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Force India-Geheimnis

Spitzenteam trotz Sparkurs

GP Italien 2009 Foto: Force India 51 Bilder

Force India überrascht die Formel 1-Welt. Das ehemalige Schlusslicht ist plötzlich ein sicherer Kandidat für WM-Punkte. In Singapur kommt die vierte Ausbaustufe des Autos. Was ist das Geheimnis des Force India-Wunders?

24.09.2009

Seit Jordan seinen Rennstall Ende 2005 verkauft hat, dümpelte das Team am Ende des Feldes herum. Die Saison 2006 endete unter dem Namen von Midland mit null Punkten. 2007 unter dem Banner von Spyker gab es einen Zähler, und im letzten Jahr- das Team hieß inzwischen Force India - ging die Truppe aus Silverstone wieder leer aus.

Mit Force India wird auch in Singapur zu rechnen sein

Das hat sich gründlich geändert. In den letzten beiden Grand Prix kamen 13 Punkte auf das Konto, und es werden nicht die letzten gewesen sein. Force India bietet in Singapur ein neues Aerodynamikpaket auf. Nach Bahrain, Silverstone und Valencia das Vierte in dieser Saison. Die Ingenieure erwarten sich mindestens eine halbe Sekunde von dem Schritt. Er soll den VJM002 auch auf Strecken, die viel Abtrieb verlangen, konkurrenzfähig machen.

Spa und Monza passten in das Profil des Autos, das weniger Luftwiderstand bietet als die Konkurrenz. Die Top-Speeds sprechen da eine klare Sprache. In sieben der bislang 13 Rennen führte ein Force India die Rangliste an. Technikkoordinator Simon Roberts wehrt sich aber dagegen, dass Force India ausschließlich ein Auto für schnelle Strecken gebaut habe.

"Es war nicht unser Ziel, das schnellste Auto auf der Geraden zu bauen. Wir haben nicht absichtlich Anpressdruck geopfert, nur um einen günstigen Luftwiderstand zu bekommen. Es stimmt aber, dass wir auf schnellen Strecken mehr aus unserem Aerodynamikpaket herausholen als auf langsamen." Der ehemalige McLaren-Ingenieur, der nach einem Jahr Leiharbeit wieder zu seinem früheren Arbeitgeber zurückkehren wird, prophezeit: "Wir werden auch in Singapur stark sein."

Neue Teile und neue Organisation machen gemeinsam schnell

Laut Roberts liegt das Force India-Geheimnis nicht nur in einem guten Auto, das während der Saison durch gezielte Entwicklungsschritte um rund drei Sekunden schneller wurde, sondern auch in der neuen Organisation im Technikbüro. Der Engländer mit den kurz geschorenen Haaren erklärt in der aktuellen Ausgabe von auto motor und sport (24.9.): "Wir bringen die Entwicklungsschritte in Etappen. Das ist besser, als das Auto bei jedem Rennen zu modifizieren. Wenn man mit einem großen Paket einige Rennen lang arbeiten kann, versteht man es Schritt für Schritt besser."

So habe Force India von seiner Silverstone-Ausbaustufe erst am Nürburgring richtig profitiert. Adrian Sutil war auf dem Weg in die Punkteränge, bis er mit Kimi Räikkönen kollidierte. Gleiches Spiel mit der Valencia-Ausbaustufe. "Wir haben sie erst in Spa und Monza richtig umgesetzt."

Der Mercedes-Motor ist eine sichere Bank

Die Zusammenarbeit mit McLaren-Mercedes hat sich für Force India doppelt gelohnt. Mit Mercedes bekam das ehemalige Schlusslicht den besten Motor im Feld. "Der Motor ist eine feste Größe für uns, die einfach funktioniert. Wir müssen uns nicht darum kümmern", sagt Roberts. Gleiches gilt für Getriebe und Hydraulik, die von McLaren angeliefert werden. Technikdirektor James Key bestätigt: "Das sind Komponenten, die leicht kaputtgehen können, wenn man sie selbst baut. Unsere gute Standfestigkeitsrate kommt nicht von ungefähr."

Die Zuverlässigkeit war bis zum letzten Jahr einer der großen Schwachpunkte des Teams. In diesem Jahr konkurriert Force India bei der Zahl der absolvierten Rennrunden mit Ferrari, McLaren und Renault. Nur drei Mal blieb einer der Fahrer mit einem Defekt stehen. Zuletzt Vitantonio Liuzzi in Monza mit einer gerissenen Antriebswelle.

Sparkurs hilft den kleinen Teams

Der Sparkurs der Formel 1 hilft den kleinen Teams. Auch Force India. "Wir profitieren davon, dass während der Saison nicht mehr getestet werden darf", urteilt Simon Roberts und verweist auf die Vergangenheit, als die Top-Teams über 50.000 Testkilometer pro Saison abspulten, die finanzschwachen Rennställe aber höchstens 10.000. Force India muss auch weiterhin auf den Geldbeutel schauen. Normalerweise darf jedes Team pro Saison acht Aerodynamiktesttage abspulen. Dabei werden auf einer Kreisbahn oder einem Flugplatz Messungen mit gleichbleibender Geschwindigkeit vorgenommen, um die Windkanaldaten zu überprüfen. Force India hat erst drei dieser Termine wahrgenommen.

"Für mehr reicht unser Budget nicht", bedauert Roberts. Für Ferrari-Technikchef Aldo Costa ist das Force India-Wunder erklärbar. "Der McLaren-Input hat das Team bei den Windkanaltests, der Simulation und den Arbeitsprozessen auf den Stand eines Top-Teams gebracht. Wenn sie dann für bestimmte Strecken ein gutes Setup haben, dann stehen sie bei dem dicht gedrängten Feld klarerweise in den vorderen Startreihen. Das Feld liegt so eng zusammen, dass man nicht mehr von Top-Teams und Hinterbänklern sprechen kann."

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