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Flavio Briatore im Interview

"Der Sport braucht einen Diktator"

Flavio Briatore - Formel 1 - GP Italien - 7. September 2013 Foto: xpb 38 Bilder

Flavio Briatore taucht einmal pro Jahr im Fahrerlager der Formel 1 auf. Der frühere Teamchef von Benetton und Renault wird als ein möglicher Nachfolger von Bernie Ecclestone gehandelt. Briatore nahm in Monte Carlo im Gespräch mit auto motor und sport Stellung zur neuen Formel 1. Auf die Frage nach Ecclestone wich er aus.

25.05.2014 Michael Schmidt
Wie erleben Sie die Formel 1 am Fernsehschirm?

Briatore: Ich sehe eine andere Formel 1 als die, die ich kannte. Vielleicht ist sie besser, vielleicht auch nicht. Meine Formel 1 ist das nicht mehr.

Was gefällt Ihnen nicht?

Briatore: Die schnellen GP2-Autos können sich locker für das Formel 1-Feld qualifizieren. Das ist völlig lächerlich. Außerdem ist alles zu kompliziert. Keiner versteht, was da vor sich geht. Im Augenblick ist es ein Kampf der Ingenieure. Sicher hochinteressant, aber der Sport wird nicht für die Techniker gemacht, sondern für das Publikum.

Und der Lärm?

Briatore: Das ist wie ein Null zu Null im Fußball. Letzte Woche habe ich Fotos von dem neuen Auspuff gesehen, der wie ein Megafon aussieht. Das sieht aus wie Karneval. Alles ist zu klinisch. Zu künstlich. Die Überholmanöver sind keine echten Überholmanöver mehr. Alles gestellt. Entweder, weil dem Vordermann der Reifen einbricht, oder weil der Hintermann sein DRS benutzt. Der Fahrer vorne kann sich gar nicht verteidigen. Und dann noch die Sache mit dem Sprit. Die Teams geben 200 Millionen Dollar für ihre tolle Technik aus, und dann entscheiden der Reifen oder ein paar Liter Benzin.

Also zu viel Technik?

Briatore: Ganz klar. Wenn ich heute höre, welche Kommandos die Fahrer am Funk hören. Zu meiner Zeit haben wir dem Fahrer gesagt: Push. Das war‘s. Heute kriegt er einen Katalog von Aufträgen. Das ist so spannend wie Buchhaltung. Ich will keine Rechenkünstler hinter dem Steuer sondern Racer.

Die Formel 1 hat es immer noch nicht geschafft, die Kosten zu reduzieren. Wissen Sie Rat?

Briatore: Die GP2 funktioniert mit einem Budget von 3,5 Millionen Euro für zwei Autos. Die Formel 1 braucht 250 bis 300 Millionen dafür. Wozu? Wenn Sie heute die GP2-Autos so wie die Formel 1-Fahrzeuge lackieren, haben sie schönere Autos und eine Super-Show für viel weniger Geld. Von außen betrachtet ist dieser Sport völlig abgehoben. Die Fahrer dürfen nicht mehr mit der Presse reden. Die Teams kapieren nicht, dass die Presse ihr Partner ist. Der ganze Sport kapselt sich ab und reduziert sich ausschließlich auf die Technik.

Die großen Teams wollen gar nicht sparen. Weil sie sich gegenseitig nur schlagen, wenn sie immer mehr Geld ausgeben. Wie wollen sie das stoppen?

Briatore: Nur mit klaren Regeln. Deshalb braucht die Formel 1 einen Diktator. Der bestimmt die Regeln. Die Teams müssen danach fahren. Wem es nicht passt, der soll sich einen anderen Job suchen. Ich habe nichts gegen neue Technik. Aber die Regeln müssen die großen Teams zwingen, sie zu vernünftigen Kosten an die kleinen Teams abzugeben. Wenn einer 100 Millionen Euro für ein Auto ausgeben will, fein. Aber dem anderen muss es erlaubt werden, diese Technik für zehn Euro einzukaufen. So zwingst du die Großen, dass sie weniger Geld ausgeben. Oder riskieren, dumm auszusehen.

Bernie Ecclestone ist unter Druck. Wie wird die Formel 1 ohne ihn aussehen?

Briatore: Die Formel 1 ist eine starke Marke. Bernie hat 30 Jahre gebraucht, sie aufzubauen. Ohne ihn könnte es gut passieren, dass sie in zwei oder drei Jahren zerstört wird. Was es jetzt braucht ist einer, der einen klaren Plan für die Formel 1 der Zukunft hat.

Wären Sie gerne der neue Bernie?

Briatore: Ich wäre lieber der alte Bernie.

Im Ernst. Interessiert Sie der Job?

Briatore: ... Grinst, dreht sich um und geht.

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