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Force India erwägt Protest

Vergne steht zu kurz bei 5-Sekunden-Strafe

Jean-Eric Vergne - Toro Rosso - GP Singapur 2014 Foto: xpb 63 Bilder

Force India hat genau hingeschaut. Und auch andere Teams haben den Fehler entdeckt. Als Jean-Eric Vergne in Singapur die erste seiner zwei 5-Sekunden-Strafen antrat, da hat Toro Rosso offenbar nicht fünf Sekunden gewartet, bis der Reifenwechsel begann. Die FIA sieht sich außerstande, das Resultat zu ändern.

03.10.2014 Michael Schmidt

Jean-Eric Vergne kassierte beim GP Singapur zwei 5-Sekunden-Strafen für das Verlassen der Rennstrecke mit gleichzeitiger Vorteilsnahme. Die erste Strafe saß Toro Rosso beim Boxenstopp ab, die zweite wurde am Ende des Rennens hinzuaddiert. Trotzdem reichte es für Vergne noch für den sechsten Platz. Vor Force India-Pilot Sergio Perez. Doch mit der ersten Buße gibt es ein Problem: Toro Rosso begann die Arbeiten am Auto bereits vor Ablauf der 5 Sekunden.

Das jedenfalls behaupten Force India und einige andere Teams. Je nach Messung wurde der Toro Rosso zwischen 4,7 und 4,9 Sekunden nach Antritt der Strafe aufgebockt. Das Problem ist, dass die Rennleitung im Moment keinen Kontrollmechanismus hat, alle 5-Sekunden-Strafen sofort zu überprüfen. Man ist auf TV-Aufnahmen angewiesen. Force India und Mercedes haben sich Vergnes Boxenstopp genau angeschaut und mitgestoppt. Und dabei kam heraus, dass die Wartezeit von 5 Sekunden nicht korrekt eingehalten wurde.

Video beweist Vergnes Regelverstoß

Force India informierte die Rennleitung zwar innerhalb der geforderten 30 Minuten nach der Veröffentlichung des offiziellen Resultats über den Regelverstoß, verzichtete aber auf einen Protest. Stattdessen wurde den Sportkommissaren ein Video zugespielt, das den Vorfall belegen sollte.

Da die Sportkommissare nicht klar erkennen konnten, wann Vergne anhielt, und wann das Auto aufgebockt wurde, legten sie den Vorwurf von Force India zu den Akten. FIA-Rennleiter Charlie Whiting informierte Teammanager Andy Stevenson jedoch, dass sie das Recht hätten, den Fall neu aufzurollen, sollten sich neue Beweise ergeben.

Neue Beweise werden nicht anerkannt

Force India informierte die FIA eine Woche vor dem Rennen in Japan, dass diese Beweise nun vorliegen. Es handelte sich nach Angaben von Force India um das gleiche Video in besserer Auflösung. Außerdem hat Force India eine Software entwickelt, die das Zeitintervall anhand von TV-Aufnahmen exakt ermittelt.

Darauf war dann tatsächlich zu erkennen, dass Vergne nur 4,7 Sekunden stillstand, bevor die Mechaniker ihre Arbeit begannen. Pech für Force India: Die Sportkommissare erkannten das Video nicht als "neuen Beweis" an. Weil es der alte Film war.

Force India will sich damit nicht zufrieden geben und erwägt sogar einen Gang vor das FIA-Berufungsgericht. Sportdirektor Otmar Szafnauer spricht von einem klaren Regelverstoß: "Das ist so, als würde man nachträglich feststellen, dass ein Auto untergewichtig war."

In Zukunft sollen Galgen-Kameras FIA helfen

Die FIA hat immerhin erkannt, dass es im Fall von Verstößen gegen die 5-Sekunden-Strafen Nachbesserungsbedarf gibt. Sie zweifelt die Genauigkeit von Handstoppungen anhand von TV-Bildern an. Deshalb bat sie die Teams, ihr in Zukunft die Aufnahmen der in den Galgen installierten Überwachungskameras zu überspielen. Wenn die FIA direkten Zugriff auf das Filmmaterial hätte, wäre es leicht Zeitunterschreitungen sofort zu ahnden.

Doch das ist Zukunftsmusik. Im Augenblick haben einige Teams, darunter Red Bull und Force India, nur GoPro-Kameras installiert, die nicht live übermitteln können. Da wäre die FIA auf eine Aufzeichnung angewiesen, und die könnte man erst nach dem Rennen prüfen. Deshalb wird als Übergangslösung überlegt, die Ein- und Ausfederraten der in den Druckstreben installierten Sensoren als Beweismittel heranzuziehen.

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