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Flavio Briatore exklusiv

"Hört auf, Geld zu verschwenden!"

Flavio Briatore GP Monaco Foto: dpa 34 Bilder

Flavio Briatore ist wieder in der Formel 1 aktiv. Der ehemalige Teamchef von Benetton und Renault arbeitet an einem neuen Reglement für die Königsklasse. auto motor und sport hat sich mit dem 62-jährigen Italiener über die Gegenwart und Zukunft der Formel 1 unterhalten.

25.05.2012 Michael Schmidt
Wie sehen Sie die Formel 1 als neutraler Zuschauer?

Briatore: Ich finde sie sehr unterhaltsam. Teams, die 250 Millionen Dollar ausgeben, sind nicht besser als Teams, die nur 90 Millionen zur Verfügung haben. Es war noch nie so schwierig, den Ausgang der Rennen vorherzusagen. Wir dürfen es nur nicht übertreiben. Sonst verliert die Formel 1 ihre Glaubwürdigkeit.

Hat sie die Glaubwürdigkeit schon verloren?

Briatore: Bei allem Respekt vor Maldonado und Williams. Es ist schon ein bisschen komisch, dass er in der Lage war, Alonso in einem Ferrari zu schlagen.

Was muss sich ändern?

Briatore: Wir brauchen eine gute Balance für das Maß an Überraschung, dass wir uns zumuten. Zu viel Überraschung ist eine Lotterie. Irgendwie amüsiert mich die Situation. Ich habe immer gesagt, dass wir die Kosten in den Griff bekommen müssen. Bei den großen Teams, die 250 Millionen ausgeben, beginnt jetzt ein Denkprozess. Ist es wirklich nötig, so viel Geld zu investieren, wenn 90 Millionen auch ausreichen, um zu gewinnen? Der Witz ist, dass der Gleichmacher verhältnismäßig wenig kostet. Es ist nur der Reifen. Das Budget, den zu bauen ist nichts im Vergleich zu den Budgets der großen Teams.

Was raten Sie den großen Teams?

Briatore: Das, was ich ihnen seit 22 Jahren rate. Hört auf, Geld zu verschwenden. Wir können den Zuschauern die gleiche Show für 30 Prozent weniger Geld bieten. Ich habe es vorgemacht. Meine Teams haben ihre Weltmeisterschaften immer mit weniger Geld gewonnen als die Konkurrenz.

Was ist ein vernünftiges Budget?

Briatore: Um die 100 Millionen. Alles eingeschlossen. 100 Millionen sind verdammt viel Geld. Da muss eine normale Firma viele Jahre arbeiten, um das zusammenzukratzen.

Wie viel Technik braucht die Formel 1?

Briatore: Technik zum Selbstzweck ist überflüssig. Die Formel 1 darf nicht ausschließlich zur Spielwiese der Aerodynamiker verkommen. Wir brauchen Technologie, die später einmal dem Mann auf der Straße zugutekommt.

Sollen die Motoren wieder eine größere Rolle spielen?

Briatore: Seit wir die Motorenentwicklung eingefroren haben, hat der Motor keine große Rolle mehr gespielt. Es hat keinem geschadet. Wir müssen aufpassen, dass mit den neuen Motoren die Kosten wieder explodieren.

Braucht die Formel 1 die FIA?

Briatore: Solange die FIA die Regeln vernünftig schreibt und kontrolliert, brauchen wir sie als Gegengewicht zu der kommerziellen Seite. Wir brauchen aber auch Leute, die sich um die Show kümmern. Beide müssen zusammenarbeiten, weil sich beide brauchen.

Sind Kundenautos eine gute Idee?

Briatore: Gewisse Elemente am Auto, die nichts zur Rundenzeit beitragen, können vereinheitlicht werden. Das Getriebe zum Beispiel. Ist doch egal, ob es sieben oder neun Gänge hat, wenn jeder das gleiche Getriebe fährt. Die Bremsen. Kein Mensch kann von außen die Bremsen sehen. Das Chassis. macht keinen Unterschied in der Rundenzeit. Das sind drei Elemente, bei denen sich die Techniker für einen Haufen Geld austoben, und die einzigen, die daran Spaß haben, sind genau diese Techniker. Wir sollten den Ingenieuren Freiheiten in Bereichen geben, die einen Unterschied ausmachen, und bei denen der Zuschauer den Unterschied auch erkennen kann.

Meinen Sie totale Freiheit?

Briatore: Nein, da muss es Grenzen geben. Manche Teams bauen 80 Frontflügel im Jahr. Das ist doch lächerlich.

Was muss noch anders werden?

Briatore: Heute ersetzen Simulatoren Testfahrten. Leider kann der Zuschauer im Simulator nichts sehen. Bei Testfahrten schon. Wir müssen näher an den Zuschauer ran.

Ist es sinnvoll, dass die Formel 1 an die Börse geht?

Briatore: Ich glaube schon. Das wird den Teams viel Geld einspielen.

Dann brauchen wir ja keine Budgetkontrolle?

Briatore: Doch, die brauchen wir. Jeden Dollar den die Teams extra bekommen, stecken sie sofort wieder ins Auto. Das müssen wir regulieren. Die Regeln müssen so geschrieben sein, dass es keinen Sinn macht, extra Geld auszugeben. Dass so etwas möglich ist, erleben wir gerade. Der Reifen hat die Rolle der Budgetdeckelung übernommen. Er bestimmt das Rennen, nicht der Windkanal, der Simulator oder der Fahrer.

Sie basteln gerade an einem neuen Reglement für die Formel 1. Wie wird es aussehen?

Briatore: In ein paar Wochen werde ich es Ihnen verraten. Es ist eines, das die Kosten im Griff hält.

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