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FIA Unfall-Analyse

Mehr Sicherheit dank Highspeed-Kamera

Felipe Massa - GP Deutschland - Crashs 2014 Foto: Reinhard 26 Bilder

Um Unfälle in der Formel 1 besser analysieren zu können, ließ die FIA eine ultrakompakte Highspeed-Kamera entwickeln. Das nur 8 Zentimeter lange Aufnahmegerät soll direkt vor dem Cockpit befestigt werden.

17.07.2015 Tobias Grüner

Die Formel 1 wird immer sicherer. Das Lob dafür gebührt vor allem den FIA-Experten, die mit ihren detaillierten Analysen jedem Unfall auf den Grund gehen. Hilfe bekommen die Forscher hierbei von der Technik: Wie bei einem Flugzeug speichert eine Blackbox alle Daten zu einem Aufprall. Die Techniker können nach jedem Crash einfach auslesen, mit welcher Geschwindigkeit ein Pilot abgeflogen ist und wie er in den entscheidenden Momenten reagiert hat.

Hightech-Unterstützung für FIA-Unfallforscher

Wichtig sind auch die Messungen der G-Kräfte. Die negativen Beschleunigungswerte werden nicht nur am Auto selbst gemessen, sondern auch am Kopf des Fahrers. Ein Mini-Sensor in der Größe eines Streichholzkopfes sitzt direkt in den Ohrenstöpseln der Piloten, um die Kräfte zu ermitteln, die auf den Kopf und somit auch auf das Gehirn einwirken.

Bei der FIA werden die Daten jedes schwereren Unfalls zusammengetragen und genau analysiert. Es geht dabei nicht nur darum, einen Crash genau rekonstruieren zu können, sondern vor allem Lehren für die Zukunft zu ziehen und die Sicherheit der Autos stetig zu verbessern.

Beispiele, wie die Empfehlungen der Unfall-Kommission in das Design der Rennwagen eingeflossen sind, gibt es viele: Der Unfall von Timo Glock in Fuji 2009 war Anlass, den Vorderteil des Chassis mit einer Zylon-Schicht zu ummanteln. Damit wurden das Eindringen von Carbonteilen in den Fußraum deutlich erschwert. Nach der Kollision von Felipe Massa mit einer Feder in Budapest 2009 wurde auch am Helmvisier ein zusätzlicher Zylon-Streifen vorgeschrieben.

Crashs wie der von Michael Schumacher und Vitantonio Liuzzi 2010 in Abu Dhabi haben dazu geführt, dass die Seitenwände des Cockpits immer weiter nach oben gezogen wurden, um den Kopf des Fahrers zu schützen. Der große Abflug von Mark Webber in Valencia 2010 war der entscheidende Auslöser dafür, hohe Nasen zu verbieten. Damit wird verhindert, dass die Autos bei Berührungen mit den Hinterreifen eines Konkurrenten aufsteigen.

Neue Highspeed-Kamera zur F1-Unfall-Analyse

Die FIA hat schon viel erreicht. In Zukunft sollen die Unfälle aber noch genauer analysieren werden. Die Crash-Forscher wollen vor allem mehr über die Bewegungen des Kopfes während eines Aufpralls lernen. Die Idee: Eine Highspeed-Kamera soll während der Fahrt auf den Helm des Piloten gerichtet werden und Aufnahmen der entscheidenden Sekunden machen.

Doch eine kompakte Kamera, die alle Anforderungskriterien erfüllen konnte, war nicht auf dem Markt verfügbar. Deshalb wurde Magneti Marelli mit eine Neuentwicklung beauftragt. Der italienische Elektronik-Spezialist stellt auch die Black Box selbst her, in der die Daten der Kamera gespeichert werden sollen. Deshalb fiel die Wahl des Partners leicht.

Magneti Marelli - Highspeed-Kamera - 2015Foto: Magneti Marelli
Die neue Highspeed-Kamera soll nur 8 Zentimeter lang und 2 Zentimeter breit sein.

Kamera speichert 30 Sekunden vor und nach Unfall

Mittlerweile stehen die ersten Prototypen kurz vor der Fertigstellung. Noch in diesem Sommer will die FIA mit Tests an Rennautos beginnen. Die Daten der kleinen Hightech-Apparate sind beeindruckend: Nur halb so groß wie ein iPhone können die Kameras 400 Einzelbildern pro Sekunde in hoher Auflösung aufnehmen. Damit lässt sich das Geschehen anschließend in extremer Zeitlupe analysieren. Zum Vergleich: Eine normale Kamera nimmt nur 25 Bilder pro Sekunde auf.

Die Daten werden in Echtzeit verarbeitet und in der Memory-Card der Blackbox gespeichert. "Unser Plan ist es, eine Laufzeit von einer Minute aufzunehmen, um Bilder 30 Sekunden vor und nach dem Unfall zu erhalten. Gesteuert wird alles von der Blackbox, die ein Signal an die Kamera schickt, wenn ein Unfall passiert und dann die Speicherung der Daten auslöst", so FIA-Unfallforscher Andy Mellor.

Schon in der Saison 2016 sollen die Kameras in allen Formel 1-Autos zum Einsatz kommen. Die große Frage lautete nur: An welcher Stelle sollen sie montiert werden, um den Helm des Fahrers am besten ins Bild zu bekommen? Zur Auswahl stehen ein Platz am Überrollbügel, am Seitenspiegel oder die Position direkt vor dem Cockpit. Die Experten tendieren aktuell für Letzteres. Hier ist die Kamera im Falle eines Aufpralls am besten geschützt und kann nicht so leicht abreißen.

In unserer Galerie zeigen wir Ihnen die ersten Zeichnungen der neuen Magneti Marelli-Kamera.

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