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Film vom Bianchi-Crash unter Verschluss

Trägt Jules Bianchi Mitschuld am Unfall?

Race Control - Formel 1 - GP Russland - Sochi - 8. Oktober 2014 Foto: ams 16 Bilder

Noch immer gibt es keinen offiziellen Film vom Unfall von Formel 1-Fahrer Jules Bianchi. Die Aufnahmen der Streckenkamera und die Telemetriedaten werden aus einem bestimmten Grund zurückgehalten: aus Rücksichtnahme vor dem Unfallopfer. Offenbar zeigen sie, dass der Marussia-Pilot unter gelber Flagge zu schnell in die Kurve fuhr.

08.10.2014 Michael Schmidt

Über den schweren Crash von Jules Bianchi beim GP Japan wurde viel geschrieben. Auch vieles, was nicht den Tatsachen entspricht. Was auch daran liegt, dass Beweisdokumente bewusst zurückgehalten werden. Die FIA will damit aber nicht sich oder die Rennleitung schützen, sondern Jules Bianchi selbst.

Marussia übersteuert, Bianchi überreagiert

Der Film von dem Unfall und die Telemetriedaten zeigen möglicherweise, dass der Fahrer eine Mitschuld trägt. Einer aus den Reihen der Offiziellen meinte: "Es wäre unfair gegenüber Bianchi, weil er sich im Augenblick nicht verteidigen kann."

Tatsache ist: Es gibt Filmaufnahmen von dem Unfall. Damit ist nicht das Video eines Zuschauers gemeint, der in der Auslaufzone der Dunlop-Kurve filmte und die Aufnahmen auf YouTube veröffentlichte. Das offizielle Weltsignal hat den Crash verpasst. Der Kameramann in Kurve 7 schwenkte im entscheidenden Moment weg.

Doch die in der Kurve postierten Streckenkameras haben den Unfall aufgezeichnet. Und darauf ist zu sehen, dass sich Bianchi im Gegensatz zu Adrian Sutil vor seinem Abflug nicht dreht. Der Marussia übersteuert, Bianchi überreagiert, und danach schießt das Auto geradeaus mit hoher Geschwindigkeit in den Bergekran.

Doppelt Gelb reichte für die Gefahr in Kurve 7

Was auf dem Dokument zu sehen ist, wird momentan genauso unter Verschluss gehalten, wie Telemetriewerte über die Ausgangsgeschwindigkeit und die Verzögerung beim Einschlag in den Bergetraktor. Da nimmt die FIA und die Rennleitung lieber Kritik an ihren Sicherheitsmaßnahmen in Kauf. Sie hat die Möglichkeit der Richtigstellung. Einer der großen Diskussionspunkte ist, warum kein Safety-Car auf die Strecke ging, als Sutil von der Strecke flog.

Der Grund dafür ist, dass der Sauber im Reifenstapel steckte und so weit vom Streckenrand weg lag wie möglich. Außerdem ist das Bergepersonal in Suzuka äußerst routiniert. Sie brauchen für das Entfernen des Autos weniger als eine Runde.

Hätte der Vorgang länger gedauert oder wäre der Sauber bis an den Streckenrand zurückgeschleudert worden, wäre ein Safety-Car auf die Strecke gegangen. Doppelt Gelb war aber nach Ansicht der Sicherheitsexperten ein probates Mittel die Fahrer an dieser Stelle einzubremsen. Die meisten haben der Gefahr auch Tribut gezollt.

Erst Gas geben nach der grünen Flagge

Kritik gab es auch für die grüne Flagge, die 15 Sekunden vor Bianchis Einschlag an Posten 12 kurz hinter der Einschlagstelle geschwenkt wurde. Hat sie Bianchi möglicherweise dazu verleitet, wieder Gas zu geben?

Zwei Dinge werden aufgrund von Zeugenaussagen klar. Bianchi konnte in der blinden Kurve zum Zeitpunkt des Abfluges die grüne Flagge gar nicht gesehen haben. Und hätte er sie gesehen, wäre es irrelevant gewesen. Er hätte auch dann erst Gas geben dürfen, wenn er Posten 12 passiert hat und auf seinem Lenkradmonitor das grüne Licht angeht. Also hinter der Unfallstelle.

Zu den Vorwürfen zählte auch, warum die Autos noch archaisch mit einem Traktor geborgen würden und nicht mit einem Kran, der außerhalb der Strecke postiert ist. Ein Sicherheitsexperte erwidert darauf: "Dann hätten drei bis vier Streckenposten das Auto vor der Leitplanke stabilisieren müssen. In dem Fall wären die tot gewesen. Der Fahrer, egal wer es ist, wäre wahrscheinlich für lange Zeit gesperrt worden, wenn ihm nachgewiesen werden kann, dass er zu schnell war.

"Man kann den Streckenposten nicht zumuten, dass sie unter Lebensgefahr arbeiten müssen. Es gibt eine Reihenfolge, wer welches Restrisiko zu tragen hat. Den größten Schutz verdienen die Zuschauer. Dann kommen Streckenposten und an dritter Stelle die Fahrer. Sie sind die einzigen, die wissen, auf was sie sich einlassen."

Fahrer bei Tempoverstößen härter bestrafen?

FIA-Präsident Jean Todt hat eine genaue Untersuchung der tragischen Ereignisse von Suzuka angekündigt. Schnelle Maßnahmen sind nicht geplant. In Sochi könnte die Hand des Rennleiters möglicherweise etwas schneller die Safety-Car-Taste auslösen. Die Streckenposten sind im Gegensatz zu ihren Kollegen in Suzuka gänzlich unerfahren. Das lässt längere Bergezeiten vermuten.

Insgesamt sind 12 Bergekrans im Einsatz. Schon jetzt ist beschlossen worden, dass die Helfer mit schwerem Gerät nur ausrücken dürfen, wenn sie die ausdrückliche Erlaubnis der Rennleitung haben. In Suzuka handeln die Bergetrupps oft auf eigene Initiative. Sie haben die Routine von mehr als 20 Jahren und zählen zu den effizientesten im GP-Kalender.

Mittelfristig wird diskutiert, ob man Fahrer härter bestrafen soll, die unter doppelt geschwenkter Flagge nicht Fahrt rausnehmen. Egal ob ein Crash passiert oder nicht. Das hätte einen Abschreckungseffekt. Auch ein Tempolimit wird überdacht. Da gibt es aber viele Dinge zu beachten. Das Tempolimit muss je nach Streckenteil flexibel sein. Und es muss sichergestellt werden, dass die Fahrer am Übergang nicht eine Vollbremsung hinlegen und dort dann für Folgeunfälle sorgen.

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