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Verbot des Auspuff-Tricks

War Virgin oder Williams der Brandstifter?

Williams GP Türkei 2011 Foto: Williams 143 Bilder

Update ++ Der Auspuff-Trick hat Schonfrist bis zum GP Kanada. Dann will die FIA mit den Teams über ein mögliches Verbot diskutieren. Seitdem wird im Fahrerlager spekuliert, wer bei der FIA Politik gegen die Technik gemacht hat. Erste Hinweise deuteten auf Virgin. Es war aber Williams.

19.05.2011 Michael Schmidt

Die meisten Teams erreichte die Nachricht aus heiterem Himmel. Die FIA plant ein Verbot des Auspufftricks. Nicht heute, nicht morgen, aber möglicherweise nach dem GP Kanada. Am 16. Juni treffen sich die Technikchefs mit FIA-Rennleiter Charlie Whiting zu einem Gedankenaustausch. Der Weltverband will das Verbot durchsetzen. Die Frage ist nur wann.

FIA will Luftpumpen-Funktion verbieten

Worum geht es? Der Auspuff wird seit Mitte letzten Jahres zweckentfremdet. Er hilft der Aerodynamik. Die Auspuffgase unterstützen die Strömung an kritischen Stellen wie dem Diffusor. Oder sie dichten den Boden gegen seitliche Einströmung ab. Damit der Fahrer konstanten Abtrieb spürt, mussten die Motoreningenieure ihre Triebwerke anpassen. Der Auspuff muss auch dann blasen, wenn der Fahrer vom Gas geht.

Zunächst wurde nur Luft durch die Brennräume gepumpt. In einem zweiten Schritt wird auch im Schleppbetrieb bei Spätzündung Benzin eingespritzt. Damit sind die Auspuffgase unabhängig von der Gaspedalstellung konstant. Außerdem kommen sie mit höherer Temperatur an den dafür bestimmten Stellen an. Die Luft ist energiereicher, was die Strömung zusätzlich verbessert.

Die FIA argumentiert, dass der Motor durch diese Eingriffe nicht mehr ausschließlich seine eigentliche Aufgabe erfüllt, nämlich für Vortrieb zu sorgen. Außerdem kosten die innovativen Auspufflösungen viel Geld. Um die Umgebung vor Verbrennungen zu schützen, muss sie mit einem Spezialmaterial namens Pyrosic geschützt werden. Das treibt die Kosten nach oben, weil es weltweit nur einen Hersteller gibt, der dieses Material herstellt. Und der lässt sich dafür teuer bezahlen. Die Auspufflösungen funktionieren außerdem oft erst im zweiten oder dritten Anlauf. Auch die Nachbesserungen sind ein Kostenfaktor.

Hat Virgin bei der FIA Politik gemacht?

Da der Vorstoß der FIA überraschend kam, fragt sich die Formel 1-Gemeinde, wer den Weltverband zu diesem Schritt angestachelt hat. Die Topteams glauben, dass es Virgin war. Tatsächlich aber hat Williams die FIA auf das Problem aufmerksam gemacht. Die Entwicklung im Motorenbereich zeigt immer größere Auswüchse. Bei einigen Motoren werden die Drosselklappen bis zu 95 Prozent geöffnet, obwohl der Fahrer den Fuß vom Gas genommen hat.

Cosworth hat Schwierigkeiten, entsprechende Kennfelder zu entwickeln. Bei dem englischen Hersteller fehlt es an Manpower und Geld. Der Eingriff beeinträchtigt die Lebensdauer der Motoren. Auch die Teams müssen tief in die Tasche greifen. Bei Virgin brannte beim ersten Versuch in Istanbul der halbe Unterboden ab. Das kleine Team hat Angst, bald schon an der 107-Prozent Hürde zu scheitern. Weil die Top-Teams ihre Systeme immer weiter verfeinern. Auf einer Qualifikationsrunde ist der Trick mehr als eine halbe Sekunde wert.

Red Bull-Technikchef Adrian Newey traut sich nicht zu sagen, ob sein Team mehr oder weniger davon betroffen ist: "Ich glaube, es betrifft alle Top-Teams. Jeder hat diese Technik, und auch die Auspufflösungen sind sich sehr ähnlich. Da ich die Systeme der anderen nicht kenne, kann ich nicht sagen, ob wir bei einem Verbot einen Vor- oder Nachteil haben werden."

Newey sieht bei einem Verbot viel Arbeit auf sich zukommen: "Das kommt einer Regeländerung gleich. Das Problem dabei ist, dass wir nicht wissen, was genau die FIA vorhat. Wir können uns schlecht vorbereiten, wenn wir nicht wissen, wie weitreichend das Verbot ist. Es betrifft nicht nur die Motorenhersteller. Auch wir von der Chassisseite müssen reagieren. Wenn die Auspuffgase nicht mehr konstant fließen, hat das signifikanten Einfluss auf die Fahrzeugbalance."

Geld zum Fenster rausgeworfen

Auch Kollege Ross Brawn übt Kritik: "Die Teams und Motorenhersteller haben viel Geld in diese Technologie investiert. Das wäre zum Fenster hinausgeworfen." Der Mercedes-Teamchef fände es besser, wenn die FIA mit dem Auspuff so verfahren würde wie letztes Jahr mit dem F-Schacht. Da wurde das Verbot erst für die kommende Saison ausgesprochen.

Zwei Punkte sprechen dagegen, dass die FIA diesem Prinzip folgt. Der Auspufftrick steigert erheblich den Benzinverbrauch. Und er kostet Geld. Bei beiden Themen ist die FIA sensibel. Sie hat einen Sparkurs auf ihre Fahnen geheftet. Sicher ist in diesem Zusammenhang, dass das Wettrüsten am Auspuff mit dem neuen Chassisreglement ab 2013 verboten ist.

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