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Formel 1 Helme

Der Mann der Helme

Formel 1 Helme 2010 Foto: Bianca Leppert 24 Bilder

Peter Bürger ist seit 14 Jahren Teil des Formel 1 Zirkus. Eine seiner Aufgaben: Helme putzen. Der Servicemann von Helmhersteller Arai hat aber noch weitaus mehr Aufgaben und ist den Fahrer so nah wie kaum ein anderer.

27.05.2010 Bianca Leppert

Peter Bürger hält sein Ticket an die Tür des Force India Trucks und schwupps öffnet sich die Tür. Vor ihm ein Regal mit vier Helmen von Adrian Sutil. Heiligtümer für die Piloten: "Der Helm ist das einzige persönliche Teil für den Fahrer im Auto", meint Bürger. Sein Job ist es dieses Heiligtum immer in Schuss zu halten. Bürger ist der verlängerte Arm im Fahrerlager von Helm-Hersteller Arai. Zwölf Fahrer aus dem aktuellen Formel 1-Starterfeld vertrauen auf die japanische Marke, wenn es um den Schutz ihres Kopfes geht.

Peter Bürger bereitet die Formel 1-Helme vor

Bürger kümmert sich darum, dass die Helme stets vorbereitet sind. "Dazu gehört auch das Putzen", erklärt er. "Das mag zwar nicht sonderlich spannend klingen, gehört aber dazu." Als er am Donnerstagmittag mit seiner Arbeit beginnt, steht der verdreckte Helm aus Monaco von Adrian Sutil als Erstes auf dem Programm. "Beim Putzen kontrolliere ich auch gleich alles. Zum Beispiel ob sich etwas gelockert hat oder etwas beschädigt ist. Das ist vergleichbar mit dem Abtasten beim Arzt", erklärt Bürger.

Neben dem Putzen und der Kontrolle ist der Arai-Mann aber auch dafür zuständig, den Trinkschlauch und den Funk einzubauen sowie den Helm auf die entsprechende Trainingssitzung oder das Rennen vorzubereiten. Dazu gehört zum Beispiel die Wahl des richtigen Visiers. "Es gibt für jede Wettersituation unterschiedliche Visiere. Zum Beispiel für sonniges Wetter wie hier in Istanbul ein schwarzes Visier. Für kalte Regentage haben wir sogar ein elektrisch beheizbares Visier."

Die Helme müssen die Formel 1-Fahrer nicht selbst bezahlen

An jedem Rennwochenende hat jeder Fahrer rund drei Helme dabei. Jeder ist für eine unterschiedliche Wettersituation vorbereitet. Deshalb ist auch das Regal mit Sutils Helmen gut gefüllt. Kaufen müssen sich die Piloten die inklusive Lackierung rund 5.000 Euro teuren High-Tech-Helme nicht. Arai sponsert seinen Kunden rund acht bis zehn Helme im Jahr mitsamt dem Service und Ersatzteilen.

Ersatzteile für einen Helm? Wer an einen herkömmlichen Kopfschutz zum Motorradfahren denkt, kann sich vielleicht nicht vorstellen, was das bedeuten soll. Bei den Formel 1-Helmen gibt es davon aber jede Menge. Zum Beispiel die Flügel, die zusätzlich angebracht werden können. "Die Flügel sind essentiell wichtig", erläutert Bürger." Denn wenn die Luft über das Auto und den Helm in Richtung Airbox strömt, wird der Helm nach oben gesogen. Und je schneller die Strecke ist, desto mehr Sog entsteht." Abhilfe schaffen dann ein Flügel auf der Oberseite und in Höhe des Kinns, die den Kopfschutz mit ihrer Wirkung wieder nach unten drücken.

In Istanbul kommt die Variante für schnelle Streckencharakteristiken zum Einsatz. Dabei fährt aber keineswegs jeder Pilot mit genau der gleichen Flügelkombination. "Das ist abhängig von der Größe des Fahrer und wie hoch er im Cockpit sitzt. Auch die Aerodynamik des Autos spielt eine Rolle. Es gibt rund sechs verschiedene Kombinationsmöglichkeiten."

Ein Formel 1-Helm ist ein High-Tech-Produkt

Die Schale des Helms besteht wie seit 2004 vorgeschrieben aus Karbon. Darunter sitzt eine Schicht aus Polyesterol-Schaum und ein feuerfestes Innenfutter. Außerdem befindet sich der Trinkschlauch und die Funkanlage im Helm. Eine Klimaanlage für so heiße Rennen wie in der Türkei gibt es allerdings noch nicht. Viele große Öffnungen sind auch nicht die Lösung, denn dann strömt die heiße Luft in den Helm und der Fahrer fühlt sich wie unter einem Haartrockner. "Stattdessen gibt es ein Lüftungssystem mit einer Kinnbelüftung, drei Eintrittsöffnungen in Höhe der Stirn und zwei Austrittslöcher am Hinterkopf, durch die die Luft durch Unterdruck wieder rausgesaugt wird."
 
Bürger ist mittlerweile ein echter Profi. Seit 14 Jahren hat er kein Rennen verpasst. Mit den Fahrern spricht er fast stündlich. Seine Schäfchen und ihre Wünsche weiß er mittlerweile genau einzuschätzen. Sebastian Vettel kennt er seit zehn Jahren.

Aber wird die Arbeit da auch nicht irgendwann eintönig? Ans Aufhören hat Bürger nur einmal nach drei Jahren gedacht, dann aber doch weitergemacht. "Ich dachte darüber nach, ob es nun wirklich die Erfüllung ist, Helme zu putzen und in Stand zu halten", meint Bürger. "Aber dann habe ich mir noch mal bewusst gemacht, was das für ein toller Job in der Formel 1 ist. Die Chance in so einem High-End-Bereich zu arbeiten, hat nicht jeder. Aber man braucht eben die Faszination und Leidenschaft dazu." Die hat Peter Bürger nach mehr als 14 Jahren immer noch. Selbst zum Helme putzen.

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