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FIA befindet Mercedes als legal

Hamilton musste 2:28 Stunden zittern

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Italien 2015 - Monza Foto: Wilhelm 54 Bilder

Der spannendste Teil des GP Italien fand im Büro der Rennkommissare statt. Erst 2:28 Stunden nach der Zielflagge hatte Lewis Hamilton seinen siebten Saisonsieg sicher. Ihn rettete ein Kommunikationsproblem zwischen Pirelli und der FIA.

06.09.2015 Michael Schmidt

Wie macht man einen langweilige Grand Prix spannend? In dem man den haushoch überlegenen Sieger auf die Anklagebank setzt. Lewis Hamilton musste 2:28 Stunden lang um seinen 40.GP-Sieg, den siebten in dieser Saison, zittern. Er wäre um ein Haar über die neue Reifendruck-Verordnung der FIA gestolpert. Pirelli hatte nach den Reifenplatzern von Spa neue Grenzwerte für die Reifendrücke ausgegeben. 21 PSI vorne und 19,5 PSI hinten.

Um Tricksereien auszuschließen verlangte der italienische Reifenhersteller, dass die Drücke nicht nur im Stand, sondern auch zu jeder Zeit auf der Strecke eingehalten werden müssen. Fünf Minuten vor dem Start überprüfte der FIA-Delegierte Jo Bauer an den Autos von Lewis Hamilton, Nico Rosberg, Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel die Drücke. Während die Ferrari-Piloten deutlich über den geforderten Werten lagen, wurden bei Rosberg Startdrücke gemessen, die das Limit um 1,1 PSI unterschritten. Bei Hamilton stimmte hinten links der Druck nicht. 19,2 statt 19,5 PSI.

FIA teilte Mercedes Fehler nicht sofort mit

Mercedes erfuhr von der Messung nichts. Sonst hätte man vor dem Start die Werte noch korrigieren können. Doch die FIA beließ es bei den Stichproben, da man erst mit den Sportkommissaren Rücksprache halten wollte. Es wäre nach Aussaage eines FIA-Funktionärs auch unfair gewesen, eine Korrektur zu verlagen, weil die das Fahrverhalten der betroffenen Autos möglicherweise verschlechtert hätte.

Erst 10 Runden vor dem Ende kam die Information über eine Untersuchung in der Mercedes-Box an. Renningenieur Pete Bonnington trieb seinen Fahrer zur Eile, obwohl sein Vorsprung 23 Sekunden betrug. "Ich hatte keine Ahnung, worum es ging", gab Hamilton zu.

Das Team hatte ihm am Funk mitgeteilt, dass man erst ihn nach dem Rennen darüber unterrichten werde. Man wollte bei Ferrari keine schlafenden Hunde wecken. Hätten die Verfolger gewusst, um was es ging, hätten sie Sebastian Vettel zur Eile getrieben. Mercedes wollte sicherstellen, dass Hamilton bei einer 20-Sekunden-Strafe auf der sicheren Seite sein würde. Am Ende hatte er 25,042 Sekunden Vorsprung.

In drei Minuten fiel der Reifendruck

Im Ernstfall hätte Hamilton jedoch eine Disqualifikation gedroht. 0,3 bar zu wenig Luftdruck ist wie ein Auto, das ein halbes Kilogramm zu leicht ist. Hier geht es nicht darum, ob man sich einen Vorteil erschwindelt hat, sondern um die einfache Frage: legal oder illegal. Teamchef Toto Wolff wies den Vorwurf der Absicht von sich. "Dann wäre das Problem nicht nur bei einem der vier Reifen aufgetreten."

Nach dem Rennen luden die Sportkommissare Lars Osterlind, Tim Mayer, Paolo Longoni und Danny Sullivan Technikchef Paddy Lowe und Chefingenieur Andrew Shovlin vor, um zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Erst um 17.48 Uhr kam die Entwarnung. Wie alles in der Formel 1 ist auch die Erklärung für den Freispruch kompliziert.

Der Reifendruck war zu niedrig, doch das Team hatte alles richtig gemacht. Als Mercedes unter Aufsicht von Pirelli acht Minuten vor dem Start den Druck der Reifen überprüfte, stimmte er noch. Doch dann wurden die Heizdecken von der Stromquelle genommen. Die Temperatur fiel und damit auch die Drücke. Ein FIA-Mann: "Das ist normal. Bis die Autos zum Start rollen, geht er bis auf 16 PSI runter, aber er ist dann auch ganz schnell wieder im geforderten Fenster."

Pirelli legte keinen verbindlichen Messzeitpunkt fest

Der Fehler lag darin, dass Pirelli den FIA-Prüfern nicht mitgeteilt hatte, zu welchem Zeitpunkt vor dem Start die Grenzwerte verbindlich waren. So war auch zu erklären, dass Ferrari bei der FIA-Messung über Soll lag. Ferrari klemmte später als Mercedes den Strom von den Heizdecken ab. Deshalb fielen die Drücke auch weniger, bis Jo Bauer mit seinem Messgerät anrückte.

Was Mercedes auch rettete: Im Rennen lagen die Silberpfeile zu jeder Zeit wieder im grünen Bereich. Der Druck in den Hinterreifen fiel nie unter 20,5 PSI. Die Sportkommissare gaben sich damit zufrieden, dass Mercedes die von Pirelli geforderten Prozeduren eingehalten hatte, und dass ein Vertreter des Reifenherstellers zu jeder Zeit den sicheren Betrieb der Reifen garantierte. Damit verbunden die Forderung: In Zukunft müssen der Verband und Pirelli besser kommunizieren. Es muss einen einheitlich Zeitpunkt geben, an die die Startdrücke gemessen und in das Messprotokoll eingetragen werden.

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