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FIA-Chef Max Mosley

Formel 1 ohne Ferrari wäre ärmer

FOTA Monaco Foto: dpa 26 Bilder

FIA-Präsident Max Mosley würde einen Rückzug von Ferrari bedauern. Die Formel 1 wäre ärmer, sagte der 69-Jährige im Interview. Seine eigene Position an der FIA-Spitze sieht Mosley fast so stark wie früher.

28.05.2009

Vor gut einem Jahr glaubten nach den Veröffentlichungen eines englischen Boulevardblatts viele an ein schnelles Ende Ihrer Zeit als FIA-Präsident. Wie sehen Sie heute Ihre Position?
Mosley: Vielleicht wieder fast so stark wie vorher, aber so ganz wird der Schaden nie wieder gutzumachen sein. Es war eine sehr harte Zeit für mich. Unabhängig davon, wie tolerant die Leute in der FIA und im Motorsport sind, muss ich damit leben, dass sie Dinge über mich wissen, die niemand, vor allem keine Kollegen, wissen sollten. Das ist ein sehr unangenehmes Gefühl. Andererseits befürworten eine Menge Leute die Tatsache, dass ich auf Angriff gegangen bin und mich nicht zurückgezogen habe. Die Menschen mögen es, wenn jemand zurückschlägt. Nicht nur im Motorsport. Auch auf der Straße kommen die Leute auch mich zu und gratulieren mir, dass ich angegriffen und Erfolg gehabt habe.
 
Streben Sie nun noch eine weitere Amtszeit als FIA-Präsident an?
Mosley: Ich habe mich immer noch nicht entschieden. Ich werde es so lange aufschieben, wie es geht. Eigentlich bin ich ein wenig faul und muss oft härter arbeiten, als ich es mag. Außerdem denke ich, dass man nicht zu lange in einem Amt bleiben sollte. Wenn ich noch eine Amtszeit bleibe, bin ich über 70. Das fühlt sich für mich nicht alt an. Aber ich könnte der Großvater des aktuellen Weltmeisters sein. Deshalb ist es vielleicht Zeit für mich. Auf der anderen Seite drängen mich praktisch alle in der FIA, im Amt zu bleiben. Einige der Formel-1-Teams sehen das anders, aber die zählen nicht, weil sie keine Wahlstimme haben. Es ist eine schwere Entscheidung.

Haben die aktuellen Debatten um die Zukunft der Formel 1 Einfluss auf Ihren Entschluss?
Mosley: Nicht sehr großen. Ich denke, sie werden gelöst sein, bevor die Wahlen anstehen.

Werden Sie den seit Wochen schwelenden Streit um das neue Regelwerk auch durchstehen, wenn Ferrari wie angedroht aus der Formel 1 aussteigt?
Mosley: Wir müssen, weil ich überzeugt bin, dass die Formel 1 nicht mit dem derzeitigen Kostenaufwand überleben kann. Als Regelbehörde hat man hier eine Verpflichtung. Wir versuchen alles, alle Teams und gerade die berühmten Teams wie Ferrari zu überzeugen, dabeizubleiben. Aber am Ende dürfen wir sie nicht die Bedingungen diktieren lassen.
 
Wie hoch sind denn die von Ihnen kritisierten Ausgaben wirklich?
Mosley: Ferraris Anwälte sagten vor Gericht, dass die Top-Teams zwischen 400 und 500 Millionen Euro pro Saison ausgeben. Wenn diese Zahlen stimmen - und ich bin sicher, sie würden nicht lügen - dann stecken die Autohersteller 300 bis 400 Millionen Euro in ihr Formel-1-Team. Das ist völlig unhaltbar. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Vorstand von BMW oder Toyota weiter 300 Millionen für die Formel 1 ausgeben will. Einige dieser Firmen senken ihre Kosten dramatisch, sie servieren keinen Kaffee mehr bei Meetings, schalten die Hälfte des Lichts aus oder nutzen nur noch einen statt zwei Fahrstühle. Wie kann man dann noch diese Menge Geld in die Formel 1 pumpen?
 
Wohin führt denn die Budgetgrenze?
Mosley: Wenn ich Erfolg habe und die Teams darauf beschränkt werden, nur noch 45 Millionen auszugeben, werden die Nettokosten abzüglich der Einnahmen im einstelligen Millionenbereich oder zumindest unter 20 Millionen Euro liegen. Dann können die Unternehmen sagen, aus Imagegründen bleiben wir in der Formel 1. Und ich kann Ihnen sagen, die Zuschauer werden keinen Unterschied feststellen. Es gibt keine Nachteile, weil die anderen Teams in derselben Position sind.

Wie sicher sind Sie denn, dass die Autohersteller unter diesen Bedingungen weiter in der Formel 1 fahren?
Mosley: Wenn wir diese Einsparungen umsetzen, gibt es eine Chance, dass die großen Autohersteller bleiben. Wenn nicht, sehe ich keine Chance. Wie sollen sie denn vor ihren Anteilseignern die Ausgaben von 300 Millionen Euro rechtfertigen, die einen großen Teil der Dividende darstellen. Zudem werden alle großen Autohersteller mittlerweile vom Steuerzahler unterstützt, zum Beispiel in Deutschland mit der Abwrackprämie. Man kann nicht einfach das Geld der Anteilseigner und der Steuerzahler nehmen und wegwerfen, wenn man den gleichen Job auch ohne dieses Geld machen kann.
 
Warum wehren sich die Rennställe denn gegen Ihre Pläne?
Mosley: Die Teams sind eben an diese Lebensart gewöhnt, aber es geht nicht mehr. Aus meiner Sicht ist das ähnlich wie damals beim großen Tsunami. Da gab es diese schrecklichen Bilder von Leuten, die am Strand entlangliefen und keine Notiz von der Riesenwelle nahmen, die auf sie zurollte. Und jeder hat gedacht: Wie können sie nicht sehen, was auf sie zukommt?
 
Sie meinen also, die Krise wird die Formel 1 noch härter treffen?
Mosley: Ja, das glaube ich. Es kann ja nicht sein, dass die ganze Welt sparen muss, Arbeitsplätze verliert und in großen finanziellen Problemen ist, und diese unglaublichen Ausschweifungen gehen weiter. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Alle Teams bestehen darauf, ihr eigenes Getriebe zu bauen. Diese Getriebe sind toll, ein Kunstwerk. Sie geben 15, 20 Millionen Euro pro Jahr dafür aus. Aber die einzigen Leute, die das wirklich zu schätzen wissen, sind eine kleine Bruderschaft von Getriebe-Experten. Die Zuschauer haben nicht die geringste Ahnung davon, nicht einmal die meisten Mechaniker verstehen es. Aber als ich vor einem Jahr ein Standardgetriebe vorschlug, sagten die Teams: Keine Chance. Der einzige Weg, die Teams von dieser Denkweise abzubringen, ist, ihnen das Geld wegzunehmen.

Welchen Wert hat Ferrari für die Formel 1?
Mosley: Ihr Image, ihre Marke. Die Formel 1 ist eine großartige Marke, Ferrari, Mercedes und BMW auch. McLaren und Williams sind auch Marken. Aber von allen ist Ferrari die größte.
 
Was wäre denn die Formel 1 ohne Ferrari?
Mosley: Sie wäre ärmer. Aber als damals Ayrton Senna starb, dachten alle, dies sei das Ende. Letztlich machte es keinen Unterschied. Der Sport ist immer größer als sein größter Name. In anderen Sportarten wie Ski alpin oder Tennis kommen und gehen die Stars auch. Dass Alain Prost nicht mehr Formel 1 fährt, macht keinen Unterschied. Michael Schumacher ist ein Verlust, aber dann auch wieder nicht. Es kommen immer wieder neue Fahrer. Und ehrlich gesagt: Als Michael mit Ferrari alles gewann, haben die Leute den Fernseher ausgeschaltet.

Ist die Zahl der neuen Bewerber um einen Formel-1-Einstieg ein Zeichen, dass Sie mit Ihren Plänen richtig liegen?
Mosley: Ich denke schon. Kein Sport ist gesund, wenn keine neuen Leute dazukommen. Früher hatten wir ständig neue Teams. Neulich hat sich Ferrari über die Neubewerber lustig gemacht. Aber sie vergessen, dass das heutige BMW-Team als Sauber anfing. Williams startete, als sie March kauften. Das kleine Tyrell-Team wurde zu Honda und jetzt zu Brawn. Auch Enzo Ferrari startete 1948 mit Nichts. Wenn man diese Neueinsteiger stoppt, stirbt die Formel 1. Es kann nicht sein, dass nur alte Männer den Sport am Laufen halten.

Wo sehen Sie die Formel 1 in fünf Jahren?
Mosley: Vor allem mit relevanteren Technologien für die Serien-Herstellung von Autos. Wir werden versuchen, mit dem Regelwerk Forschung und Entwicklung zu fördern, die zweckmäßig ist, und solche zu verhindern, die keinen Sinn macht.

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