Alles über Scuderia Ferrari
Scuderia Ferrari
Weitere Artikel zu diesem Thema
Ferrari - Formel 1 - GP Ungarn 2013 21 Bilder Zoom

Ferraris Probleme mit der Technik: Warum steht Ferrari still?

Es ist jedes Jahr das gleiche Bild. Ab einem bestimmten Zeitpunkt in der Saison tritt Ferrari auf der Stelle. Im letzten Jahr ging nach der Sommerpause nichts mehr vorwärts. Diesmal scheint die Stagnation schon früher eingetreten zu sein. Ist das Konzept des Autos schuld?

Erinnern Sie sich noch an das vergangene Jahr? Bis zur Sommerpause fuhren Fernando Alonso und Ferrari auf Titelkurs. Danach ging es nur noch bergab. Sämtliche Versuche den letztjährigen F2012 in der zweiten Saisonhälfte zu verbessern, schlugen fehl.

Alonso hätte wahrscheinlich trotzdem noch den Titel gewonnen, wäre er nicht zwei Mal von der Piste geräumt worden, und hätte ihm nicht ein Defekt an der Hinterachse die Pole Position in Monza geraubt. Doch 2012 ging er auch mit einem Vorsprung von 42 Punkten auf Sebastian Vettel in die zweite Saisonhälfte. Diesmal hat er 39 Zähler Rückstand. Und die Entwicklung seines F138 tritt seit Wochen auf der Stelle.

Ferrari schrittweise zurück auf Stand Barcelona

Alonso zeigte in seiner Zwischenbilanz das Problem von Ferrari auf. Das große Facelift von Silverstone, von dem man sich so viel versprochen hatte, war ein Schlag ins Wasser. Deshalb wurde das Auto am Nürburgring teilweise zurückgerüstet.
 
Und weil das im Vergleich zu Silverstone besser lief, haben die Ferrari-Ingenieure weitere Neuentwicklungen abgebaut. Der F138 präsentierte sich am Hungaroring auf den Stand des GP Spanien. Wie soll man da gegen Autos gewinnen, die seitdem ständig weiterentwickelt wurden? So ist Ferrari hinter Red Bull, Mercedes und Lotus zurückgefallen.
 
Die Liste der fehlgeschlagenen Entwicklungsschritte am F138 seit Barcelona ist lang: Die dickere Nase, der Bügelflügel und der Frontflügel mit der separaten oberen Etage in Montreal, die verlängerten Seitenkästen samt Motorabdeckung, Auspuff, Frontflügel und Heckflügel in Silverstone.

Die neuen Teile verschwanden, tauchten in Kombination mit anderen Komponenten zwischendurch immer mal wieder auf, blieben aber nie ständig am Auto. Was dafür spricht, dass sie nicht zufriedenstellend funktionierten.

Windkanal oder Konzept schuld an Ferrari-Misere?

Sofort tauchten im Umfeld von Maranello wieder Spekulationen auf, dass der Windkanal falsche Daten ausspuckt. Das ist zu bezweifeln. Ein Windkanal muss eigentlich immer nur dann neu kalibriert werden, wenn sich das Reglement oder das Konzept des Autos grundlegend ändert.

Wenn Ferrari mit seinen Ausbaustufen zwischen den Wintertests und Barcelona zufrieden war, dann spricht eigentlich nichts dafür, dass die Windkanäle von Toyota und Sauber plötzliche irreführende Werte produzieren.

Da liegt eher der Verdacht nahe, dass der F138 vielleicht nicht mehr weiterzuentwickeln ist, weil das Potenzial bereits voll ausgeschöpft wurde. Im letzten Jahr wurden mit dem F2012 nur deshalb bis zur Saisonmitte Fortschritte erzielt, weil die Startbasis so schlecht war. Der F138 aber zeigte von Beginn an ordentliche Leistungen und war vermutlich viel näher an seinem Limit.

Aero-Konzept schon 2012 ausgereizt

Im Gegensatz zu Red Bull, Mercedes und Lotus folgt der aktuelle Ferrari eher dem klassischen Ansatz eines Rennautos. Der Anstellwinkel von vorne nach hinten ist im Vergleich zu den Konkurrenzprodukten relativ moderat- ähnlich wie der alte McLaren von 2012. Technikchef Pat Fry kommt bekanntlich von McLaren.
 
Da liegt es nahe, das Konzept weiterzuentwickeln, das man kennt. Im letzten Jahr ist Ferrari damit noch ganz gut gefahren. Die neuen Auspuffregeln waren ein Handikap für all jene, die ihr Auto stark anwinkeln. Alonso kämpfte bis zum letzten Rennen um die Weltmeisterschaft. McLaren hätte den Titel wohl gewonnen, hätten sich im Verlauf der Saison nicht so viele Fehler eingeschlichen.
 
McLaren erkannte jedoch bereits im vergangenen Jahr, dass mit dem MP4-27 das Ende der Fahnenstange erreicht war. Deshalb ließen sich die Ingenieure auf ein neues Konzept ein, indem sie die Strömungsführung um die Seitenkästen herum zum Heck völlig neu gestalteten. Sie sind damit auf die Nase gefallen, aber sie hätten vermutlich auch mit einer Fortsetzung der MP4-27-Baureihe keine Bäume ausgerissen. Genau das stellt jetzt offenbar Ferrari fest. Die blieben ihrem klassischen Ansatz treu.

Neue Reifen helfen der Red Bull-Fraktion

Das Prinzip der starken Anstellung des Autos feierte in diesem Jahr eine Wiedergeburt, weil es den Ingenieuren gelungen war, die Auspuffgase wieder zielgenauer und mit größerer Energie in die Diffusorspalte zu blasen. Damit verbesserte sich die Versiegelung des Diffusors, und damit stieg der Abtrieb im Heck.

Red Bull, Mercedes und Lotus haben schon fast wieder die Werte von 2011 erreicht, als der Auspuff noch im Boden münden durfte. Zu Saisonbeginn haben die neuen Reifen mit ihrer stärkeren Verformung und dem hohen Verschleiß der Red Bull-Fraktion noch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Doch seit dem GP Ungarn wird wieder mit den steiferen Kevlar-Karkassen gefahren. Das garantiert vorne weniger Bodenfreiheit und hinten weniger verwirbelte Luft durch die Reifen. Ein Geschenk für alle jene, die das Auto stark anstellen. Ferrari zählt nicht dazu.

Nagelprobe in Singapur

Der vermeintliche Aufwärtstrend von Ferrari im Training von Budapest lag an den hohen Temperaturen. Bei 50 Grad auf dem Asphalt gibt es kein Aufwärmproblem. Im Rennen bauten die Reifen stärker ab als bei der Konkurrenz. Damit bekam Ferrari genau das Problem, das vorher die anderen hatten.

Das lag zum einen daran, dass Red Bull, Mercedes und Lotus relativ zu Ferrari mehr Anpressdruck im Heck geschenkt bekamen, zum anderen wohl auch an der großen Hitze. Die roten Autos schwächelten schon in Bahrain unter diesen Bedingungen.

Alonso forderte eine schnelle Reaktion von seinen Ingenieuren. Er will nach der Sommerpause ein Siegerauto. In Spa und Monza bekommt er es vielleicht sogar, denn auf den schnellen Strecken ist Ferrari traditionell stärker. Siehe Montreal. Da fuhr Alonso zum letzten Mal auf Augenhöhe mit der Spitze.

Dort, wo weniger Anpressdruck gefragt ist, kann man auch mit einem konventionellen Fahrzeugkonzept punkten. Die starke Anstellung kostet die Gegner zu viel Top-Speed. Entscheidend für Ferrari wird sein, ob man für den GP Singapur eine Antwort weiß. Das wird für Pat Fry und seine Mannschaft die Nagelprobe. Wenn Ferrari in Singapur keinen Schritt nach vorne macht, kann Alonso seine Titelhoffnungen abschreiben.

Michael Schmidt

Autor

Foto

Ferrari

Datum

2. August 2013
5 4 3 2 1 3,6 5 5
Kommentare
Videos
WGV Versicherungen
Wertvolles
günstig versichert!
Jetzt versichern und bares Geld sparen! Beitragsrechner
Vergleichen und Sprit sparen
Günstig tanken So finden Sie die günstigste Tankstelle

Jetzt vergleichen und Geld sparen!


Hier gibt es
Mehr tanken als kostenlose App
im Appstore herunterladen im Googleplay Store herunterladen
Forum: Heiß diskutiert
Weitere Marken Test - Fiat Multipla Offtopic Umfrage zu Fahrzeugvorlieben für meine Studienarbeit (11) Aktuelles Deutsche Autobahn - Beobachtungen (32) Weitere Marken Streit um die Porsche-DNA (12) Umwelt & alternative Kraftstoffe Kernfusion - gelungen (16)
Anzeige
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle Tests +++
+++ Alle Erlkönige +++
+++ Alle News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

  • Alle Bereiche
  • News
  • Tests
  • Motorsport
  • Videos
  • Markt
  • Fahrzeuge
  • Ratgeber
AUTO MOTOR UND SPORT für:
iPad iPhone Android Windows 8