Force India-Geschäftsführer Otmar Szafnauer kann die Aufregung um seinen Rennstall nicht verstehen. Eine englische Zeitung hatte gemeldet, dass Force India vor dem Aus stünde, weil zwei Jahre lang kein Geschäftsbericht an das britische Handelsregister "Companies House" geschickt worden war. In England wäre das ein Grund, eine Firma zu schließen.
Force India ist gesund
"Das Team hatte für das Einreichen der Bilanzen einen Aufschub beantragt. Das ist ein ganz normaler Vorgang. Bis Ende des Monats werden alle Dokumente bei der Behörde vorgelegt. Da hat einer ohne Grund Alarm geschlagen." Szafnauer beteuert: "Das Team ist gesund. Unser Budget liegt im Rahmen des Vorjahres." Damit ist die Hoffnung verbunden, dass Force India die guten Ergebnisse der zweiten Saisonhälfte von 2009 wiederholen und damit Sponsoren anlocken kann.
Der Rennstall aus Silverstone beschäftigt derzeit 290 Mitarbeiter. Acht Windkanalspezialisten kommen noch dazu. Force India will seine Windkanalkapazitäten bis an das vom Reglement erlaubte Limit von 60 Stunden pro Woche ausbauen. Als Betriebszeit gilt nur, wenn der Wind auch bläst. "Im Moment können wir nur sechs Tage die Woche den Kanal nutzen", erklärt Szafnauer. "Wenn die neue Truppe an Bord ist, können wir rund um die Uhr in den Kanal."
Tata hilft bei der Entwicklung
Auch die CFD-Entwicklung wird verstärkt. Die Aerodynamikberechnungen lässt Force India bei CRL in Indien durchführen, einer Firma, die Partner Tata gehört. Je nach Bedarf wird dann die Computernutzung und die Windkanalbelegung aufeinander abgestimmt. Die neuen Sparregeln erlauben höchstens 60 Windkanalstunden oder eine Computerauslastung von 40 Teraflops (Gleitkommaoperationen pro Sekunde). Wer beide Werkzeuge zusammen einsetzen will, muss nach einer festgelegten Formel Abstriche machen.
Die ersten Testfahrten mit dem neuen VJM03 haben gezeigt, dass Force India sich in diesem Jahr im Mittelfeld etablieren könnte. "Wir hatten letztes Jahr ein Auto mit einem sehr günstigen Luftwiderstand. Deshalb waren wir auf schnellen Strecken konkurrenzfähig", erklärt Szafnauer. "Das Konstruktionsziel für das neue Auto lag deshalb auf der Hand: Beibehaltung des günstigen Cw-Werts bei Steigerung des Abtriebs. Das neue Auto soll auch auf den langsamen Strecken bei der Musik sein."
Interner Wettbewerb im Cockpit
Die Fahrer müssen Gas geben. Das trifft besonders auf Vitantonio Liuzzi zu. Testfahrer Paul di Resta sitzt ihm im Genick. Der Schotte, der im vergangenen Jahr Dritter in der DTM wurde, kommt bei jedem Freitagstraining in einer Sitzung zum Einsatz. Das heißt, dass Adrian Sutil und Vitantonio Liuzzi bei jedem zweiten Rennen einmal auf 90 Minuten Freitagstraining verzichten müssen. Di Resta wurde ganz klar mit dem Ziel angeheuert, den Stammpiloten Beine zu machen. "Interner Wettbewerb tut gut", sagt Szafnauer. "Wir werden von dieser Situation profitieren."


Wer wird 2010 Formel 1-Weltmeister?



