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Finale in Abu Dhabi

Duell um sechs Millionen Dollar

Romain Grosjean - GP Brasilien 2015 Foto: xpb 27 Bilder

Das Formel 1-Saisonfinale in Abu Dhabi hat es schwer. Alle wichtigen Titel sind vergeben. Es gibt kaum noch Entscheidungen, die interessieren. Brisant ist nur noch das Duell zwischen Lotus und Toro Rosso um Platz 6 in der Konstrukteurs-Wertung. Hier geht es um viel Geld.

24.11.2015 Michael Schmidt

Selten war die Luft bei einem Saisonfinale so raus wie dieses mal in Abu Dhabi. Vergleichbar vielleicht mit der Saison 1992, als der frühe WM-Titel von Nigel Mansell die Formel 1 bei den verbleibenden fünf Rennen einschläferte.

Lewis Hamilton ist seit dem GP USA der Meister aller Klassen. Mercedes seit dem GP Russland Konstrukteurs-Weltmeister. Nico Rosberg steht seit dem GP Brasilien als Vize-Champion fest. Und Sebastian Vettel hat schon lange so viel Luft nach hinten, dass ihm die Bronze-Medaille keiner mehr nehmen kann.

Noch schlimmer ist es bei den Teams. Die ersten fünf Positionen sind festgefroren. Ferrari wird Zweiter bleiben, egal was passiert. Williams kann auf Platz 3 ebenso wenig eingeholt werden wie der Vierte Red Bull und der Fünfte Force India.

Nur noch die Statistiker haben ihre Freude. Schafft Mercedes den zwölften Doppelsieg und damit einen mehr als 2014? Stellen sie die 16 Siege in 19 Rennen vom Vorjahr ein? Schlagen sie das Vorjahresergebnis mit 701 Punkten? Dazu bräuchten die Silberpfeile einen Doppelsieg.

Duell der Finnen um Platz 4

Auch Lewis Hamilton kann sich nur noch selbst besiegen. Wenn er in Abu Dhabi seinen elften Saisonsieg schafft, dann hat er vier Zähler mehr auf dem Konto als 2014. Und das ohne doppelte Punkte! Für Nico Rosberg gilt das gleiche. Ein Sieg, und er bringt es auf 322 Punkte. Fünf mehr als vor 12 Monaten.

Ferrari hat die Kronprinzenrolle von Red Bull übernommen. Red Bull kam 2014 mit drei Siegen auf 405 Punkte. Ferrari hat schon drei Siege und 401 Zähler. Es sollte eine Formalität sein, die Vorgabe zu überbieten.

Doch reißen uns diese Zahlenspiele vom Hocker? Eigentlich nicht. Interessanter ist da schon, ob Rosberg seinen Höhenflug fortsetzen kann. Hamilton müsste sich dann wirklich fragen, ob der Teamkollege etwas herausgefunden hat, das ihn schneller macht. Oder ob er im Unterbewusstsein die Zügel schleifen lässt.

Einen gewissen Reiz hat auch das Duell der Finnen. Valtteri Bottas und Kimi Räikkönen liegen nicht nur nach Punkten (136:135) eng zusammen. Sie trafen sich zuletzt auch regelmäßig auf der Rennstrecke. In Sochi und Mexiko endete das mit einem Crash. Da liegt also Brisanz drin.

Bei den Teamduellen sind die Fronten abgesteckt. Rosberg kann Hamilton nicht mehr einholen, Räikkönen hat gerade mal halb so viele Punkte wie Vettel. Massa bräuchte einen Sieg, um Bottas noch abzufangen. Das ist ihm seit dem GP Brasilien 2008 nicht mehr gelungen. Daniel Ricciardo müsste 10 Zähler auf Daniil Kvyat gutmachen. Das ist möglich.

Die 16 Zähler Abstand zwischen den Force India-Piloten sind eine Vorentscheidung. Nur ein zweiter Platz oder ein Sieg würde Nico Hülkenberg noch vor Sergio Perez bringen. Romain Grosjean ist für Pastor Maldonado genauso außer Reichweite wie Max Verstappen für Carlos Sainz. Realistisch betrachtet.

Und Fernando Alonso muss mindestens Siebter werden, um die 5 Punkte Rückstand auf Jenson Button aufzuholen. Gelingt es nicht, hätte Button nach Lewis Hamilton (2011) nun auch noch einen zweiten Hochkaräter im Saisonduell geschlagen, der von vielen Experten eigentlich stärker eingeschätzt wird.

Sauber muss noch zittern

Für die Buchhalter von Toro Rosso und Lotus wird das 19. Saisonrennen ein Knüller. Lotus geht mit 9 Punkten Vorsprung in das Finale. Zwischen Platz 6 und Rang 7 in der Konstrukteurs-WM hat Bernie Ecclestones Ausschüttung einen größeren Sprung gesetzt als üblich. Der Unterschied beträgt 6 statt 3 Millionen Dollar. Für beide Teams eine nicht unerhebliche Summe. Auf der Strecke ist das Duell ausgeglichen. Toro Rosso hat das bessere Auto, Lotus den besseren Motor.

Auch Sauber muss noch ein bisschen zittern. Ein Glücksschuss von McLaren-Honda wie in Budapest oder Austin, und schon ist er weg, der achte Platz im Gesamtklassement. Sauber machte bei den letzten beiden Rennen nicht den Eindruck, als könne man aus eigener Kraft in die Punkte fahren. Hier beträgt die Differenz wie bei Lotus gegen Toro Rosso 9 Punkte. Zumindest für Sauber zählt jeder Dollar.

Es wird also sein wie bei den letzten beiden Rennen. Das Geschehen neben der Rennstrecke ist interessanter als das auf ihr. Die Formel 1 steht dieser Tage vor der Zerreißprobe. Pessimisten sagen ihr einen Kollaps voraus, wenn sich Hersteller, Bernie Ecclestone und Jean Todt nicht auf eine einheitliche Motorenformel einigen können.

Und Lotus muss weiter zittern, dass Renault-Konzernchef Carlos Ghosn gute Laune hat. Wenigstens bis zum 8. Dezember. Spätestens dann muss eine Entscheidung gefallen sein. Sonst steht der Insolvenzverwalter vor der Tür.

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