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So wurde 107-Prozent Regel ausgetrickst

Force India rettet Red Bull und Williams

Nico Hülkenberg - Force India - Formel 1 - GP Ungarn - 23. Juli 2016 Foto: xpb.cc 81 Bilder

Red Bull und Williams können sich bei Force India bedanken. Die Sportkommissare waren drauf und dran, für alle 107-Prozent Sünder die Zeiten des dritten Trainings für die Startaufstellung heranzuziehen. Bis Force India die entscheidende Idee für eine Verteidigungsstrategie hatte.

24.07.2016 Michael Schmidt

Die ersten Meldungen sickerten um 17 Uhr durch. Da erhielt Force India-Teammanager Andy Stevenson von der FIA die Nachricht, dass möglichererweise eine Untersuchung wegen der Verletzung der 107-Prozent-Regel im Q1 eingeleitet würde. Jolyon Palmer, Felipe Massa, Kevin Magnussen, Marcus Ericsson, Pascal Wehrlein, Rio Haryanto, Sergio Perez, Valtteri Bottas, Nico Hülkenberg, Daniel Ricciardo und Max Verstappen hatten in der ersten Quali-Runde wegen der vielen roten Flaggen nicht 107 Prozent von Nico Rosbergs Bestzeit von 1.33,302 Minuten geschafft.

Force India hätte am meisten verloren

Die Sportkommissare zitierten zuerst die Teammanager der Teams zu sich, deren Fahrer im Q1 ausgeschieden waren. Sie mussten den Antrag stellen, dass ihre Fahrer trotzdem am Rennen teilnehmen durften. Was eine reine Formsache war, weil Palmer, Massa, Magnussen, Ericsson, Wehrlein und Rio Haryanto in allen anderen Trainingssitzungen locker diese Hürde geschafft hatten. Bei dieser Gelegenheit erinnerte Sauber-Teammanager Beat Zehnder die Schiedsrichter daran, dass der gleiche Paragraf 35.1. auch auf Perez, Bottas, Hülkenberg, Ricciardo und Verstappen anzuwenden sei, obwohl sie es ins Q2 geschafft hatten. Das war bereits gegen 16.30 Uhr. Bis zur Urteilsverkündung vergingen dann noch viereinhalb Stunden.

Die Sportkommissare standen vor einem Problem. Zum ersten Mal seit es die 107-Prozent-Regel gibt, waren auch Fahrer betroffen, die eine Runde weiter gekommen waren. Was also mit ihnen tun? Je länger Gerd Ennser, Baham Lekhal, Lajos Herczeg und Alan Jones darüber nachdachten, umso mehr wurde ihnen klar, dass hier Handlungsbedarf bestand. „Die Regel 35.1. gilt auch für die Fahrer, die es ins Q2 schaffen. Sie müssen sich dementsprechend in der Reihenfolge des dritten Trainings am Ende des Feldes aufstellen“, beharrt Zehnder .

Somit hätte die Startaufstellung ab Platz 12 hinter Sauber-Pilot Felipe Nasr wir folgt ausgesehen: Verstappen-Ricciardo-Bottas-Perez-Palmer-Massa-Magnussen-Hülkenberg-Ericsson-Wehrlein-Haryanto. Force India hätte damit am meisten verloren. Perez und Hülkenberg wären statt von den Plätzen 13 und 9 von den Rängen 15 und 19 gestartet.

Force India findet Lücke im Reglement

Stevenson und Sportdirektor Otmar Szafnauer lasen das Reglement wieder und wieder durch, um einen Ausweg zu finden. „Die Sportkommissare sahen nur den Weg, Paragraf 35.1. anzuwenden. Dummerweise ist das eine Entscheidung, gegen die man nicht Berufung einlegen kann. Uns musste also schnell etwas einfallen“, erzählt Szafnauer. „Deshalb haben wir die Regeln noch einmal studiert, bis uns aufgefallen ist, dass Paragraf 35.2 a) Absatz 3 stärker zieht. Und der besagt, dass die Startaufstellung für die Fahrer, die eine Runde weiter kommen, gemäß ihrer weiteren Rundenzeiten ermittelt wird.“

Um 19.30 Uhr informierte Force India seinen Anwalt in England, der den Einwand des Teams in juristische Form brachte. Dieses Papier präsentierte Stevenson um kurz nach 21 Uhr den Sportkommissaren. „Sie waren drauf und dran, die Startaufstellung umzuschreiben. Erst unsere Argumente haben sie überzeugt.“

Red Bull tatenlos, Williams schon im Hotel

Bei Sauber und Renault ist man der Meinung, dass die Sportkommissare die Startaufstellung im Sinne eines spannenderen Rennens nicht ändern wollten und die Angelegenheit so weit hinauszögerten, bis ihnen eine Lösung einfiel, wie sie aus der Nummer wieder herauskommen würden. Der Einspruch von Force India öffnete ihnen dann die gewünschte Hintertür.

Profiteure der Spitzfindigkeit sind auch Red Bull und Williams. Daniel Ricciardo, Max Verstappen und Valtteri Bottas bleiben auf ihren angestammten Startplätzen. Red Bull hoffte auf Gnade und unternahm nichts. Williams war bereits nach Hause gegangen. „Wir haben sie gerettet. Sie sollten uns ihren Anteil am Preisgeld überweisen“, juxte Force India-Teamchef Bob Fernley.

Niki Lauda hält die stundenlage Hängepartie für einen weiteren Grund, dass die Regeln im Sinne der Vereinfachung dringend umgeschrieben werden müssten: „Die 107-Prozent-Regel wurde in einer Zeit geschrieben, in der es noch richtig langsame Autos gab, die eine Gefahr für die anderen darstellten. Heute muss man diese Regel nicht mehr anwenden.“

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