Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Ferraris Erfolgsgeheimnis

Erster Sieg keine Eintagsfliege

Fernando Alonso GP England 2011 Rennen Foto: xpb 53 Bilder

Ferrari meldet sich zurück. Fernando Alonso erlöste die Scuderia mit einem makellosen Sieg beim GP England. Der Erfolg der Roten war kein Zufallsprodukt. Die Einschränkungen beim Anblasen des Diffusors und Vettels missglückter Boxenstopp haben das Gewinnen einfacher gemacht, sie waren aber nicht das Erfolgsgeheimnis.

15.07.2011 Michael Schmidt

Red Bull würde einen Fehler machen, wenn man Ferraris Wiedergeburt in Silverstone als Eintagsfliege abtut. Fernando Alonso hat den GP England nicht gewonnen, weil das Anblasen des Diffusors nur noch beim Gasgeben möglich war. Er hat seinen 27. GP-Sieg nicht nur deshalb gefeiert, weil Sebastian Vettel bei seinem zweiten Boxenstopp 7,6 Sekunden auf den Ferrari-Mann verlor und dann acht Runden lang hinter Lewis Hamilton festhing.

Mit warmen Reifen nicht zu halten

Alonso hat die Red Bull um 16,511 Sekunden abgehängt, obwohl der Grand Prix auf einer Piste begann, die halb feucht, halb trocken war. Das Beispiel Montreal hat gezeigt, dass Ferrari bei diesen Bedingungen noch nicht ganz auf Ballhöhe ist. Es dauert im Vergleich zu Red Bull zu lange, bis die Intermediates auf Temperatur kommen. Alonso konnte erst am Ende des ersten Turns die Red Bull-Zeiten fahren. Da hatte er bereits 9,5 Sekunden Rückstand. Das ist mehr als Vettel bei seinem Boxenstopp in der 27. Runde auf Alonso verloren hat.

Auch auf trockener Phase war zu beobachten, dass der Ferrari eine Runde länger als Red Bull und McLaren braucht, bis er die weichen Pirellis im Arbeitsfenster hatte. Doch dann ist die rote Rakete allen davongeflogen. Alonsos schnellste Rennrunde lag um 0,6 Sekunde unter den besten Red Bull-Zeiten. Er konnte auch in den Runden 13 und 14 mit einem Reifensatz noch schnelle Rundenzeiten drehen. Da hatten die Vettel und Webber schon mit starkem Reifenabbau zu kämpfen.

Ferrari-Update bringt erhofften Sprung

Wer Ferraris Rückkehr auf das Siegerpodest auf die Auspuffregeln schiebt, hat nicht gut aufgepasst. Selbst wenn Ferrari weniger Zeit verloren hat als Red Bull und McLaren, weil man die Technik des heiß und kalt Anblasens nicht so perfektioniert hatte, kam der Fortschritt doch hauptsächlich von einer großen Ausbaustufe in mehreren Stufen. Ferrari war schon in Monte Carlo, Montreal und Valencia der Spitze nähergerückt, nur hatte man das auf die Stop-and-go Charakteristik der Strecken und die weichen Reifen geschoben.

In Silverstone erschien der F150 im neuen Kleid. Der Heckflügel war eine Neukonstruktion. Er gibt mehr Top-Speed in DRS-Stellung. Ferrari münzte das Geschenk aber lieber in zusätzlichen Abtrieb um, was man an den Top-Speeds ablesen konnte. Die Motorabdeckung ist am Ende schlanker, weil der Auslass der heißen Kühlluft jetzt nicht mehr durch eine große Öffnung am Ende der Seitenkästen, sondern durch je drei Kiemen an den Flanken der Verkleidung erfolgt. Die Luft bläst gezielt auf das Diffusordach. Auspuff und Diffusor waren ebenfalls modifiziert.

Reifenprobleme behoben?

Dazu kam der erste Renneinsatz der neuen Hinterradaufhängung, die in Montreal und Valencia jeweils in den ersten Trainingssitzungen getestet worden war. Sie hilft, die harten Reifenmischungen besser aufzuheizen. Wie gut das funktioniert hat, konnte der Rennverlauf nicht klären. Wegen der nassen Piste zu Beginn waren die Teams nicht gezwungen, beide Reifenmischungen einzusetzen. Bis auf Paul di Resta hat es keiner mit den harten Gummis versucht.

Alonso musste sich auf sein Gefühl vom Samstagstraining verlassen. "Ich habe keine Referenz über mehrere Runden. Dazu fehlte die Zeit. Das erste Gefühl war aber gut. Ich bin mir sicher, dass wir diesmal auf den harten Reifen nicht wie in Barcelona eine Runde verloren hätten."

Alonso im schnellen Sektor schnell

Die Lösung des Problems mit den harten Reifen ist eines von zwei Indizien dafür, dass der Aufschwung der Ferrari nichts mit der Auspuffregel zu tun hatte. Ob der Diffusor im Schleppbetrieb angeblasen wird oder nicht, spielt beim Aufwärmen der Reifen keine Rolle. Das beste Argument gegen die Theorie, dass Ferrari von den Einschränkungen am Auspuff profitiert hätte, sind aber die Sektorzeiten.

Alonso gewann seine Zeit im schnellsten Streckensektor. Dort nahm er den Red Bull regelmäßig eine halbe Sekunde ab. In schnellen Kurven spielte das Anblasverbot keine Rolle. Das bezog sich nur auf die Phasen des Gaswegnehmens. Bei Vollgas helfen die Auspuffgase dem Diffusor so oder so. Alonso war also unter gleichen Bedingungen wie bei den Rennen zuvor schneller.

Fans müssen auf Zweikampf mit Vettel verzichten

Alonso gab zu, dass es ohne Vettels Pech mit dem Gewinnen schwerer geworden wäre. "Ich hätte Sebastian dann auf der Strecke überholen müssen, so wie ich das mit Hamilton getan habe. Bei drei Zehnteln Vorsprung in der Rundenzeit wäre es sicher schwer geworden, an dem Red Bull vorbeizukommen." Wahrscheinlich hätte Alonso den Weltmeister erst im Finale geknackt, als am Red Bull mit der Startnummer eins die Reifen einbrachen.

Alonso ließ sich die gute Laune durch diese Gedankenspiele nicht verderben: "Wir haben auf einem Streckenlayout gewonnen, das in den letzten drei Jahren nicht das ideale Layout für einen Ferrari war. Wir haben diese Schwäche offenbar überwunden. Jetzt müssen wir nur aufpassen, dass wir unsere Stärke in langsamen Kurven dafür nicht aufgegeben."

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden