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FIA-Experte zur Hybridtechnik

Jede Änderung kostet richtig Geld

Mercedes - V6 Hybrid - Formel 1-Motor 2015 Foto: Mercedes 11 Bilder

Ist die Hybrid-Technologie zu kompliziert? Könnte man den Elektro-Schub nicht besser nutzen? Hat die WEC das bessere Reglement? Wir haben FIA-Motorenexperte Fabrice Lom gefragt. Grundproblem bei jeder Änderung: Es kostet Geld.

12.04.2016 Michael Schmidt

Die Hybrid-Technologie steht bei den Autoherstellern hoch im Kurs, aber sie verärgert die Fans. Bernie Ecclestone würde sie am liebsten abschaffen. Zu kompliziert, zu teuer, zu leise. Wer einen Vorsprung hat, behält ihn auf ewig. Dabei bieten die super komplexen V6-Turbos mit ihren zwei Elektromotoren durchaus Potenzial das Rennen noch besser zu machen. Bei einer Anpassung der Regeln könnten Ferrari, Renault und Honda auch schneller aufschließen.

auto motor und sport hat FIA-Motorexperte Fabrice Lom in Bahrain mit denkbaren Regelanpassungen konfrontiert. Fazit: Möglich ist alles, doch das meiste kostet extra Geld. Und manches wird am Ende komplizierter als vorher.

Geschwindigkeitsunterschiede zu groß

Vorschlag 1: Das Reglement erlaubt pro Runde maximal zwei mJoule zu speichern und vier mJoule abzugeben. Dazu noch die viel kritisierte Begrenzung der Durchflussmenge. Wäre es ohne die Beschränkungen nicht einfacher und übersichtlicher, und würden die Antriebseinheiten in der Qualifikation dann nicht jetzt schon weit über die geforderten 1.000 PS produzieren?

Dazu Lom: "Es wäre einfacher, würde aber große Schwankungen in den Rundenzeiten bedeuten. Besonders im Rennen, je nachdem wie voll der Speicher gerade ist oder wie man im Spritverbrauch liegt. Wir hätten schnelle und langsame Autos im Feld. Das ist ein Sicherheitsrisiko. Außerdem bräuchten wir leistungsfähigere Batterien. Das geht ins Geld."

Bi-Turbo zwischen 10 und 20 Kilo schwerer

Vorschlag 2: Verzichtet auf die Beschränkung der elektrischen Leistung auf 120 kW (ca. 163 PS) und gebt dem Fahrer die Kontrolle über das Abrufen der E-Power. Dann hätte er je nach Ladezustand der Batterie eine viel gewichtigere Überholhilfe an Bord als DRS.

Dazu Lom: "Ein Anstieg der Abgabe der elektrischen Leistung würde die Konstruktion völlig neuer Elektromotoren bedeuten und richtig viel Geld kosten."

Eine der größten Hürden für die Mercedes-Gegner ist das Zusammenspiel und die Abstimmung zwischen Verbrennungsmotor, Turbolader und MGU-H. Warum erlaubt die Formel nicht wie in der WEC einen Bi-Turbo? Dann könnte man das Problem wie Porsche lösen. Der eine Turbolader versorgt den Verbrennungsmotor. Der andere die Elektromaschine MGU-H, und zwar ohne Leistungsverlust beim Motor. Eine VTG regelt den Einsatz der Turbinen.

Dazu Lom: "Ein zweiter Turbolader samt VTG würde 10 bis 20 Kilogramm Gewicht draufpacken. Und die Motoren hätten wieder ein kleines Turboloch. Bei uns ist sofort Ladedruck da, weil die Turbine bei kleinen Drehzahlen elektrisch angetrieben wird."

Gleichmachungs-Plan von Mercedes und Ferrari abgewürgt

In der Motor-Arbeitsgruppe wurde übrigens ein Plan diskutiert, wie man die Motorleistung der Motoren anpassen könnte. Dabei sollte die Entwicklung bei Ferrari, Honda und Renault so lange freigestellt sein, bis alle Antriebseinheiten innerhalb von zwei Prozent Streuung liegen. Und zwar bezogen auf ihren Einfluss auf die Rundenzeit. Danach hätte man die Entwicklung zum Teil einfrieren können, was Kosten gespart hätte. Schon 2018 wären die Motoren dann billiger geworden.

Die Motorenchefs der vier Hersteller hatten sich mit der FIA bereits auf einen möglichen technischen Weg dorthin geeinigt. Doch die Eintracht hielt nicht lange vor. Als die Teamchefs von Mercedes und Ferrari von dem Plan hörten, legten sie ihr Veto ein.

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