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Formel 1: Analyse der Teamduelle, Teil 2

Teil 2: Wer hat seinen Teamkollegen im Griff?

Nico Rosberg Foto: xpb 15 Bilder

Der Teamkollege ist dein größter Feind. Diese Regel gilt auch für Alonso, Massa, Hamilton, Button, Schumacher, Rosberg, Vettel und Webber. Nach den ersten vier Rennen analysieren wir die Teamduelle der großen Vier. Teil 2: McLaren und Mercedes GP.

30.04.2010 Michael Schmidt

Im Prestigeduell der Engländer bei McLaren blieb es bislang ruhig. Lewis Hamilton und Jenson Button vertragen sich auffallend gut, wohl wissend wieviel Dynamit in der Paarung liegt. Hamilton skandierte nach Buttons zweiten Saisonsieg in Shanghai brav: "Ich freue mich für ihn. Jenson bringt nur Positives für unser Team."

Button nervt Hamilton mit seiner Lockerheit

Gedacht hat er vermutlich etwas anderes. Der Weltmeister von 2008 hat mit allem gerechnet, nur nicht damit, dass ihn sein neuer Teamkollege an die Wand fährt. Button nervt seinen Landsmann weniger mit seinem Speed, sondern durch seine Lockerheit. Der Titelverteidiger fährt nach der Devise: Ich bin Weltmeister, habe alles erreicht. Was jetzt kommt, ist Zugabe. Weil er sich selbst keinen Druck aufbaut, trifft er im entscheidenden Moment auch die richtigen Entscheidungen.
 
Buttons grandioser Einstand bei McLaren hat Hamilton ins Mark getroffen. Der Frust über die Niederlage von Australien saß so tief, dass Hamilton in Melbourne lautstark Kritik an der Taktik seines Teams übte. Ein paar Tage später hatte ihn das Politbüro von McLaren wieder eingefangen. Hamilton leistete Abbitte. Er hätte erst hinterher erfahren, dass der linke Hinterreifen stark körnte und ein Wechsel unumgänglich war. Unter Druck macht Hamilton Fehler. Zwei Mal bremste er in der Qualifikation zum GP China Kurve 11 zu spät an. "Lewis überfährt das Auto. Er will Jenson unter allen Umständen schlagen", tadelt Teamchef Martin Whitmarsh.

Button erhält nun den Respekt, den er verdient

Der erste Mann von McLaren weiß noch nicht, was er von dem Frieden halten soll: "Vielleicht befinden wir uns noch in den Flitterwochen und das böse Ende kommt noch", sagt Whitmarsh. "Positiv ist, dass sich beide gegenseitig anstacheln. Wenn Jenson im Training schneller ist, will Lewis sofort den Datenvergleich mit Jenson sehen." Nachdem selbst Experten im letzten Jahr Buttons WM-Titel dem Umstand zugeschrieben haben, dass er im besten Auto saß, beginnt ihm langsam der Respekt entgegenzuschlagen, den er verdient.
 
Rubens Barrichello applaudiert, dass sich sein Ex-Kollege in die Höhle des Löwens gewagt hat: "Jenson hat Mut bewiesen, sich mit Hamilton in einem Team zu messen, das Lewis groß gezogen hat." Bei McLaren steht es trotz der Siege von Button noch unentschieden. Man muss abwarten, was passiert, wenn Hamilton einmal in Fahrt kommt.

Man darf Michael Schumacher noch nicht abschreiben

Gleiches gilt für MercedesGP. Es wäre ein Fehler, Michael Schumacher bereits jetzt abzuschreiben. Der Rekordsieger macht bei Mercedes gerade die Erkenntnis, dass drei Jahre Abstinenz bei dem Tempo der technischen Entwicklung wie zehn Jahre zählen. So kurios es klingt. Der Mann mit der größten Erfahrung befindet sich in einem Lernprozess. Im Augenblick ist Nico Rosberg der Lehrer und Schumacher der Schüler. Eigentlich ging man vom Gegenteil aus.
 
Rosberg ist bislang der schnellere Mann auf der Rennstrecke, aber er ist nicht die Nummer eins. "Die gab es vorher nicht und die gibt es heute nicht", weicht Rosberg der Frage nach dem Status im Team aus. Er führt im internen Duell mit 4:0 und überraschte sogar sein eigenes Team. "Er ist noch besser als wir glaubten", urteilt Ross Brawn. Und Schumacher macht ein überraschendes Kompliment: "Es ist keine Schande, gegen Nico zu verlieren."

Schumacher verschafft vielen Journalisten eine Daseinsberechtigung

Das Denkmal Schumacher stürzt man nicht einfach so vom Sockel. Ross Brawn hat seinen Kumpel zurückgeholt. Mercedes baut seine gesamte Marketingstrategie auf das Comeback des Superstars auf. Die Trumpfkarte muss einfach stechen. Die Szene sucht lieber nach Erklärungen, warum es bei dem Rekordsieger noch nicht so läuft wie früher, als dass sie Rosbergs Leistungen würdigt.
 
Auch bei den Medien hat Schumacher noch Kredit. Vielen verschafft er eine Daseinsberechtigung. Sein Comeback bezahlt Reisespesen und Honorare. Brutal, aber wahr: Wegen Rosberg schickt keine Redaktion einen Reporter vor Ort. Man will dem siebenfachen Weltmeister noch Gnadenfrist bis zum GP Spanien geben. Dann, wenn mit dem modifizierten Mercedes GP W01 alles besser werden soll.
 
Schumacher hofft, dass dann sein Gewichtsnachteil von vier Kilogramm im Vergleich zu Rosberg nicht mehr so ins Kontor schlägt wie jetzt, wo er jedes Gramm Ballast bräuchte, um mehr Gewicht Richtung Heck zu transferieren. Damit soll auch das lästige Untersteuern kuriert sein, das den Altmeister im Moment noch bremst. Die wenigsten Zweifel an Schumachers Fähigkeiten haben seine Kollegen. Felipe Massa glaubt, dass sein ehemaliger Stallrivale nicht lockerlässt, bis er am Ziel seiner Wünsche ist. Und Fernando Alonso streut Rosen: "Ich traue Michael immer noch zu, dass er um den Titel mitfahren kann."

TeamduellWM-PunkteGP-SiegeFührungskilometerTrainingsduell (freie Trainings)Schnellste Rennrunden
Vettel-Webber45:281:0629:223:1 (5:7)1:3
Schumacher-Rosberg10:500:00:870:4 (3:9)1:3
Hamilton-Button49:600:20:3821:3 (7:5)4:0
Alonso-Massa49:411:0112:03:1 (9:3)3:1
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