Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Otmar Szafnauer im Interview

„Drehen jeden Dollar zwei Mal um“

Otmar Szafnauer - Force India - GP Malaysia 2016 Foto: sutton-images.com 33 Bilder

Force India-Sportdirektor Otmar Szafnauer spricht im Interview über das Erfolgsgeheimnis seines Teams, über die Kunst mit wenig Geld Großes zu erreichen und über die Probleme, die ein ausbleibender Cashflow mit sich bringt.

05.10.2016 Michael Schmidt

Force India kämpft mit Williams um Platz 4. Was sind die Stärken Ihres Teams, was die von Williams?

Szafnauer: Wir sind die schnellsten im Entscheidungsprozess, weil wir eine schlanke Struktur haben. Wir haben zwei Top-Fahrer, die sich gegenseitig schlagen und nicht am Ende des Jahres zurücktreten wollen. Und wir sind eine eingeschworene Truppe, die schon lange zusammen ist und einander vertraut. Williams hat eine große Erfahrung. Sie haben sich in den letzten Jahren besser als auf Rang 4 platziert, deshalb wissen sie, wie das geht. Und sie haben neben zwei guten Fahrern ein größeres Team mit mehr Ressourcen als wir.

Können Sie auch die beiden Autos vergleichen?

Szafnauer: Es sind zwei Autos mit unterschiedlichen Aerodynamik-Philosophien. Deshalb hängen unsere Stärken und Schwächen vom Layout der Rennstrecke ab.

Können Sie diese Streckentypen präzisieren?

Szafnauer: Das beste Beispiel sind Monza und Singapur. In Monza war Williams besser, in Singapur wir. Alle Monza ähnlichen Strecken spielen ihnen in die Karten, der Typ Singapur uns. Außerdem glaube ich, dass wir die Reifen besser verstehen, und deshalb auch bei der Rennstrategie treffsicherer sind. Das eine bedingt das andere.

Was würde Platz 4 für Force India bedeuten?

Szafnauer: Mehr Geld. Eine tolle Weihnachtsfeier. Ein Motivationsschub. Wir hätten die Bestätigung, dass man mit unseren Mitteln auf Platz 4 landen kann. Und unser Leben wäre 2017 etwas einfacher, weil wir von den Rechteinhabern mehr Geld bekommen.

Otmar Szafnauer - Force India - GP Malaysia 2016Foto: xpb
Otmar Szafnauer will mit Force India auf Rang 4 der Teamwertung landen.

Force India ist nicht das reichste Team im Fahrerlager und trotzdem erfolgreich. Warum werben Ihnen andere Teams keine Leute ab?

Szafnauer: Wir sind das zweitärmste Team. Und andere Teams werben uns Leute ab. Aber die Schlüsselfiguren bleiben. Weil sie sich bei uns wohl fühlen. Wir geben ihnen mehr als nur ein gutes Gehalt. Wir kümmern uns darum, dass es ihnen auch privat gut geht. Es gibt nicht ein Modell, das für alle Mitarbeiter passt, sondern ein individuelles Modell für jeden Mitarbeiter. Zum Beispiel, dass wir unsere Nicht-Engländer so oft wie möglich nach Hause fahren lassen, wenn ihnen das wichtig ist. Und wir stellen sicher, dass jeder bei uns im Team das Gefühl hat am Erfolg beteiligt gewesen zu sein.

Und warum finden Sie keine neuen Sponsoren?

Szafnauer: Der Erfolg auf der Rennstrecke hat zumindest dazu geführt, dass wir mit mehr Sponsoren sprechen. Wir machen einen guten Job, die zu halten, die wir haben. Die Sponsorensuche ist für alle Teams schwierig, nicht nur für uns. Ich bin aber guter Hoffnung, dass wir zu Beginn des nächsten Jahres neuen Sponsoren auf dem Auto haben.

Einer der Teambesitzer war im Gefängnis, dem anderen droht das gleiche in Indien. Schreckt das Sponsoren ab?

Szafnauer: Unsere großen Sponsoren laufen nicht weg. Und sie haben sehr strikte Compliance-Vorschriften. Egal ob Mercedes, Diageo oder NEC. Ob es Firmen gibt, die davor zurückschrecken, weiß ich nicht. Sie würden sich bei uns ja nicht melden.

Was hat sich für das Team geändert, seit Vijay Mallya England nicht mehr verlassen darf?

Szafnauer: Eigentlich nicht viel. Außer dass wir Vijay nicht mehr jedes Wochenende an der Strecke sehen. Das ist der größte Unterschied, weil er das Team immer toll unterstützt hat. Aber er schaut in der Fabrik in Silverstone genauso oft vorbei wie früher. Er ruft mich jede Woche zum Rapport an, ist genauso interessiert wie vorher. Aber er lässt uns an der langen Leine, weil er uns vertraut. Das ist eine weitere unserer Stärken.

Stimmt es, dass er sich zuhause eine Art Kommandostand eingerichtet hat?

Szafnauer: Er kann zuhause alle Daten einsehen, den kompletten Funkverkehr abhören, er hat alle Bildschirme wie wir an der Strecke, und er schaut sich jede Trainingssitzung an.

Wie schwierig ist es mit limitiertem Budget zu arbeiten?

Szafnauer: Wir könnten es viel einfacher haben mit mehr Geld auf dem Konto. In mancher Hinsicht ist es aber auch von Vorteil. Wir überlegen uns bei jedem Dollar, ob wir ihn ausgeben sollen, und wenn ja, an welchem Platz. Vorrang hat immer, das Auto schneller zu machen. Das macht uns so effizient.

Wenn ich Ihnen 20 Millionen Dollar extra gebe, was würden Sie damit machen?

Szafnauer: Ich würde unsere Infrastruktur verbessern. Wir könnten in der Fahrzeugentwicklung effizienter sein. Uns fehlt Ausrüstung, die Teile am Limit zu bauen. Deshalb liegen wir immer ein bisschen über der Grenze. Wir würden auch die Produktion im Haus ausbauen. Manchmal warten wir bei unseren Lieferanten am Ende einer Schlange auf Teile. Wenn du sie selbst produzierst, bist du der erste in der Reihe. Das trifft uns vor allem im Winter hart. Deshalb können wir unsere Entwicklungszeit nie so weit wie möglich aufschieben, weil wir uns einen Puffer einbauen müssen, die Teile fertig zu bekommen.

Was hat das für Auswirkungen auf das 2017er Auto?

Szafnauer: Ein Top-Team hat zwar die gleichen Windkanalstunden wie wir, kann aber mehr Ideen durchschleusen, weil sie einen höheren Umsatz bei den Windkanalmodellen haben. Sie frieren das Design später ein.

Wann haben Sie mit der Entwicklung des 2017er Autos begonnen?

Szafnauer: Ende Februar, Anfang März. Ab Mai hatte die 2017er Entwicklung schon Vorrang. In Silverstone kam unser letztes Upgrade an das 2016er Auto.

War das eine schwierige Entscheidung? Immerhin könnte es den Unterschied zwischen Platz 4 und 5 ausmachen?

Szafnauer: Sehr schwierig. Das Mindestziel war Platz 5. Nach einem schwierigen Saisonstart haben wir dann schnell festgestellt, dass wir ein Auto haben, mit dem wir Fünfter werden können. Später hat sich plötzlich die Möglichkeit aufgetan, dass wir sogar Platz 4 erreichen können. Aber wir haben trotzdem entschieden, das nicht mit aller Macht zu tun. Was nützt uns Platz 4 in diesem Jahr, wenn es Platz 8 in der nächsten Saison bedeutet? Jetzt versuchen wir das Paket so weit wie möglich auszuschöpfen. So können wir unser Auto immer noch schneller machen.

Wie attraktiv wäre für Force India ein Fahrer wie Lance Stroll mit angeblich 30 Millionen Dollar im Rücken?

Szafnauer: Du musst immer das Geld gegen die Lernkurve abwägen, die ein Fahrer wie Lance Stroll braucht. Das Geld wäre im Augenblick toll, aber mittelfristig würdest du abhängig von seiner Lernfähigkeit möglicherweise viele Plätze in der Konstrukteurs-WM aufgeben. Und da könnte die Rechnung schon nicht mehr aufgehen. Wir nehmen immer die besten Fahrer, die für uns auf dem Markt sind, und sind mit dieser Politik immer gut gefahren. Das hat auch auf das Team einen Einfluss. Jeder bei uns in der Mannschaft weiß, dass wir es ernst meinen und nicht nur mitfahren wollen.

Es gibt wieder Gerüchte, Force India sei knapp an Cashflow und könne gerade weder Motoren noch Fahrer bezahlen. Müssen wir uns auf böse Nachrichten gefasst machen?

Szafnauer: Wer in diesem Geschäft nicht Geld im Überfluss hat, bekommt immer mal wieder Probleme mit dem Cashflow. Unsere Einnahmen kommen nicht regelmäßig aufs Konto. Deshalb müssen wir das was da ist so gut wie möglich verteilen, bis wieder ein größerer Zahlungseingang kommt. Ich kann Ihnen aber versichern. Wir bezahlen alle Rechnungen, auch die für die Motoren.

Kann es sein, dass Ihnen diesmal andere Teams ihre Fahrer stehlen?

Szafnauer: Das glaube ich nicht.

Aber Sie haben noch nicht beide Fahrer bestätigt?

Szafnauer: Müssen wir auch nicht. Beide haben Verträge mit uns. Im Fall Perez haben wir uns dazu entschlossen, einfach um die Gerüchte einzudämmen und damit die Sponsoren Klarheit haben.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden