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Entscheidung im Auspuffkrieg

Ändert sich die Hackordnung in der Formel 1?

F1-Technik 2011 - Auspuff Ferrari Foto: Grüner 24 Bilder

Am Donnerstag (16.6.) treffen sich die Technikchefs der Formel 1-Teams mit FIA-Rennleiter Charlie Whiting in London: Großes Thema: Das Anblasen des Diffusors. Die FIA droht mit einem totalen Verbot ab dem GP England. Vermutlich wird das kalte Anblasen aber überleben. Bis zum Saisonende.

15.06.2011 Michael Schmidt

Der Auspuffkrieg spaltet die Formel 1. Ferrari-Rennleiter Stefano Domenicali prophezeit, dass sich die Hackordnung ab dem GP England verändern könnte, wenn die FIA das Anblasen des Diffusors im Schleppbetrieb des Motors verbietet. Darüber diskutieren am Donnerstag (16.6.) in London FIA-Rennleiter Charlie Whiting und die Technikchefs der zwölf Teams. In einem Brief hatte Whiting die Teams vorgewarnt und mit dem Verbot von "kalt" und "heiß" Anblasen gedroht.

Der FIA ist es ein Dorn im Auge, wenn der Auspuff im Schleppbetrieb des Motors weiter Gase erzeugt, um die dadurch künstlich erzeugte Strömung in den Diffusor konstant zu halten oder gar anzureichern. Beim "kalten" Anblasen wird nur Luft durch die Zylinder gepumpt, sobald der Fahrer vom Gas geht. Von "heiß" Anblasen spricht man, wenn zusätzlich eingespritzt und nach Öffnung des Auslassventils gezündet wird. Das erhöht die Energie des Gasausstoßes und damit den Abtrieb.

Auspuff bringt eine Sekunde pro Runde

Wer es geschickt macht, gewinnt im aggressivsten Modus auf einer Qualifikationsrunde bis zu einer Sekunde. Allerdings wird in der Qualifikations-Konfiguration auch bis zu zehn Prozent mehr Sprit verbraucht, weshalb die Teams die Motoreinstellungen im Rennen etwas konservativer wählen.

Red Bull und Renault gelten als Erfinder und Marktführer mit dieser Methode. Aber auch das Mercedes-Werksteam profitiert von dem Trick. Nach eigener Aussage um bis zu acht Zehntelsekunden gegenüber dem Modus, bei dem im Schleppbetrieb gar kein Auspuffgas fließt. Ferrari hat ebenfalls aufgeholt. Die starken Trainingszeiten in Montreal waren auch der Weiterentwicklung in diesem Bereich geschuldet.

FIA reagiert auf Williams-Anfrage

Cosworth-Kunde Williams machte die FIA eine Woche vor dem GP Spanien auf das Problem aufmerksam. Aus gutem Grund: Cosworth kann nur "kalt" anblasen. Die Ausbaustufe des "heiß" Anblasens würde zu viel Entwicklungsgeld verschlingen, das keiner der Kunden bezahlen will.

Streng genommen tun die Motorhersteller nichts Falsches. Sie dürfen bei null Gaspedalstellung ihre Drosselklappen oder Walzenschieber bis zu zehn Prozent öffnen, um den Motoren das Leben zu erleichtern. Im Fachjargon spricht man von einem "over-run".

Die Regeln halten aber auch fest, dass sich die Gaspedalstellung und das beim Motor ankommende Drehmoment zueinander absolut linear verhalten müssen. Solange der Fahrer vom Gas geht, darf beim Triebwerk null Newtonmeter Drehmoment ankommen. Deshalb die Spätzündung. Die gesamte Energie muss im Auspuff verschwinden.

FIA will künstliches Auspuff-Blasen verbieten

Das aber ist eine künstliche Einflussnahme auf die Aerodynamik, was laut Reglement nicht erlaubt ist. Der FIA ist zudem der zusätzliche Spritverbrauch ein Dorn im Auge. Wer sich grünen Motorsport auf die Fahnen geheftet hat, tut sich schwer der Welt zu erklären, dass Benzin verbrannt wird, ohne für Vortrieb zu sorgen.

Seitdem wird hinter den Kulissen eifrig diskutiert, wann der Weltverband den Zauber verbietet und in welchem Umfang. Charlie Whiting ließ den Ingenieuren eine Galgenfrist, teilte ihnen aber mit, dass bis zum GP England am 10. Juli eine Lösung her müsse. Die erste Warnung spricht von einem totalen Verbot des künstlichen Anblasens beim Gaswegnehmen.

Neues Technik-Reglement 2012?

Nach einem Vorschlag zur Reglement-Änderung 2012 müssen die letzten 15 Zentimeter der Endrohre parallel zur gedachten Mittellinie des Autos verlaufen. Damit sollen exotische Auspufflösungen verschwinden. Force India hat die Entwicklung des seitlich im Boden austretenden Auspuffs samt des Feintunings der Motorkennfelder eine Million Euro gekostet. Peter Sauber gibt mit Blick auf den Geldbeutel zu: "Ich wäre ganz froh, wenn das aufhört."

Den Teams aus dem Mittelfeld und den Hinterbänklern käme das Verbot gelegen. Es spart Geld. Die Top-Teams wehren sich mit Händen und Füßen und haben ihre Motorenlieferanten dahingehend instrumentalisiert, bei der FIA Politik für den Beibehalt der Technik zu machen. Argument: Das "kalte" und "heiße" Anblasen schont die Motoren.

Problem mit der Zuverlässigkeit?

Ferrari braucht das "kalte" Anblasen dazu, den Druck im Kurbelhaus abzubauen. Renault nutzt den eingespritzten Sprit zum Kühlen der Auslassventile. Die werden im Vollastbetrieb bis zu 1.100 Grad heiß. Durch das Einspritzen im Schiebebetrieb könne man die Temperatur bis auf 700 Grad drosseln, heißt es aus Paris.

Renault und Ferrari haben noch ein zweites Problem. Wegen der Drosselklappensteuerung leidet das Ansprechverhalten, wenn der Brennraum zu stark auskühlt. Das Nachzünden bei geöffnetem Auslassventil heizt den Brennraum wieder auf. Geht der Fahrer aufs Gas, ist sofort Leistung da.

Die FIA-Experten lassen sich davon wenig beeindrucken. Ihr Argument gegenüber den Motorenkonstrukteuren: Was habt ihr 2008 gemacht? Seitdem ist die Motorenentwicklung eingefroren, und damals gab es auch keine Probleme.

Red Bull und FIA auf Konfrontationskurs

Die Warnung der FIA ist so zu verstehen: Fordere 100 Prozent, damit du 50 Prozent bekommst. Wahrscheinlich wird die FIA in einem ersten Schritt nur das "heiße" Anblasen untersagen und die "kalte" Variante bis zum Saisonende erlauben. Schlimm genug für jene Teams, die diese Technik bis zur Perfektion beherrscht haben. Red Bull macht nicht ohne Grund Geräusche, weil man fürchten muss, einen Joker für das Training zu verlieren.

Auch Renault selbst hätte mit dem revolutionären Auspuff vor dem Seitenkasten ein Problem. Je weiter vorne der Auspuff rausbläst, umso größer die Wegstrecke in Richtung Heck, auf der man aerodynamisch profitiert. Umso größer auch der Verlust, wenn gar nichts mehr geht.

FIA sitzt am längeren Hebel

Aus dem gleichen Grund müsste auch Mercedes mit seinem auf Mitte der Seitenkästen austretenden Auspuff starke Einbußen hinnehmen. McLaren dagegen hofft insgeheim auf ein Verbot. Ferrari sowieso. "Gut möglich, dass uns Red Bull in der Qualifikation mit diesem Trick eine halbe Sekunde abnimmt", sagt McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh.

Haben die Teams eine Chance, sich gegen ein Verbot der FIA zu wehren? Force India-Sportdirektor Otmar Szafnauer glaubt nicht. "In diesem Fall geht es um eine Interpretation der Regeln. Wenn sie die FIA anders auslegt, können die Teams zwar dagegen Berufung einlegen, aber bis das Gericht ein Urteil fällt, gilt die Interpretation des Verbandes."

In unserer großen Fotogalerie erklären wir noch einmal die Auspff-Technik im Detail und zeigen Ihnen die verschiedenen Endrohr-Lösungen der Formel 1-Teams.

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