Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Ferraris Monza-Pleite

Auf Kriegsfuß mit den schnellen Strecken

Alonso & Vettel GP Italien Monza 2011 Foto: xpb 54 Bilder

Von Silverstone bis Budapest sah Ferrari aus wie ein echter Herausforderer für Red Bull. Man reiste mit großen Hoffnungen nach Spa und Monza und kehrte enttäuscht zurück. Lag es nur an der Streckencharakteristik, oder ist Sand im Getriebe?

15.09.2011 Michael Schmidt

Fernando Alonso verstand die Welt nicht mehr. In Spa und Monza lahmte sein Ferrari. Auf Strecken, auf denen sich Ferrari viel ausgerechnet hatte. Speziell Monza, wo es im Vorjahr einen überlegenen Doppelsieg gab. Und diesmal? Im Training war der Spanier wieder mal besser als sein Auto. Trotzdem kam er mit sechs Zehntel Rückstand auf den Trainingsschnellsten Sebastian Vettel nur auf Rang vier.

Alles auf den Kopf gestellt

Im Rennen kämpfte er nach einem Superstart mit dem Rücken zur Wand. Nicht einmal der geringe Reifenverschleiß war eine Trumpfkarte. Den Ferrari fehlte der Speed. Vettel brauchte nur fünf Runden, um den Ferrari zu bezwingen. Jenson Button ging mühelos in Runde 36 vorbei. "Hätte das Rennen noch eine Runde länger gedauert, hätte es Hamilton auch noch geschafft. Schumacher hat ihn zum Glück für uns zehn bis 15 Sekunden Zeit gekostet."

Alonso stellte sachlich fest: "In diesem Jahr ist alles auf den Kopf gestellt. Wir gewinnen auf Strecken, auf denen wir traditionell schwach waren. Und wir fahren hinterher, wo wir letztes Jahr gewonnen haben." Silverstone war lange Ferraris Angststrecke. Ausgerechnet dort holte Alonso Ferraris bislang einzigen Sieg. Mit dem GP England begann eine Phase, in der Ferrari auf Augenhöhe mit Red Bull und McLaren fuhr. Nach den guten Erfahrungen von Montreal rechnete sich Ferrari für Spa und Monza besonders viel aus. Und wurde bitter enttäuscht. In Spa konnte man sich noch auf das kühle Wetter herausreden. In Monza aber herrschte Hochsommer. Trotzdem kam Ferrari in seinem Wohnzimmer nicht auf Touren.

Ferrari versucht Red Bull zu kopieren

Jetzt stellt man sich im roten Lager die Frage: Liegt es nur an den schnellen Strecken, oder war das eine Trendwende zum Schlechten? Alonso glaubt, dass die Streckencharakteristik schuld ist. "Unser Auto funktioniert in diesem Jahr besser auf Strecken, die viel Abtrieb verlangen. Vielleicht sind wir in Singapur schon wieder vorne dabei. Wir waren stark in Monte Carlo, und das mit dem Auto vor dem großen Facelift. Singapur ist von den Anforderungen ähnlich, und ich mag diese Strecke."

Der große Aufschwung von Ferrari zu Saisonmitte hatte hauptsächlich damit zu tun, dass man mit dem Auto dem Red Bull-Konzept gefolgt war. Der F150 wurde stärker nach vorne angestellt. Er bekam eigens dafür eine neue Hinterradaufhängung, um hinten mit größeren Bodenfreiheiten fahren zu können. Die Aerodynamik wurde so modifiziert, dass sie weniger sensibel auf Fahrzeugbewegungen beim Ein- und Ausfedern reagiert. Umbauten am Diffusor, dem Auspuff und der Motorabdeckung erhöhten den Abtrieb. Alonsos goldene Serie von vier Podestplätzen zwischen Valencia und Budapest gab den Technikern Recht.

Für Spa und Monza musste der Ferrari F150 wieder umgebaut werden. Die Aerodynamikkonfiguration für wenig Abtrieb funktionierte nur in einem kleinen Fenster. Ergo kehrte auch die alte Hinterradaufhängung zurück. Eine Modifikation im Bereich Auspuff und Unterboden, die in Spa debütierte, wurde vor dem GP Italien wieder zurückgezogen. Sie brachte nicht das, was sich die Ingenieure von ihr versprochen hatten. Dabei wurde der Auspuffstrahl klarer getrennt. Ein Teil der Auspuffgase strömte auf das Diffusordach, ein Teil unter den Boden. Man hatte sich das Prinzip von Red Bull abgeschaut.

Am ersten Trainingstag von Monza konnte man mit freiem Auge die Probleme der Ferrari-Piloten erkennen. Das Auto lag unruhig in den Bremszonen und über die Radsteine. Man fuhr mit minimalem Federweg. In der ersten Trainingssitzung fehlten zwei Sekunden auf die Spitze. Schritt für Schritt wurde an der Abstimmung gefeilt, bis am Samstag endlich die Richtung stimmte. Red Bull und McLaren waren zwar außer Reichweite, doch man hatte die Mercedes wieder im Griff.
Trotzdem mussten die Ferrari-Piloten mit Kompromissen leben. Sie konnten nicht wie ihre Kollegen von Red Bull und McLaren mit viel Abtrieb und einem kurzen siebten Gang fahren. "Wir haben es versucht, aber es hat bei uns nichts gebracht", bedauerte Teamchef Stefano Domenicali. In Normalstellung erwies sich der Heckflügel des F150 als ineffizient. "Ich war nur mit aktiviertem DRS auf der Geraden deutlich schneller als die Red Bull. Deshalb der große Topspeed-Unterschied im Training", erklärte Alonso. "Ohne DRS ist der Vorteil deutlich geschrumpft." 

Ferrari kämpft mit Reifenproblemen

In der Schlussphase des Rennens wiederholte sich ein Problem, das Ferrari nicht in den Griff bekommt. Auf den harten Reifen verlieren die roten Autos mehr Zeit als die Konkurrenz. Mit der Gummimischung "soft" betrug der Abstand zu Red Bull und McLaren eine halbe Sekunde pro Runde. Auf "medium" war es eine Sekunde. "Auf den weichen Reifen konnte ich mich noch gut gegen die McLaren verteidigen. Auf den harten hatte ich keine Chance. Wir müssen dahin kommen", fordert Alonso, „dass unser Auto auf allen Reifentypen gleich gut ist."

Die Weltmeisterschaft ist aus Sicht von Alonso auch für die letzten Träumer im Feld gelaufen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann man Vettel zum zweiten WM-Titel gratulieren darf. "Unser Ziel ist es jetzt, die Saison als Zweiter abzuschließen. Platz zwei hört sich besser an als Platz fünf. Und ich möchte vom Restprogramm noch soviele Rennen gewinnen wie möglich."

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden