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Force India-Coup mit Perez

Boxen-Trick in der Startrunde

Sergio Perez - GP Singapur 2016 Foto: sutton-images.com 66 Bilder

Sergio Perez zählte zu den stillen Helden des GP Singapur. Der Mexikaner machte seinen Fehler vom Training mit einer Fahrt von Platz 18 auf 8 wieder gut. Die Zutaten zu einem seiner besten Grand Prix: Reifen streicheln, Rennintelligenz und ein taktischer Coup des Teams.

20.09.2016 Michael Schmidt 3 Kommentare

Am Samstag zählte Sergio Perez zu den Verlierern der Qualifikation. Der Mexikaner wurde um 8 Startplätze zurückgestuft, weil er bei zwei unterschiedlichen Vergehen in einer Runde unter doppelt gelber Flagge zu schnell gefahren war und bei einfach Gelb ein Auto überholt hatte. Auch wenn die Strafe übertrieben hart ausfiel, musste sich Perez ankreiden lassen, die Versetzung auf den 18. Startplatz herausgefordert zu haben.

Einen Tag später zählte der Force India-Pilot zu den heimlichen Gewinnern des GP Singapur. Perez landete mit einem sensationellen Rennen auf Platz 8. Selbsterkenntnis: „Es war einer der besten Grand Prix meiner Karriere.“

Der Mexikaner fuhr praktisch ein Einstopp-Rennen. Den dritten Reifensatz trug er 36 Runden bis ins Ziel. Er konnte es selbst kaum glauben. Mittendrin in dem abschließenden Stint meinte Perez am Funk: „Mit dem Reifensatz komme ich nie über die Distanz.“ Das Team bat ihn, es trotzdem zu versuchen.„

Kein Kampf gegen Alonso und Verstappen

Teamchef Bob Fernley erklärt die Risikoabwägung: „Wenn Checo ein weiteres Mal gestoppt hätte, hätten wir ein kleines Fenster treffen müssen, um vor Gutierrez wieder rauszukommen. Dann wäre Sergio Zehnter geworden. Draußen zu bleiben barg das Risiko, dass ihm hinten raus die Reifen einbrechen. Er wäre aber auch da mindestens Zehnter geworden, weil die Lücke zu Platz 11 genügend groß war. Wir hatten also nicht viel zu verlieren. Der achte Platz ist das Verdienst des Fahrers. Checo ist ein Mega-Rennen gefahren.“

Perez verdiente sich nicht wegen Überholmanövern seine Meriten. Der WM-Achte überholte auf seiner Fahrt von Platz 18 auf Rang 8 nur ein Auto. Ein Mix aus perfektem Reifenmanagement und Rennintelligenz machte Perez neben Rosberg, Ricciardo und Vettel zu einem der Stars der Straßenschlacht an der Marina Bay.

Als der Mexikaner merkte, dass es mit dem dritten Reifensatz eng werden könnte, traf er 2 richtige Entscheidungen. Er wehrte sich nicht gegen den Angriff von Fernando Alonso und Max Verstappen. „Die waren so viel schneller als ich, dass sie mich irgendwann sowieso überholt hätten.“

„Hätte ich mich gewehrt, wäre das nur auf die Kosten meiner Reifen gegangen. Mir war sofort klar, dass mein eigentlicher Gegner Kvyat ist. Für den Zweikampf wollte ich meine Reifen konservieren.“ Kvyat rannte 17 Runden vergeblich gegen den Force India an. Obwohl seine Reifen 12 Runden weniger auf der Lauffläche hatten.

Bottas und Button halfen Perez

Doch warum eigentlich 3 Reifensätze? Fuhr Perez nicht ein Einstopp-Rennen? Nicht ganz. Und jetzt kommt der Kommandostand von Force India ins Spiel. Chefstrategin Bernie Collins holte Perez schon nach einer Runde zum Reifenwechsel. Ultrasoft runter, Soft rauf. Nur mit 2 frischen Garnituren Soft war es möglich, mit lediglich einem weiteren Stopp über die Distanz zu kommen.

Der Coup von Force India bestand darin, dass die Strategen schnell die Lage peilten. Das Feld war nach dem Unfall von Nico Hülkenberg hinter dem Safety-Car aufgereiht. Normalerweise wäre Perez bis ans Ende des Feldes durchgereicht worden. So hätte man den Sprung auf Platz 12 in der Startrunde gleich wieder weggeworfen. Doch Perez verlor bei dem Boxenstopp nur eine Position an Esteban Gutierrez.

Der Grund: Hinter dem HaasF1-Piloten schlichen Valtteri Bottas und Jenson Button mit ramponierten Autos um den Kurs. Der eine beklagte einen Reifenschaden, der andere einen abgerissenen Frontflügel. Die Unfallopfer konnten das Tempo des Safety-Cars nicht mitgehen, durften aber auch nicht überholt werden. So riss hinter Gutierrez eine Lücke auf, die Force India ausreichte, um Perez dort einzusortieren.

Force India belohnte sich selbst. Die 4 Punkte von Perez reichten aus, Williams den vierten Platz in der Konstrukteurs-WM wieder abzujagen. Im Duell der Mercedes-Kunden steht es jetzt 112:111.

Neuester Kommentar

So witzig das auch ist: Die Strategen von Force India gehören in meinen Augen zu den absolut besten in der Formel 1. Generell muss man Force India zugestehen, dass sie vermutlich das Team sind, was am meisten aus seinem Budget macht.

OmniousGuy 23. September 2016, 17:05 Uhr
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