Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

FIA-Präsident Max Mosley im Interview

"Der Ball liegt jetzt bei Renault"

Max Mosley & Flavio Briatore Foto: dpa 56 Bilder

Max Mosley hat erstmals offiziell Stellung zum Fall Renault genommen. Auch wenn die Beweislast erdrückend ist, will der FIA-Präsident noch keine Schuldzuweisungen machen. Das Ergebnis von Singapur kann allerdings nicht nachträglich geändert werden.

11.09.2009 Michael Schmidt

Wie schwerwiegend ist der Fall Renault?
Mosley: Wenn, und ich meine hier ein großes wenn, Renault einer Schuld überführt werden sollte, dann handelt es sich dabei um ein schwerwiegendes Vergehen. Wir kennen aber bis jetzt nur eine Seite der Geschichte und warten nun auf die Darstellung von Renault. Erst danach können wir ein Urteil fällen. Solange es keinen eindeutigen Beweis ihrer Schuld gibt, sind sie unschuldig.

Ist der Fall vergleichbar mit der Spionageaffäre von McLaren?
Mosley: Das schlimme bei McLaren war, dass sie nicht die Wahrheit gesagt haben. Rein auf die Sache bezogen ist das, was Renault vorgeworfen wird, vielleicht sogar schlimmer.

Bedeutet das, dass es für Renault besser wäre, vor dem FIA-Weltrat die Wahrheit zu sagen?
Mosley: Es ist immer besser, die Wahrheit zu sagen. Aber kennen wir schon die Wahrheit? Renault hat uns noch keine Antwort geschickt. Sie baten uns um ein paar Tage mehr Zeit, ihre Verteidigung vorzubereiten, und wir haben sie ihnen gewährt.

Sind die Beweise nicht erdrückend?
Mosley: Wir haben noch nicht genug Beweise in der Hand, weil wir die Geschichte aus der Sicht von Renault nicht kennen. Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille. Das sollten wir respektieren.

Die Telemetriedaten belegen doch aber, dass Piquet absichtlich einen Unfall herbeigeführt hat.
Mosley: Das hat so den Anschein. Aber vielleicht präsentiert uns Renault in ihrer Verteidigung 13 ähnlich gelagerte Fälle, wo der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug verloren hat.

Ist Fernando Alonso in den Fall verwickelt?
Mosley: Es gibt keinerlei Beweis, dass er von der Sache etwas wusste.

Und Nelson Piquet. Muss er mit einer Bestrafung rechnen dafür, dass er das Auto absichtlich in eine Mauer gefahren hat?
Mosley: Nein. Wir haben ihm Straffreiheit zugesichert, wenn er auspackt. Das gleiche haben wir vor zwei Jahren mit Alonso im Spionagefall getan.

Muss das Resultat des GP Singapur geändert werden, sollten sich die Vorwürfe erhärten?
Mosley: Das Sportgesetz erlaubt es uns nicht, das Ergebnis des Rennens zu ändern. Es gibt einen Paragraphen, der besagt, dass eine Weltmeisterschaft mit dem 30. November beendet ist. Nachträgliche Korrekturen sind dann selbst bei einer nachgewiesenen Manipulation nicht mehr möglich.

Wie sehr schadet eine solche Geschichte der Formel 1?
Mosley: Sie schadet ihr sehr, wenn wir nichts unternehmen. Deshalb unternehmen wir alles, um Missstände aufzudecken. Was glauben Sie, wie viel Zeit und Geld wir aufgewendet haben, um den Spionagefall von McLaren aufzulösen. Bei Renault ist es jetzt das gleiche. Wir bekamen von einem Fahrer den Hinweis, und wir gehen ihm mit all unseren Möglichkeiten nach. Würden wir das nicht tun, hieße es sofort: Die Formel 1 ist korrupt.

Muss Renault im Falle einer Verurteilung mit einer ähnlich hohen Strafe rechnen wie McLaren?
Mosley: Es ist eine Fehlinterpretation, dass die Strafe für McLaren unverhältnismäßig hart war. Der Normalfall wäre gewesen, McLaren für 2007 und 2008 von der Formel 1-WM auszuschließen. Vor allem, nachdem unsere Forensiker herausgefunden hatten, dass das Spionagematerial von Ferrari auch den McLaren-Ingenieuren zugänglich war, die das 2008er Auto konstruiert haben. Wir haben von einem Ausschluss abgesehen, weil ein solches Urteil möglicherweise 1.300 Leute den Job gekostet hätte. McLaren hätte zusperren können. So gesehen waren die 100 Millionen Dollar eine angemessene Strafe. Im Fall von Renault ist jede Strafe denkbar, bis hin zum Ausschluss von der WM. Das Spektrum ist weit gefächert. Wir haben Toyota 1996 aus der Rallye-WM ausgeschlossen, weil man ihnen Manipulationen am Turbolader nachweisen konnte. Wir haben Ferrari für die Stallregie 2002 in Österreich eine Strafe von - ich glaube - einer Million Dollar zahlen lassen, obwohl sie nicht direkt gegen das Reglement verstoßen, dem Ansehen des Sports aber Schaden zugefügt hatten. Der Ball liegt jetzt bei Renault. Wenn sie nachweisen können, dass an den Vorwürfen nichts dran ist, wird es mit einem Freispruch enden.

Umfrage
Glauben sie, dass der Alonso-Sieg in Singapur 2008 mit fairen Mitteln errungen wurde?
Ergebnis anzeigen
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden