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Force India-Geheimnis

Die Meister der Effizienz

Force India GP Australien 2013 Foto: xpb 39 Bilder

Force India hat beim Saisonauftakt viele überrascht. Zehn WM-Punkte, elf Führungsrunden, zeitweise schien sogar ein Podium in Reichweite. Im Kampf um Platz sechs in der Konstrukteurs-WM hat der Rennstall aus Silverstone einen wichtigen Schritt gemacht.

21.03.2013 Michael Schmidt

Dieser Force India ist allen ein Rätsel. Dem Auto sieht man den Speed nicht an. Der Force India VJM06 kommt ziemlich brav daher, mit seiner bulligen Nase, einem relativ simplen Frontflügel, schlanken Seitenkästen, einem Standard-Auspuff und einer langgestreckten Airbox. Es gibt kein spektakuläres Detail an dem Auto, das einem sofort ins Auge sticht. Trotzdem ist der Force India schnell.

Als einziger Vertreter aus dem Mittelfeld brachte der Rennstall aus Silverstone ein Auto in die Top Ten der Startaufstellung. Im Rennen war man hinter Lotus, Ferrari und Red Bull vierte Kraft. Auf Augenhöhe mit Mercedes. Die elf Führungsrunden von Adrian Sutil waren kein Zufall. Als der Gräfelfinger in Führung lag, bissen sich Vettel, Alonso, Massa und Räikkönen an ihm die Zähne aus. Die McLaren hatte Force India locker im Griff.

Force India schont die Reifen

Während der Mercedes mit den weichen Reifen besser umging, schlug die Stunde der Force India auf den härteren Sohlen. Wie Kimi Räikkönen kamen Adrian Sutil und Paul di Resta mit nur zwei Stopps über die Distanz. Das spricht für gutes Reifenmanagement. Warum Sutil auf den extraweichen Reifen in den letzten 13 Runden 37 Sekunden auf die Spitzengruppe verlor, muss noch geklärt werden.

Am Fahrer lag es nicht. Der ging den letzten Stint übervorsichtig an. Ohne die Reifenmisere hätte Sutil mit Hamilton um Platz fünf gekämpft. Force India hat auch so große Kasse gemacht. Zehn Punkte beim Auftakt sind ein Wort. Die direkten Gegner Sauber, Williams und Toro Rosso gingen leer aus. Red Bull-Berater Helmut Marko erkannte neidlos: "Die machen einen richtig guten Job, und das schon seit Jahren."

Altmodischer Windkanal als Handikap

Das Geheimnis des Teams heißt Effizienz. Chefdesigner Andy Green und seine Truppe verzetteln sich nicht mit Experimenten mit ungewissem Ausgang, sondern entwickeln in den Gebieten, die Erfolg versprechen. Und dann sind sie Meister darin, das Maximum aus einem bestehenden Paket herauszuholen.

Bestes Beispiel waren die letzten beiden Jahre. Force India stellte jeweils früh seine Entwicklung ein und betrieb in den letzten acht Rennen nur noch Feintuning. Damit machte man mehr Fortschritte als die Konkurrenz mit aufwendigen Upgrades. Konzentration auf das Wesentliche, nennt man das.

Dabei muss Chefaerodynamiker Simon Phillips mit einem Handikap leben. Der hauseigene Windkanal ist nicht mehr State of the Art. Er soll dank der 50 Millionen-Dollar-Spritze der indischen Besitzer jetzt aufgerüstet werden. "Wenn es um Detailverbesserungen geht, tun wir uns schwer, weil wir so genau gar nicht messen können", bedauert Sportdirektor Otmar Szafnauer.

Neuer Auspuff für den GP Malaysia

Andy Greens Männer sind auch kluge Kopierer. Sie mixen erfolgversprechende Details der Konkurrenz mit eigenen Ideen und fahren fast immer gut damit. "Unsere Mittel sind begrenzt. Wir müssen so arbeiten", entschuldigt sich Szafnauer. Beim GP Malaysia soll ein neuer Auspuff debütieren. Force India setzt wie das Werksteam von Mercedes auf einen Resonator im Bereich der Krümmer. Der minimiert den Leistungsverlust, der durch die reduzierten Endrohrdurchmesser entsteht, und er sorgt für einen beständigeren Gasfluss. Das hilft der Aerodynamik.

Eigentlich sollte die Neuentwicklung bereits in Melbourne Premiere feiern, aber die Teile wurden in England vergessen. Ein Mitarbeiter brachte sie im Handgepäck nach Australien mit. Leider zu spät. Szafnauer: "Sie waren erst am Samstag da. Um damit im Rennen zu fahren, hätten wir die Teile schon am Freitag testen müssen."

Defizite in schnellen Kurven abgelegt

Das neue Auto hat seine Defizite in schnellen Kurven abgelegt, ohne allzu viel von seiner guten Traktion zu opfern. Der gute mechanische Grip schont die Reifen. Die Ingenieure hoffen, dass die verbesserten Abtriebswerte in den schnellen Kurven von Malaysia Wirkung zeigen.

Das nächste Projekt, das sie angehen wollen ist das hydraulisch vernetzte Fahrwerk. Angst, dass man sich als kleines Team dabei überfordert, hat Szafnauer nicht. "Von allen Teams, die 2009 den Doppeldiffusor und 2011 den angeblasenen Diffusor kopiert haben, waren wir diejenigen, die es am schnellsten kapiert und ausgeführt haben."

Force India mit zwei erfahrenen Piloten

Force India hat gegen Sauber, Williams und Toro Rosso noch einen Trumpf in der Hinterhand. Mit Sutil und di Resta ist man fahrerisch besser besetzt als die Konkurrenz. Und das könnte im Kampf um den sechsten Rang in der Konstrukteurs-WM den Ausschlag geben.

Pastor Maldonado und Jean-Eric Vergne machen weiter Fehler, Valtteri Bottas und Esteban Gutierrez spulen ein Lehrjahr ab. Der Unterschied zwischen Platz 6 und 9 beträgt 12 Millionen Dollar. Das ist der Gegenwert eines größeren Sponsors. Viele Teams können heute aber so nicht mehr rechnen. Bernie Ecclestone zahlt erst ein Jahr später aus. Manche Teams brauchen das Geld von ihren Paydrivern sofort, um überleben zu können.

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