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Red Bull-Kopie?

Ferraris Flatter-Flügel sorgt für Ärger

Fernando Alonso GP Indien 2011 Foto: xpb 18 Bilder

Erst haben alle nur gelacht. Ferraris neuer Frontflügel zeigte auf Bodenwellen, in Highspeed-Passagen und beim Bremsen deutliche Verbiegungen. Nach dem zweiten Training am Freitag wurde die Konkurrenz stutzig. Hängen die guten Platzierungen von Massa und Alonso vielleicht mit dem Flatterflügel zusammen?

29.10.2011 Michael Schmidt

Der neue Frontflügel von Ferrari debütierte beim GP Korea. Im Rennen war er nur am Auto von Fernando Alonso zu sehen. Rein optisch ist er eine Kopie vom Red Bull-Flügel. Doch ganz offensichtlich hat Ferraris Neukonstruktion noch andere Eigenschaften von seinem Vorbild geerbt. Schon in Korea war zu erkennen, dass sich der neue Flügel unter Last mehr bewegt als der alte.

Ferrari-Frontflügel schleift auf dem Asphalt

Im ersten Training zum GP Indien flatterte der Flügel extrem. Ferrari war in der Entwicklung des Flügels offenbar noch einen Schritt weiter gegangen. Weil die Flügelbewegungen auf den TV-Bildern mit freiem Auge erkennbar waren, ließ Ferrari den Flügel bei der FIA auf Steifigkeit testen. Ergebnis: Den statischen Test besteht der Flügel tadellos.

Die Story kennen wir schon von Red Bull. Das Weltmeisterteam wird bereits seit über einem Jahr verdächtigt, einen Frontflügel einzusetzen, der sich bei entsprechendem Anpressdruck kontrolliert verformt, und zwar so, dass die Endplatten auf der Straße schleifen. Das schafft zusätzlichen Abtrieb. Trotz aller Zweifel bestand auch Red Bull bislang jeden Test.

Zwei Erklärungen für den Flügel-Trick

Die Konkurrenz hatte für den Red Bull-Flügel zwei Theorien entwickelt. Erstens: Wegen der starken Anstellung des Autos nach vorne liegen die Frontflügelendplatten ohnehin schon tiefer über der Straße als bei den anderen Autos. Wenn im Stand an den Flügelenden gezogen wird passiert gar nichts.

Jetzt kommt Theorie zwei ins Spiel. Offenbar sorgt eine ausgeklügelte Faserstruktur dafür, dass sich die Flügelelemente erst nach hinten verbiegen müssen, bevor sie vertikal nach unten klappen können. Das ganze ist aber so kompliziert, dass Red Bulls Gegner beim Kopieren auf keinen grünen Zweig kamen. Bis Ferrari jetzt mit seiner Version des Flatterflügels auftauchte.

Neue Aufhängung hilft bei der Anstellung des Autos

Die beiden Ferrari von Felipe Massa und Fernando Alonso sind mit der sogenannten HCC-Aufhängung ausgerüstet. HHC steht für High Camber Change. Dieser Aufhängungstyp, der in Silverstone debütierte, lässt das Auto hinten höher in den Federn stehen und geht beim Einfedern automatisch auf mehr Sturz. Durch die Anstellung verringert sich der Abstand zwischen Frontflügel und Straße.

Es sieht so aus, dass die Ferrari-Techniker nach dem ersten Einsatz in Korea mit der Flexibilität des Flügels einen Schritt weiter gegangen sind. Manche meinen vielleicht sogar einen Schritt zu weit. McLaren-Testfahrer Pedro de la Rosa beobachtete: "Der Ferrari-Flügel hat auf Bodenwellen nachgefedert. Das macht der Red Bull-Flügel nicht." Das war aber nur zu Beginn des Trainings der Fall. Die Fahrer beklagten sich über starkes Pumpen auf der Vorderachse. Setup-Korrekturen stellten das Problem ab.

Neuer Flatter-Flügel eine Red Bull-Kopie?

Was im Fahrerlager zunächst für Heiterkeit gesorgt hatte, wurde nach der zweiten Trainingssitzung zu einem ernsten Thema. Da hatten Massa und Alonso die Plätze eins und drei belegt. Am Samstag fuhren die roten Autos scheinbar eine zivilere Version. Die Flügelenden schleiften nicht mehr so extrem - und prompt fehlte eine Sekunde auf die Spitze.

Die Frage, die man sich stellt, ist, warum Ferrari gerade jetzt das Rätsel um den Red Bull-Flügel entschlüsselt hat. Einige Red Bull-Mitarbeiter haben da einen Verdacht. Als Mark Webber in Monza mit Felipe Massa in der Schikane kollidiert ist, ging auf dem Weg bis zu seinem Crash in der Parabolica der halbe Frontflügel des Red Bull verloren. Er wurde nie gefunden. Ein Bösewicht, der da denkt, dass das Teil in Maranello gelandet ist.

In unserer Fotogalerie zeigen wir am Beispiel von Red Bull, wie der Trick genau funktioniert.

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