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Ferraris bitterste Niederlage

"Zweiter und dritter Platz eine Niederlage"

Sebastian Vettel - Ferrrari - GP Spanien 2016 - Barcelona - Sonntag - 15.5.2016 Foto: sutton-images.com 68 Bilder

Ferrari wollte Mercedes den Titel abjagen. Vier Rennen lang rannte der Herausforderer vergeblich gegen die silberne Bastion an. Dann fallen beide Mercedes aus, und ein Red Bull gewinnt. Teamchef Maurizio Arrivabene bezeichnete die Plätze 2 und 3 als eine Niederlage.

16.05.2016 Michael Schmidt

Der Schuss traf voll daneben. Ferrari-Präsident Sergio Marchionne forderte für den GP Spanien den ersten Sieg. Am Ende gewann Red Bull. Mercedes machte Ferrari das Geschenk, in der Startrunde mit beiden Autos auszufallen, doch Ferrari griff nicht zu. Trotz Platz 2 und 3 beschleicht Maranello das unbehagliche Gefühl, dass man mit Red Bull einen Gegner für die Rolle des Kronprinzen bekommt. Mercedes ist weiter außer Reichweite.

Im roten Lager wollte nach dem Rennen keine Freude aufkommen. Teamchef Maurizio Arrivabene sagte klipp und klar: "Wir haben heute eine Chance bekommen und haben sie nicht genutzt. Obwohl wir im Rennen schnell unterwegs waren, haben wir bitter für unsere Probleme in der Qualifikation und auf einem bestimmten Teil auf der Strecke bezahlt." Mit anderen Worten: Wenn Mercedes ausfällt, muss Ferrari gewinnen. Wenigstens dann. Damit wurde Barcelona trotz der bislang höchsten Punkteausbeute zur bittersten Niederlage.

Stimmt die Analyse von Ferrari?

Ferrari ist ehrlich zu sich selbst, so weit es das Resultat betrifft. Ob die Analyse stimmt, steht auf einem anderen Blatt. Die Qualifikation war in Barcelona ein Problem, weil man bei steigenden Temperaturen mit der Fahrzeugabstimmung verzockt hatte. Doch Ferrari wäre auch mit einem optimalen Set-up nicht auf die Pole Position gefahren. Bestenfalls hätte man Red Bull aus der zweiten Reihe verdrängt. Schon bei den ersten vier Rennen fehlten im Training durchschnittlich 0,65 Sekunden. Ohne, dass es am Samstag immer heiß war.

Dass Ferrari im Rennen tendenziell besser abschneidet, ist auch nichts Neues. Die roten Autos streicheln die Reifen. Das wird ihnen vielleicht bei der Zeitenjagd am Samstagnachmittag zum Verhängnis. Es erklärt die großen Zeitdifferenzen aber nur zur Hälfte. Wenn die Silberpfeile am Power-Rad drehen und mit ihrem optimalen Set-up unterwegs sind, ist gegen sie kein Kraut gewachsen. Sie zünden sofort die Reifen an, ohne sie zu zerstören. Das macht sie auch im Rennen schnell.

Sind die hohen Reifendrücke das Problem?

Arrivabene glaubt, Ferrari habe des Rätsels Lösung für das schwache Abschneiden in der Qualifikation und den Zeitverlust im dritten Sektor der Strecke gefunden. Es trifft sich daher gut, dass in Barcelona noch zwei Testtage angesetzt sind. Dabei soll ermittelt werden, ob die Theorie stimmt. Seinen Verdacht ließ Ferrari im Dunkeln.

Man muss kein Gedankenleser sein um herauszufinden, worum es geht. Ferrari argwöhnt, dass Mercedes und wahrscheinlich auch Red Bull in der Lage sind, die von Pirelli vorgegebenen Startdrücke im Fahrbetrieb nicht ansteigen zu lassen, vielleicht sogar abzusenken. So reduziert sich wenigstens nicht die Auflagefläche des Reifens. Wer das nicht beherrscht, gerät in einen Teufelskreis. Steigende Oberflächentemperatur erhöht den Luftdruck, was die Kontaktfläche verringert und widerum die Oberflächentemperatur nach oben treibt. Je heißer der Asphalt, umso schlimmer.

Das sorgt für einen Gripverlust in den langsamen und mittelschnellen Kurven. Also Sektor 3, wo Mercedes und Red Bull, ja sogar McLaren deutlich besser unterwegs waren. Ausgangs der Schikane zog Max Verstappen dem Ferrari von Kimi Räikkönen jedes Mal mühelos davon. Da half dem Finnen auch der höhere Topspeed und der DRS-Vorteil nichts. Auf dem Zielstrich lag der Red Bull-Pilot immer um mindestens 0,7 Sekunden vor seinem Verfolger.

Red Bull fordert Ferrari im Kampf um Platz 2 heraus

Das Dumme aus Sicht von Ferrari ist, dass man gegen die Tricksereien mit dem Luftdruck nicht protestieren kann. Sie sind im legalen Bereich, haben viel mit kontrollierter Felgenkühlung zu tun. Es gibt nur zwei Auswege aus dem Dilemma. Entweder Ferrari findet eine eigene Lösung. Oder die FIA misst in Zukunft die Luftdrücke an den fahrenden Autos. In Monte Carlo will der Verband die Fahrdaten aller Autos registrieren. Es könnte der erste Schritt zu einer neuen Regelung sein. Mercedes macht allerdings nicht den Eindruck, als dass man deswegen nervös werden müsste.

Ferrari muss sich vielleicht bald schon auf einen neuen Gegner einstellen. Red Bull-Teamchef Christian Horner warnt die Roten: "Wenn die Motor-Ausbaustufe von Renault hält, was sie verspricht, können wir Ferrari dauerhaft unter Druck setzen." Daran mögen Marchionne, Arrivabene, Vettel und Räikkönen gar nicht denken.

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