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Formel 1 Technik

Angeblasener Diffusor als Falle

Red Bull Foto: Red Bull 19 Bilder

Zuerst haben alle den F-Schacht von McLaren kopiert. Jetzt sind die Teams damit beschäftigt, den angeblasenen Diffusor von Red Bull abzukupfern. McLaren, MercedesGP und Renault wurden dadurch kurzfristig zurückgeworfen.

05.08.2010 Michael Schmidt

Die Formel 1-Saison 2010 artet in einen Wettlauf der Kopierer aus. Einer hat eine gute Idee, die anderen kupfern ab. McLaren brachte den F-Schacht, also jene Technik, die es dem Fahrer erlaubt, die Strömung am Heckflügel per Handgriff oder Knieeinsatz abreißen zu lassen. Je nach Qualität der Ausführung bringt das zwischen vier und zehn km/h Topspeed.
 

F-Schacht bringt am meisten

"Ein Trick, auf den man nicht verzichten kann", sagt Sebastian Vettel. "Auf manchen Strecken gewinnt man bis zu einer halben Sekunde. Sagt mir ein Technikdetail, das so viel Zeit bringt." Der gleichen Meinung ist Robert Kubica: "Von allen Ideen, die gerade kopiert werden, bringt der F-Schacht am meisten."
 
Inzwischen haben außer McLaren sechs weitere Teams ihre eigene Version des F-Schachts an Bord: Ferrari, Red Bull, MercedesGP, Williams, Force India und Sauber. Keiner der Nachahmer ist so gut wie das Original. Viele mussten ineffizientere Heckflügel bauen, um den Luftkanal in das Flügelprofil zu integrieren.

Kopierwelle des angeblasenen Diffusors

Seit dem GP Europa rollt eine zweite Kopierwelle. Es geht um den "angeblasenen Diffusor". Ein aerodynamischer Kunstgriff, der noch mehr Fallen birgt. Red Bull fuhr seit Saisonbeginn damit. Der Auspuff ist so gerichtet, dass er seine Gase auf das Diffusordach bläst, um die Turbulenzen zwischen Hinterrädern und Verkleidung in geordnete Bahnen zu lenken. In der Vollversion wird im ansteigenden Diffusor ein Schlitz angebracht, so dass ein Teil der Auspuffgase auch ins Innere des Diffusors bläst. Das ist die heikle Variante, denn je nach Intensität der Auspuffgase wird auch die Luft in den seitlichen Diffusorkanälen beschleunigt. Das führt zu Schwankungen im Abtrieb, beim einen mehr, beim anderen weniger.
 
Der angeblasene Diffusor bringt noch ein zweites Problem mit sich. Die 600 Grad heißen Auspuffgase gelangen auch an Stellen, an die beim Konzept keiner denkt. Die meisten Nachahmer mussten schon bei ersten Einsatz Hitzeschäden nachbessern und Protektoren an Stellen anbringen, die aus Sicht des Aerodynamikers unerwünscht sind, weil sie das Diffusorprofil verändern können. Die meist provisorischen Armierungen kosten auch noch Gewicht. Bei McLaren im Moment fünf Kilogramm.
 
McLaren musste das erste Experiment in Silverstone nach einem Trainingstag sogar abbrechen. Doch auch die nachgebesserte Version in Hockenheim und Budapest lief nicht rund. "Wir werden erst in Spa über den Berg sein", verriet Teamchef Martin Whitmarsh. Somit hat McLaren drei Rennen hergeschenkt, in denen man insgesamt 38 Punkte auf Red Bull verloren hat.

Hin und Her warf Mercedes aus der Bahn

Auch Mercedes musste Federn lassen. Dabei führten die Silbernen im Gegensatz zu McLaren den angeblasenen Diffusor in zwei Stufen ein. In Valencia debütierte die Lösung, die nur auf das Diffusordach bläst. Beim GP Deutschland kam zum ersten Mal die Vollausstattung zum Einsatz. Nur um nach einem Rennen wieder einen Rückzieher auf die Erstversion zu machen. Die Hitzeschäden in Hockenheim waren so gravierend, dass man einen Schritt zurücknehmen musste. "Wir bekommen nicht rechtzeitig das Material, das wir brauchen, um die betroffenen Stellen wirksam zu schützen", bedauert Teamchef Ross Brawn. Das Hin und Her hat Mercedes in den letzten vier Rennen aus der Bahn geworfen. Red Bull sammelte seit dem GP Europa 119 WM-Punkte. Bei Mercedes waren es nur 24.
 
Auch Renault erlebte sein blaues Diffusor-Wunder. Allerdings anderer Art. Beim Renault R30 bläst der Auspuff nur auf den Diffusor. Von Hitzeschäden blieben die Franzosen verschont. Dafür verlor der Motor wegen der neuen Auspufführung an Leistung. Drei Rennen lang spürten Robert Kubica und Vitaly Petrov beim Gasgeben weniger Dampf. "Das ist jetzt behoben. Wir sind wieder auf dem alten Leistungsstand", verriet Kubica in Budapest. Mit nur 27 Punkten aus den letzten vier Rennen lag Renault wie McLaren und Mercedes unter dem Jahresdurchschnitt.

Ferrari ging es langsamer an

Nur Ferrari blieb von den Nachwirkungen der Nachrüstung in Sachen Diffusor verschont. Die Roten machten bei der Einführung ihres angeblasenen Diffusors in Valencia einen großen Schritt nach vorne. Hätte man in Valencia und Silverstone nicht leichtfertig WM-Punkte verschenkt, wären in den letzten vier Grand Prix mehr als nur 77 Punkte hinzugekommen. Ferrari ließ sich mit der Einführung der neuen Technik Zeit. Im Augenblick bläst der Auspuff nur auf das Oberteil des Diffusors. Schritt zwei folgt in Spa. "Vielleicht war das keine schlechte Entscheidung von Ferrari, nichts zu überstürzen", meint Mercedes-Sportchef Norbert Haug angesichts der Anlaufschwierigkeiten bei McLaren, Renault und seinem eigenen Rennstall.

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