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Force India und Sauber machen Druck

Wer muss vor der EU-Kommission Angst haben?

Flaggen -  EU & Formel 1 Foto: xpb 95 Bilder

Force India und Sauber haben bei der EU-Kommission eine formale Beschwerde gegen die Wettbewerbsverzerrung in der Formel 1 durch unfaire Geldverteilung und einseitige Beschlussfassung eingereicht. Wer muss Angst haben, wenn die Euro-Kommissare Ernst machen?

02.10.2015 Michael Schmidt

Die Sache schwelt seit dem November 2014. Damals schrieb die englische Labour-Abgeordnete Anneliese Dodds an die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, dass die Verteilung der Einnahmen aus dem Formel 1-Geschäft, die Rolle der FIA und das Entscheidungsprocedere in der Königsklasse in Bezug auf das Wettbewerbsrecht in Frage gestellt werden müssen.

Doch ohne eine formale Beschwerde aus den Reihen der Formel 1 war dieser Brief nur ein Papiertiger. Force India und Sauber haben jetzt Ernst gemacht. Sie haben der Wettbewerbskommissarin eine detaillierte Abhandlung über die Verteilung der Einnahmen und die Regelfindung zukommen lassen, die nach Meinung der beiden Teams nicht nur unfair sondern auch unrechtmäßig ist. Damit ist die EU-Kommission aufgefordert eine Untersuchung einzuleiten um zu prüfen, ob die Klage berechtigt ist.

Klage spielt Ecclestone in die Karten

Wer glaubt, dass die Mühlen in Brüssel langsam mahlen, könnte sich täuschen. In einem Fall, der große öffentliche Aufmerksamkeit verspricht, kann es auch ganz schnell gehen. Experten rechnen mit einer Entscheidung in den nächsten sechs bis neun Monaten. Sollte die EU-Kommission zum gleichen Urteil wie Force India und Sauber kommen, könnte das für die Formel 1 einen Erdrutsch bedeuten. Und vielleicht die Chance für einen kompletten Neuanfang, den die Königsklasse dringend nötig hätte.

Doch wer muss sich vor dem langen Arm aus Brüssel am meisten fürchten? Bernie Ecclestone eher nicht. Ihm kann es egal sein, wie das Geld verteilt wird. Die Höhe der Auszahlung ist davon nicht betroffen. Der Formel 1-Chef erweckt gerade den Eindruck, als spiele ihm das Chaos, das angerichtet wurde, in die Karten. Es wäre eine Chance, die Strategiegruppe wieder loszuwerden. Ecclestone hat sich mit seiner Erfindung einen Klotz ans Bein gebunden, den er sonst bis 2020 nicht mehr loswürde.

Das Gremium lähmt jegliche Entscheidungsfindung. Und es gibt einigen wenigen Teams zu viel Macht. Der große Zampano selbst ist in vielen Fragen nur noch Passagier.

Der Preis für die Aktie Formel 1 sinkt

Für CVC kommt zum dümmsten Zeitpunkt. Das Luxemburger Finanzunternehmen will die Formel 1 verkaufen. Angeblich stehen Investoren aus Quatar, angeführt vom ehemaligen Kirch-Manager Dieter Hahn vor der Tür. Eine Untersuchung von Seiten der EU und eine ungewisse Zukunft schreckt jeden Kaufinteressenten ab. Weil möglicherweise die Rolle der Rechteinhaber deutlich geschwächt würde. Die FIA müsste gemäß ihrer Rolle die alleinige Kontrolle über das Reglement zurückbekommen. Damit fällt der Preis für die Aktie Formel 1 in den Keller.

Würde die EU der Klage von Force India und Sauber stattgeben, müsste das bis 2020 geltende Finanzabkommen zwischen CVC, der FIA und den Teams aufgelöst werden. Die Privilegien der großen Teams fallen dann genauso weg wie das Vetorecht von Ferrari gegen Regeländerungen. Schlimmstenfalls müssten die begünstigten Teams ihre Bonuszahlen ab dem Jahr 2014 zurückzahlen, um sie einer gerechteren Verteilung zuzuführen. Das würde besonders Ferrari und Red Bull hart treffen. Ferraris geplanter Börsengang könnte ebenfalls davon betroffen sein. Ecclestone meinte, das könnte die betroffenen Teams in einen Ausstieg treiben.

Teams und FIA könnte eine Rückzahlung drohen

Auch die FIA muss sich warm anziehen. Die Labour-Abgeordnete Dodds sieht im jüngsten Abkommen zwischen der FIA und den Rechteinhabern einen unzulässigen Konflikt zwischen kommerziellen Interessen und der Aufgabe, den Sport zu regeln. Sie bezieht sich darauf, dass der Weltverband von den Rechteinhabern nicht nur einen deutlich höheren Abschlag am Gewinn erhält, sondern nimmt auch Anstoß an der Sonderregelung für den Fall eines Börsengangs. Dann erhielte die FIA 45.819.734 Aktien der Formel 1-Dachgesellschaft Delta Topco zum Preis von einem US-Cent pro Anteil. Das ist nach Meinung von Experten unzulässig.

Auch die FIA könnte gezwungen werden, Geld zurückzuzahlen, das ihr nicht zusteht. Präsident Jean Todt sollte das drohende EU-Tribunal trotzdem als Chance sehen. Als Chance aus der Umklammerung der Rechteinhaber und Teams herauszukommen und einen Neuanfang zu wagen. Es wäre der geeignete Moment, den Teams endlich eine Budgetdeckelung aufs Auge zu drücken. Und die Rechteinhaber zu verpflichten, mehr für den Sport zu tun statt ihn auszurauben.

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