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FIA will Schlupfloch schließen

Der Trick mit dem Reifendruck

Toro Rosso - GP Russland 2016 Foto: Red Bull 23 Bilder

Die ersten Verdachtsmomente gab es beim GP China. McLaren schrieb einen Brief mit Bitte um Klarstellung an die FIA. Der Weltverband sucht nach einer Lösung. Worum geht es? Zwei Teams haben offenbar einen legalen Trick gefunden, den Luftdruck während der Fahrt zu senken.

12.05.2016 Michael Schmidt 4 Kommentare

Der erste Verdacht formulierte sich in einer Frage: Warum schreibt Pirelli für die Vorderreifen immer höhere Luftdrücke vor? In Shanghai und Sochi wurde ein Startdruck von 23 PSI an der Vorderachse gefordert. Auf die Frage gibt es zwei Antworten. Noch nie haben die Autos so viel Abtrieb an der Vorderachse generiert. Pirelli wollte sich gegen 100 Kilogramm mehr Anpressdruck einfach schützen.

Es gibt aber noch einen Grund, warum die Startdrücke in die Höhe schossen. Die Teams haben Techniken entwickelt, dass der Startdruck im Fahrbetrieb nicht mehr so stark ansteigt wie es aufgrund der Erwärmung des Reifens eigentlich sein müsste. Normal wäre ein Anstieg um 1,5 PSI. Zunächst ging man davon aus, dass einige Teams den Startdruck praktisch halten können. Doch seit dem GP Russland weiß man, dass auf diesem Gebiet noch viel mehr getrickst wird.

Wer sind die zwei F1-Teams, die tricksen?

Die FIA und Pirelli können die Drücke auch während der Fahrt überwachen, weil die Teams ihre Messdaten bereitstellen müssen. Sensoren messen permanent den Luftdruck. Und dabei sind zwei Teams aufgefallen, die es geschafft haben, den Druck der Vorderreifen während der Fahrt um 2 PSI zu senken.

Es soll sich dabei um ein Team an der Spitze und ein Team aus dem Mittelfeld handeln. Seither wird im Fahrerlager gerätselt, wer diese beiden Teams sind. Ferrari verdächtigt Mercedes, doch aus dem Lager der Silberpfeile kommt ein Dementi. "Die Maßnahmen den Druck so abzusenken, hätten nach unserer Meinung zu viele schlechte Nebenwirkungen."

Auch Force India stand im Mittelpunkt der Spekulationen. Teammanager Andy Stevenson winkt ab. "Dazu braucht man präzisiongefertigte Felgen mit Luftschleusen und Finnen, um die Hitze kontrolliert aus den Rädern zu bekommen. Das können wir uns nicht leisten." Am häufigsten fallen nun die Namen Red Bull und Toro Rosso.

McLaren bekam Wind von der Sache und schrieb einen Brief an die FIA mit der Bitte um Klarstellung. Das ist eine gängige Praxis um herauszufinden, welchen Trick die im Verdacht stehenden Teams anwenden. Man denkt sich eine Lösung aus und fragt die FIA, ob das erlaubt ist. McLaren glaubt, dass es sich dabei um eine doppelwandige Felge handeln könnte, in die im Fahrbetrieb ein Teil des Drucks in eine Kammer abgegeben wird. Die FIA antwortete jedoch, dass so eine Vorrichtung illegal sei.

Daniel Ricciardo - Red Bull - Pirelli-Ultrasoft - Barcelona-Test - 2016Foto: sutton-images.com
Lässt sich der Reifendruck-Trick irgendwie verhindern?

FIA überlegt Messung am fahrenden Auto

Was auch immer den Luftdruck um 2 PSI absenken lässt, es ist offenbar regelkonform. Und es ist ein echter Wettbewerbsvorteil, wenn es funktioniert. Weil der Reifen mit weniger Druck eine größere Auflagefläche hat. Je nach Rennstrecke könnte das bis zu 4 Zehntel pro Runde ausmachen.

Das macht nicht nur den Teams Sorgen, die diesen Trick nicht kennen. Auch Pirelli ist nicht erfreut, weil sie diese Praxis dazu zwingt den Reifendruck hochzuhalten und die Kritik derer zu schlucken, die mit den voll aufgepumpten Reifen keinen Grip finden.

Bei der turnusgemäßen Sitzung der Teammanager mit FIA-Rennleiter Charlie Whiting am Mittwoch vor dem GP Spanien wurde das Thema kurz angesprochen. Die FIA wollte wissen, was die Teams davon halten, dass in Zukunft der Luftdruck am fahrenden Autos als relevante Grenze herangezogen wird. Auch Pirelli begrüßt eine solche Lösung. Die Techniker des Verbandes treffen sich heute noch einmal intern, um eine Lösung für 2017 auszuarbeiten.

Die Messung am fahrenden Auto erscheint logisch, birgt aber auch Gefahren. Zunächst müssten alle Teams den Reifendruck mit einem von der FIA vorgeschriebenen und kalibrierten Sensor messen. Das kann bis zu 150.000 Euro pro Team kosten. Dann besteht das Risiko, dass es zu ungerechten Strafen kommt.

Fragen wie diese sind zu klären: Was passiert bei einer SafetyCar-Phase, was wenn das Auto aus der Box kommt, was wenn man von einem langsamen Fahrzeug aufgehalten wird? Der Luftdruck wird dann immer unter den Grenzwert fallen. Es wird nicht so einfach werden festzustellen, ob nur die Umstände zu der Unterschreitung geführt haben oder ob sie absichtlich herbeigeführt wurde.

Neuester Kommentar

Wenn das 0,4 Sekunden pro Runde bringen könnte, würde ich auch auf Red-Bull tippen. Red-Bull ist überraschend stark in die Saison gestartet, obwohl Renault jetzt nicht wirklich eine neue Wunderwaffe präsentiert hat.

PeterSchlosser 12. Mai 2016, 18:16 Uhr
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