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FIA vs. F1-Teams

Dialog beim Budget aber nicht beim Reglement

GP Malaysia Foto: dpa 32 Bilder

Die FIA muss die Teams ab 2010 für Regeländerungen nicht mehr konsultieren. Beim Thema Budgetlimit zeigt sich FIA-Präsident Max Mosley noch einmal gnädig. Er lädt alle Teamchefs zu einem Gespräch nach London ein.

09.05.2009 Michael Schmidt

Es kommt Bewegung in die Debatten um die Budgetobergrenze. FIA-Präsident Max Mosley will sich kommende Woche mit allen Teamchefs in London treffen. Die Betonung liegt auf alle. Damit ist die Soloshow von Ferrari-Chef Luca di Montezemolo in seiner Eigenschaft als FOTA-Präsident beendet.

Unterschiedliche Interessen

Mit Montezemolo, das weiß Mosley, würde er schnell in der Sackgasse landen. Ferrari ist strikt gegen Mosleys Idee der Budgetgrenze. Drei Teams (Brawn GP, Williams, Force India) wollen sie, sieben lehnen sie ab. Die einen sagen, dass die Grenze zu niedrig ist (BMW, Renault), die anderen verweigern jede Einsicht von außen in die Finanzen (Ferrari, Red Bull).

Bei den Befürwortern des Budgetlimits wird gespottet: "Ferrari will keine Kontrolle, weil man dann sehen könnte, welchen Bonus sich Präsident Montezemolo auszahlen lässt." Der FIA-Beauftragte für das Budgetlimit, Tony Purnell, kann die Aufregung nicht verstehen: "Jede Firma in der westlichen Welt wird von außen kontrolliert, und sei es nur durch Steuerprüfer."
 
Eine weltweit operierende Firma wie Deloitte, die mit der Prüfung beauftragt werden soll, könnte sich Indiskretionen gar nicht leisten. "Die würden sofort alle Aufträge verlieren, wenn es nur einen Verdacht in dieser Richtung gäbe." Die FIA steht in diesem Punkt auf einem klaren Standpunkt: "Wenn eine Budgetgrenze funktionieren soll, muss es eine Kontrolle durch einen unabhängigen Prüfer geben."

Diskussion über die Summe

Die Werksteams hoffen, Mosley zumindest in der Obergrenze des Budgets noch umstimmen zu können. Viele favorisieren einen schleichenden Übergang von 80 über 60 auf 40 Millionen Pfund (45 Millionen Euro). Tony Purnell signalisiert ein gewisses Entgegenkommen, wenn es in London zu konstruktiven Gesprächen kommt, doch der Verhandlungsspielraum sei eher klein.

Experten glauben, dass sich die FIA zu höchstens 50 Millionen Pfund (56 Millionen Euro) als Einstiegssumme überreden lässt. Mosleys Problem ist, dass die neuen Teams sich nur bei einer entsprechend niedrigen Budgetgrenze einschreiben. Aus einer Liste von zwölf Interessenten gibt es vier verbindliche Zusagen. Es soll sich um Lola, Prodrive, USGP und einem spanischen Rennstall handeln, der von Ex-Benetton-Teammanager Joan Villadelprat geleitet wird. Dem Vernehmen nach haben alle vier sowohl die nötige Infrastruktur, die Mannschaft als auch das Budget, das durch eine Zehn-Millionen-Dollar Finanzspritze von Bernie Ecclestone noch einmal aufgebessert wird.

Brawn GP machts vor

Das Argument der großen Teams, sie könnten auf die Schnelle ihre Rennställe nicht gesundschrumpfen, lässt die FIA nicht gelten. Ross Brawn hat mit den Überresten von Honda gezeigt, dass Downsizing innerhalb von drei Monaten möglich ist. Brawn baute 270 Arbeitsplätze ab, er vermietet einen der beiden Windkanäle an die Fahrradindustrie und seine Karbonabteilung arbeitet für andere Rennsportserien und die Flugzeugindustrie mit.

Die Einigkeit der Teams ist in der Frage des Budgetlimits auf die Probe gestellt wie noch nie. Frank Williams warnt, dass er nicht auf ewig den Schulterschluss mit den anderen Teams üben kann. Er wird sich am 22. Mai wie von der FIA gefordert für die WM 2010 einschreiben und die Budgetgrenze von 45 Millionen Euro akzeptieren. "Was soll ich anderes machen? Mein Team lebt vom Rennsport."

FOTA verliert Mitspracherecht

Die Teamvereinigung FOTA ist ohnehin zu einem zahnlosen Tiger mutiert. Beginnend mit dem Reglement für nächstes Jahr hat die FIA bei der Festlegung von Regeln freie Hand. Sie muss die Teams nicht mehr konsultieren. Der Gang durch die Instanzen wie die Technische Arbeitsgruppe oder die Formel 1-Kommission ist nicht mehr nötig.
 
Bis Ende 2007 zwang das Concorde Abkommen die FIA noch dazu, sich beim Reglement mit den Teams abzusprechen. Es legte für Änderungen einen bestimmten Vorlauf und die Zustimmung der Rennställe fest. Für 2008 und 2009 galt ein im alten Concorde Abkommen festgelegter Stabilitätspakt. Dieser Passus 2.2 im Reglement wurde nun gestrichen. FIA-Rennleiter Charlie Whiting erklärte den Teammanagern bei einer Sitzung vor dem GP Spanien. "Ab jetzt machen wir das, was unserer Meinung nach für den Sport am besten ist."

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