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Formel 1-Countdown 2010 - Lotus F1: Wiedergeburt des Traditionsrennstalls

Jarno Trulli

Wie Virgin Racing ist Lotus einer der F1-Neulinge, die 2010 ins kalte Wasser springen. Aber mit Mike Gascoyne steht ein erfahrener Mann hinter dem Team, das an die Lotus-Tradition anknüpfen will. Wir sagen Ihnen, wie die Chancen dazu stehen.

Von Lotus ist nur der Name und das Firmenlogo. Keiner aus dem Team, bei dem 1994 aus Geldmangel der Stecker gezogen wurde, ist noch dabei. Immerhin, die neue Fabrik in Hingham ist nur einen Steinwurf von der alten in Ketteringham Hall entfernt. Aber mittelfristig soll das ganze Team nach Kuala Lumpur abwandern. Weil die Investoren in Malaysia sitzen, und weil der Name Lotus inzwischen dem malaysischen Autokonzern Proton gehört.

Bei der Fahrerwahl setzt Lotus auf Erfahrung

Ob Lotus-Gründer Colin Chapman damit zufrieden wäre? Sein Sohn Clive identifiziert sich mit dem Projekt. Als das neue Auto erstmals auf den Rädern stand, weilte er in der Fabrik. Technikdirektor Mike Gascoyne wischt Bedenken der Traditionalisten weg. "Wenn wir gewinnen, wird das der 80. Sieg für Lotus sein."

Teamchef Tony Fernandes, Besitzer der Fluglinie Air Asia, hat sich bei den Fahrern nicht auf halbe Sachen eingelassen. Mit Jarno Trulli und Heikki Kovalainen sitzen 268 Grand Prix Erfahrung in den Cockpits. Kovalainen geht realistisch in das Abenteuer: "Ich bin bereit, ganz unten anzufangen, glaube aber, dass wir das beste der neuen Teams werden können. Wir müssen die Leute davon überzeugen, dass wir ein seriöses Team mit Perspektiven sind." Ersatzfahrer ist der Malaysier Fairuz Fauzy, der mit seiner Nationalität perfekt ins Team passt.

Verspäteter Start der Entwicklung des Lotus T127
 
Erst am 14. September nahm Gascoyne die Arbeit mit vier Ex-Toyota-Ingenieuren auf. Am 23. Januar war das erste Chassis fertig. Die Design-Enklave in Köln wuchs bis auf 35 Mitarbeiter an. Im Oktober wurde das Licht im Aerolab-Windkanal in Bologna angedreht. "Mangels Zeit habe ich ein Auto nach den gängigen Designtrends gebaut. Da alle drei Projektleiter bei Toyota gearbeitet haben, ist es von der Toyota-Philosophie stark beeinflusst", erklärt Gascoyne.
 
Das konservative Design und das erfahrene Personal hat sich bereits bezahlt gemacht: Obwohl Lotus die Testarbeit erst eine Woche nach Neueinsteiger-Konkurrent Virgin Racing beginnen konnte, kämpft man nicht mit so vielen Kinderkrankheiten wie die Mannschaft rund um Timo Glock.

Bei den Testfahrten in Barcelona war Lotus schneller als Virgin Racing
 
In Barcelona lieferte man außerdem Zeiten ab, die rund eine Sekunde besser waren, als die von Virgin. Doch was zählt, ist die Position im gesamten Feld und da fehlten den Newcomern noch immer 4,5 Sekunden auf die Bestzeit von McLaren. Gascoyne hofft diesen Rückstand bis Bahrain noch einmal um eine Sekunde zu verringern.
 
Zurzeit arbeiten 140 Leute in der Produktion, 50 im Windkanal und 35 im Designbüro, das Schritt für Schritt nach England verlagert wird. Das Team ist neu, sein Personal nicht. "Unsere Ingenieure und Mechaniker haben bis zuletzt bei anderen Teams gearbeitet. Da gibt es keine Zeit der Eingewöhnung." Der Name Lotus verpflichtet. "Wir können nicht drei Sekunden hinterherfahren."
 
Prognose: Das erklärte Ziel vor Virgin zu landen, scheint momentan realistisch. Bei den Testfahrten hat Lotus mit dem T127 trotz kürzerer Entwicklungszeit eindeutig eine bessere Figur abgegeben. Nutzt Gascoyne die Zeit bis zum Saisonstart in Bahrain intensiv, kann der Rückstand zum Mittelfeld noch weiter reduziert werden. Mit Heikki Kovalainen und Jarno Trulli hat das Team zudem zwei Fahrer an Bord, von deren Erfahrung Lotus im Laufe der Saison noch weiter profitieren sollte.

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Bianca Leppert / Michael Schmidt

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Virgin VR01 Wie schneidet Lotus in der ersten Saison ab?
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