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Formel 1: Analyse der Teamduelle, Teil 1

Teil 1: Wer hat seinen Teamkollegen im Griff?

Formula 1 Grand Prix, Australia, Saturday Qualifying Foto: xpb 15 Bilder

Der Teamkollege ist dein größter Feind. Diese Regel gilt auch für Alonso, Massa, Hamilton, Button, Schumacher, Rosberg, Vettel und Webber. Nach den ersten vier Rennen analysieren wir die Teamduelle der großen Vier. Teil 1: Red Bull und Ferrari.

29.04.2010 Michael Schmidt

Vor der Saison waren die Spekulanten in ihrem Element. Es ging um eine Frage: Wer würde besser sein, im direkten Duell der vier Topteams Ferrari, McLaren, Mercedes und Red Bull. Fernando Alonso oder Felipe Massa? Lewis Hamilton oder Jenson Button? Michael Schumacher oder Nico Rosberg? Sebastian Vettel oder Mark Webber?

Sebastian Vettel klar die Nummer eins bei Red Bull

Nach vier Rennen kann man eine Zwischenbilanz ziehen. Ohne Gewähr, dass es so bleibt. Bei Red Bull und Ferrari scheint die Rolle des Platzhirsch besetzt. Vettel und Alonso sind nicht nur im Zahlenvergleich die Nummer eins im Stall. Bei Mercedes sprechen die Daten eine eindeutige Sprache. Nico Rosberg hat Michael Schumacher im Griff. Trotzdem traut sich keiner, Rosberg den Nummer eins-Status zu verpassen. Einen Schumacher schiebt man nicht so einfach aufs Abstellgleis.
 
Bei McLaren scheint das Duell noch unentschieden. Lewis Hamilton fährt die spektakuläreren Rennen, doch Jenson Button hat mehr Punkte auf dem Konto. Das ist eine der ganz großen Überraschungen der Saison. Die Wettbüros hatten Hamilton im Winter klar vorn.
 
Sebastian Vettel lässt keinen Zweifel daran, dass er die Nummer eins bei Red Bull sein will. Red Bull ist ein Vettel-Team. Bei Mark Webber wird man das Gefühl nicht los, dass er nur das fünfte Rad am Wagen ist. Seine Pole Position in Malaysia wurde nur verhalten bejubelt. Wenn Vettel vorne steht, freut sich das ganze Team. Lediglich Teamchef Christian Horner gibt dem Australier Rückendeckung. "Mark ist die ideale Ergänzung zu Sebastian. Er hat den Speed von Sebastian, nur seine Ausschläge über eine ganze Saison sind vielleicht etwas größer."

Webber muss sich um Vertragsverlängerung bemühen
 
Webber weiß, dass er um eine Vertragsverlängerung fährt. Gerüchte über Kimi Räikkönen, Felipe Massa oder Sebastien Buemi als mögliche Nachfolger sind kein Ruhekissen. Dieser Druck schlägt manchmal in Übermotivation um. Oder erhöhtes Risiko. Als er in Melbourne und Shanghai ins Feld zurückfiel, versuchte er es mit der Brechstange. Und machte Fehler. Trotzdem ist er klug genug, es im direkten Duell mit Vettel nicht zu übertreiben. Ein Crash wäre der Todesstoß. "Das Rad-an Radduell nach dem Start in Malaysia kann auch anders ausgehen", gibt Horner zu. "Mark hat dagegengehalten, aber er ließ Sebastian den Platz, den er brauchte."
 
Dafür revanchierte sich der Australier später mit der schnellsten Rennrunde. "Mark weiß, wie wichtig Sebastian diese Trophäe ist", lacht Horner. Schön, wenn man solche Probleme hat. Horner sieht keinen Grund, Webber auszutauschen. Red Bull ist kein Team mehr, das junge Fahrer ausbildet: "Unser Chef Dietrich Mateschitz geht nur nach Qualität. Er würde auch Mark als Weltmeister akzeptieren, egal wie alt er ist."
 
Eigentlich müsste Red Bull happy sein. Man hat mit Vettel eine Allzweckwaffe und mit Webber einen Beschatter, der fast gleichschnell ist, der intern keine Politik macht, und der Vettels Leistungen respektiert. "Seb macht keine Fehler. Keiner fährt die langsamen Kurven besser als er", erkennt der Ältere im Team an.

Bei Ferrari dreht sich alles um Fernando Alonso

So wie Red Bull alles auf Vettel konzentriert, so orientiert sich Ferrari bereits Richtung Fernando Alonso. Der Spanier wird mit Lobeshymnen überhäuft. Die Techniker sehen in ihm bereits die Reinkarnation von Michael Schumacher. Nachsatz: Nur um eine Stufe besser.
 
Felipe Massas geht dagegen fast unter. Seine Körperhaltung zeigt, wie er sich fühlt. Sie ist defensiv, seit ihm Alonso die Butter vom Brot nimmt. Massa kann nicht einmal behaupten, dass sein Teamkollege zu Unrecht in den höchsten Tönen gelobt wird. Alonsos Aufholjagd in Melbourne war Extraklasse. Seine Fahrt in Sepang mit einem Getriebe, das beim Runterschalten erst immer einen Umweg über den Leerlauf nahm und den nächsttieferen Gang mit einem Überraschungsfaktor reindrückte, wird von Ohrenzeugen als außerirdisch beschrieben. Trotz des Handikaps, das ihn eine Sekunde pro Runde kostete, fuhr Alonso schneller als Massa.

Alonsos südländisches Temperament passt zu Ferrari
 
In Shanghai zeigte Alonso seinem Rivalen, dass er zu keinen Geschenken bereit ist. Er überholte ihn in der Boxeneinfahrt. Diesen Killerinstinkt haben nur Weltmeister. In Maranello konzentriert sich längst alles auf Alonso. Massa spürt, dass sein neuer Kollege ein anderes Kaliber ist als Räikkönen. Vom Speed schenken sich Alonso und Räikkönen nicht viel, doch Ferraris neuer Hoffnungsträger punktet außerhalb des Cockpits. Er ist fleißig, detailbesessen, egoistisch, vom Typ her aber echter Südländer, so dass es den Tifosi einfacher fällt, sich mit ihm zu identifizieren als mit Schumacher. Alonso baut sich intern gerade eine Hausmacht auf. Er weiß, was in Maranello ankommt. Teamgeist und Selbstkritik. Prompt gab er sich in Shanghai selbst die Schuld für den vierten Platz. Seinen Frühstart bezeichnete er als "unverzeihlichen Fehler".
 
Teamchef Stefano Domenicali lobt: "Fernando ist viel pflegeleichter als alle dachten. Er identifiziert sich voll mit unserem Team." Massas Position im Team ist vergleichbar mit der von Mark Webber. Sein Vertrag läuft aus. Das erhöht den Druck. Ferrari schiebt das Thema Vertragsverlängerung vor sich her. Für Massa spricht, dass 2011 kaum Alternativen auf dem Markt sind. Robert Kubica kommt bei Renault nur frei, wenn das Team schlechter als auf Platz sechs platziert ist. Danach sieht es im Moment nicht aus. Präsident Luca di Montezemolo wärmt von Zeit zu Zeit einen alten Ferrari-Traum aus. Motorradstar Valentino Rossi spukt immer noch in den Köpfen umher. Mit seinem Namen wirbt Montezemolo für den Einsatz eines dritten Autos, das es aber wahrscheinlich nie geben wird.

Die Fortsetzung mit McLaren und Mercedes GP in der Analyse folgt am Freitag, 30. April 2010.

TeamduellWM-PunkteGP-SiegeFührungskilometerTrainingsduell (freie Trainings)Schnellste Rennrunden
Vettel-Webber45:281:0629:223:1 (5:7)1:3
Schumacher-Rosberg10:500:00:870:4 (3:9)1:3
Hamilton-Button49:600:20:3821:3 (7:5)4:0
Alonso-Massa49:411:0112:03:1 (9:3)3:1
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