Alles über Red Bull Racing
Red Bull Racing
Weitere Artikel zu diesem Thema
Auspuff Collage F1 2013 24 Bilder Zoom

Formel 1 Auspuff-Vergleich 2013: Red Bull setzt weiter auf Vettel-Auspuff

Der Auspuff ist eine begehrte Spielwiese der Ingenieure. Die Teams haben sich auf zwei unterschiedliche Konzepte geeinigt. Der Red Bull-Lösung ist bislang nur Lotus gefolgt. Unter den McLaren-Anhängern gibt es jede Menge Spielarten. Wir zeigen Ihnen die Varianten und erklären Vor- und Nachteile.

Seit Red Bull-Designer Adrian Newey den Auspuff zum Lieblingsspielzeug erkoren hat, stürzen sich auch seine Kollegen darauf. 2011 steuerten die Auspuffgase im Heck bis zu 25 Prozent des Abtriebs bei. Damals lagen die Endrohre noch in der Bodenplatte und mündeten kurz vor der Spalte zwischen Diffusor und Hinterrad. Und der Motor konnte auch im Schleppbetrieb Auspuffgase produzieren.

Der Auspuffstrahl wurde dazu missbraucht, den Diffusor seitlich abzudichten. Warum das so wichtig ist? Weil man so das Auto hinten anheben konnte. Der Diffusor darf am hinteren Ende nur 125 Millimeter über der Referenzebene liegen. Stellt man das Auto an, vergrößert sich der Abstand zur Straße. Der Trick schafft also eine größere Diffusor-Expansion. Funktioniert aber nur, wenn seitlich keine Luft einströmen kann. Dafür braucht man die Auspuffgase. Sie arbeiten wie seitliche Schürzen.

Auspuff muss genau zielen

Das Prinzip funktioniert nach der großen Auspuff-Restriktion 2012 immer noch, nur nicht mehr so gut. Das Reglement schreibt den Endrohren ein Rechteck vor, in dem sie münden müssen. Und das ist viel weiter vom Zielort entfernt als 2011. Es besteht also die Gefahr, dass die Gase streuen und die Hinterreifen mit aufheizen. Außerdem müssen die Endrohre mindestens zehn Grad nach oben angewinkelt sein.

Da machten sich die Ingenieure den Coanda-Effekt zunutze. Nach diesem physikalischen Prinzip folgt eine Strömung immer einer Fläche, solange diese Fläche nicht allzu scharfe Kurven aufweist. Ganz entscheidend ist das Profil des Schachts in dem die Auspuffgase ungefähr 20 Zentimeter lang geführt werden. Sie kommen mit einem starken Drall aus den Endrohren. Wer dahinter zu viele Kanten und Ecken einbaut, sorgt für eine starke Streuung. Im Laufe der Saison 2012 entwickelten sich zwei Konzepte, um die Auspuffgase dorthin zu bringen, wo sie ihren Dienst verrichten sollen.

Besserer Flaschenhals-Effekt bei McLaren

Da wäre einmal das McLaren-Prinzip. Dabei sind die Endrohre in eine Ausbuchtung am hinteren Teil des Seitenkastens eingebettet und blasen nach schräg unten oder auch gerade auf die Diffusorspalte. Da sich die Ausbuchtung nur im oberen Bereich der Seitenteile befindet, kann man die Verkleidung unten wie üblich zum Flaschenhals einziehen.

Die Verjüngung der Motorabdeckung braucht man, um die Luft an der Seitenverkleidung entlang auf die freie Fläche oberhalb des Diffusors zu zwingen. Je mehr freie Fläche innerhalb der Hinterräder, umso besser funktioniert der Absaugeffekt unter dem Auto. Der ansteigende Teil des Unterbodens ist dazu da, die Luft unter dem Fahrzeug abzusaugen, damit die Strömungsgeschwindigkeit nicht durch die Reibung der Luft mit der Straße und dem Boden verringert wird.

Red Bull-Auspuff treffsicherer

Red Bull und Sauber präsentierten 2012 eine andere Idee. Sie haben die Endrohre in eine Beule gelegt, die in die flach auslaufenden Seitenkästen eingelassen war. Hinter der Auspuffmündung folgte die Verkleidung wie eine Rampe bis hin zur Bodenplatte. Das hat für eine höhere Treffsicherheit gesorgt, weil die Auspuffgase nicht in freier Luft verwirbeln konnten. Der Nachteil ist, dass die Rampe einem frühen Einzug der Seitenkästen im Weg steht. Das reduziert die segensreiche Wirkung des Flaschenhalses.

Da griff Red Bull-Designer Adrian Newey zu einem Trick. Er stanzte in Bodennähe zwei Löcher in die Seitenteile, durch die er die seitliche Strömung ins Innere absaugt. Die Luft tritt dann unter und über dem Diffusor wieder aus. Das kompensiert zum Teil die Verluste durch die verwässerte Flaschenhalsform. Adrian Newey ist natürlich schon wieder einen Schritt weiter. Über den Winter verkürzte er die Rampe indem er sie steiler machte. Dank kürzerer Seitenkästen kann er das Heck beim RB9 früher einziehen als beim alten RB8.

Red Bull besser beim Beschleunigen, McLaren beim Bremsen

Die beiden Konzepte haben einen massiven Einfluss auf das Fahrverhalten. In schnellen Kurven sind die Unterschiede minimal. Doch bei Lastwechseln verändern sich die Fahreigenschaften je nach Auspuffkonzept. Ross Brawn erklärt: "Die Red Bull-Lösung ist besser beim Beschleunigen, weil die Auspuffgase genauer und schneller zum Zielort gelangen. Wenn der Fahrer auf dem Gas steht, spürt er den Effekt dementsprechend besser."

"Das McLaren-System hat Vorteile beim Gaswegnehmen. Da reduziert sich die Intensität des Auspuffstrahls. Der Einfluss auf den Anpressdruck geht also zurück. Deshalb müssen der Flaschenhals und die natürliche Strömung ihre Funktion voll entfalten. Und weil der beim Red Bull weniger stark ausgeprägt ist, gibt es Probleme mit der Bremsstabilität."

Das ist auch der Grund, warum Sauber von der eigenen Idee wieder abgekommen ist und sich der McLaren-Fraktion angeschlossen hat. Das größte Problem des Sauber von 2012 war eine Instabilität am Kurveneingang. Dafür kopierte Lotus den Red Bull-Auspuff. Hier glaubt man die Nachteile im Griff zu haben und von der besseren Traktion zu profitieren.

Red Bull-Auspuff passt zu Vettel-Fahrstil

Böswillige werden behaupten, Red Bull habe einen Vettel-Auspuff gebaut. Red Bulls Auspufflösung hilft am Kurvenausgang, dort wo Mark Webber stärker ist. Der Australier profitiert also nur minimal von den Vorteilen. Er leidet aber mehr unter einem nervösen Fahrverhalten am Kurveneingang als Vettel. Das war auch einer der Gründe, warum Webber in der ersten Saisonhälfte 2012 so stark war. Da hatte Red Bull sein Auspuffsystem noch nicht so perfektioniert. Der entscheidende Fortschritt gelang in Valencia. Und da schwang das Pendel Richtung Vettel um.

Dass Webber in Silverstone gewonnen hat, widerlegt die These nicht. Silverstone ist die Strecke, auf der am wenigsten gebremst wird. Deshalb traten die Defizite dort auch kaum zutage. Der Fairness halber muss man sagen, dass Newey an der fehlenden Bremsstabilität gearbeitet hat. Dafür sprechen die verkürzten Seitenkästen und die Kanäle, die noch früher beginnen. Beides unterstützt die Flaschenhalsfunktion.

Ferrari präsentiert Zwischenlösung

Unter den Glaubensbrüdern von McLaren gibt es viele Spielarten. Das Vorbild verzichtet inzwischen ganz auf eine Beule im Seitenkästen. Der Schacht, in dem die Endrohre liegen, läuft zur Bodenplatte hin aus. Ferrari geht da den extremsten Weg. Die Technikertruppe von Pat Fry wärmte bei den Testfahrten die ersten Auspufflösung von 2012 noch einmal auf. Dabei wird die Ausbuchtung im Seitenkasten zu einer Art Rüssel.

So will Ferrari die Endrohre in die der Diffusorspalte nächstmögliche Position bringen. Weiter außen, weiter unten und weiter hinten geht nicht. Im letzten Jahr schlug der Versuch fehl, weil die Hinterreifen zu heiß wurden. Offenbar macht auch der zweite Anlauf Schwierigkeiten. Am dritten Testtag sah man bereits eine zivilere Variante dieser Spielart.

Mercedes, Force India und Marussia haben einen Ableger davon präsentiert. Es gibt jedoch einen Unterschied. Bei Mercedes und Force India geht der Rüssel hinten wieder in die Motorverkleidung über. Ferrari und Marussia öffnen die Beule hinter dem Auspuff und lassen dort die heiße Luft von den Kühlern ausströmen. 

Wir zeigen Ihnen in unserer Fotogalerie noch einmal alle Auspuffvarianten im Detail und erklären Ihnen Vor- und Nachteile.

Michael Schmidt

Autor

Foto

xpb

Datum

15. Februar 2013
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Videos
WGV Versicherungen
Wertvolles
günstig versichert!
Jetzt versichern und bares Geld sparen! Beitragsrechner
Vergleichen und Sprit sparen
Günstig tanken So finden Sie die günstigste Tankstelle

Jetzt vergleichen und Geld sparen!


Hier gibt es
Mehr tanken als kostenlose App
im Appstore herunterladen im Googleplay Store herunterladen
Anzeige
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle Tests +++
+++ Alle Erlkönige +++
+++ Alle News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

  • Alle Bereiche
  • News
  • Tests
  • Motorsport
  • Videos
  • Markt
  • Fahrzeuge
  • Ratgeber
AUTO MOTOR UND SPORT für:
iPad iPhone Android Windows 8