Min. heraus. Sauber-Pilot Kamui Kobayashi war bei der gleichen Übung in der Vorwoche eine Zehntel schneller.

Alonsos Rennsimulation am Freitag beeindruckte die Konkurrenz auch nicht. Der Spanier spulte die 66 Runden mit vier Boxenstopps ab. Die Reihenfolge der Reifen lautete: medium-soft-soft-medium-medium. Teilweise brachen die Rundenzeiten auf erschreckende Weise ein. Um bis zu 3,5 Sekunden innerhalb von zwölf Runden.

Pat Fry sieht trotzdem nicht schwarz: "Wir haben die Rundenzeiten noch nicht mit den Dauerläufen anderer Teams übereinandergelegt", weicht der Engländer aus. "Auf uns bezogen kann ich sagen, dass wir einen Mix von neuen und gebrauchten Reifen eingesetzt haben. Manche Ergebnisse waren gut, andere ziemlich schlecht." Sein Fazit lautet trotzdem: "Wir sind in einer vernünftigen Form."

Braucht Ferrari ein neues Auto?

Die Konkurrenz hält das für Schönfärberei. Sie beziffert den Rückstand der roten Autos auf die Spitze anhand von Zeitanalysen auf über eine Sekunde. Sogar Teams wie Force India oder Sauber lägen derzeit vor der Traditionsmarke aus Maranello. Wer die Ferrari auf der Strecke beobachtet hat, berichtet immer noch von einem extrem nervösen Fahrverhalten. Im Heck scheint dramatisch Abtrieb zu fehlen. Oder der Anpressdruck schwankt und sorgt im Cockpit für die ein oder andere böse Überraschung. Das würde auch den hohen Abbau der Reifen erklären. Teilweise brachen die Reifen schon nach fünf Runden ein.

Die Experten rätseln, was diesen Ferrari bremst. Die Vorderradaufhängung nach dem Pullrod-Prinzip ist es nach Aussagen der Ferrari-Ingenieure und Fahrer nicht. "Mechanisch ist alles gesund", sagte Alonso schon letzte Woche. Doch das alternative Konzept an der Vorderachse bedeutet, dass die komplette Geometrie des Vorderbaus des F2012 eine andere ist. Und damit auch die Strömung Richtung Heck.

Ex-Ingenieur Gary Anderson vermutet, dass auch die schlauchförmigen Ausbuchtungen am Ende der Seitenkästen eine negative Rolle spielen könnten. "Das könnte die Strömung im Heck nachteilig beeinflussen, weil die Flaschenhalsform nicht mehr so zur Geltung kommt. Selbst wenn sie dadurch vom Auspuff einen kleinen Gewinn bekommen, würden sie vom aerodynamischen Konzept her mehr verlieren. Letztes Jahr konnte man es sich leisten, für den Auspuff an anderer Stelle etwas zu opfern. Doch der Auspuff selbst ist kein so mächtiges Element mehr wie 2011."

Die Frage ist, ob und wann Ferrari die Schwierigkeiten in den Griff bekommt. Pessimisten fürchten, dass notfalls ein neues Auto her muss. Das wäre übrigens möglich. Die Homologation des Chassis für eine ganze Saison wurde letztes Jahr aufgehoben. Nicht von der FIA. Darauf hatten sich die Teams untereinander verständigt.

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