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Formel 1 GP Monaco 2012 (Analyse)

Reifen wieder mit Überraschungsfaktor

Pedro de la Rosa - GP Monaco 2012 Foto: xpb 57 Bilder

In unserer Rennanalyse beantworten wir die letzten offenen Fragen vom GP Monaco. Hätte Mercedes gewinnen können? Was war besser: Start auf soft oder supersoft? Und wie vergeigten die Ferrari-Strategen Fernando Alonso den Sieg? Hier erfahren Sie es.

27.05.2012 Tobias Grüner

Hätte Mercedes gewinnen können?

Nico Rosberg hatte nach eigener Aussage "das beste Auto im Feld". Der Shanghai-Sieger glaubt, dass er Mark Webber hätte davonfahren können. Doch da muss er vorsichtig sein. Webber fuhr nur so schnell, wie er musste. Er wusste, dass Sebastian Vettel auf einer anderen Strategie sein würde, und er kannte ungefähr die Pläne seines Teamkollegen. Dazu musste er die superweichen Reifen so lange wie möglich am Leben erhalten. Ein früher Stopp hätte die Fahrer des Spitzenpulks in den Verkehr geworfen und Vettel alle Karten in die Hände gespielt.

Der Knackpunkt war Paul di Resta. Der Schotte war wie Vettel auf den härteren Reifen gestartet. Auch er blieb sechs Runden länger als der Spitzenpulk auf der Strecke. Also musste Webber warten, bis der Vorsprung auf di Resta groß genug war. Andererseits konnte er nicht blind attackieren. Sonst wären die Superkleber von Pirelli zu früh eingebrochen. In dieser Hinsicht ist er meisterlich gefahren.

Der frühe Boxenstopp von Rosberg war eine Verzweiflungstat. Normalerweise bringen frische Reifen schnellere Rundenzeiten. Doch diesmal misslang der Trick. Weil die Asphalttemperaturen sanken, dauerte es bis zu zehn Runden, bis die härteren Reifen auf Betriebstemperatur kamen. Webber war mit alten Supersoft-Reifen schneller unterwegs als Rosberg mit frischen Soft-Sohlen.

Was war besser: Start mit soft oder supersoft?

Fünf Fahrer gingen mit den härteren Reifen ins Rennen: Sebastian Vettel, Paul di Resta, Jenson Button, Vitaly Petrov und Pedro de la Rosa. Prinzipiell zahlte sich die Strategie aus. Sebastian Vettel sprang von Platz 9 auf Rang 4, Paul di Resta von Platz 14 auf Rang 7.

Bei Jenson Button funktionierte der Trick nicht, weil er beim Start auf Platz 14 abrutschte und das ganze Rennen hinter Heikki Kovalainen festhing. Damit saß Button in der Falle. McLaren konnte ihn nicht durch einen frühen Boxenstopp aus dem Verkehr manövrieren, denn der Supersoft-Reifen hatte eine Lebensdauer von maximal 40 Runden. Er musste also mindestens bis Runde 38 durchhalten.

Dass ein früher Stopp bei gleicher Taktik durchaus funktionieren konnte, führte Toro Rosso vor. Jean-Eric Vergne stoppte in Runde 17, Daniel Ricciardo in Runde 40. Vergne überholte so seinen Teamkollegen. Vergne startete allerdings auf supersoft und wechselte auf soft.

Hat Ferrari Alonso den Sieg gestohlen?

Fernando Alonso hatte den Speed, durch den späteren Boxenstopp Lewis Hamilton von Platz drei zu verdrängen. Nur eine Runde lag zwischen den Boxenstopps der beiden. In dieser Zeit drehte der Spanier die schnellste Runde. Das war möglich, weil Alonso in den ersten 17 Runden bewusst langsam gefahren war. So langsam, dass sich Teamkollege Felipe Massa am Funk schon beschwerte. Sein Renningenieur Rob Smedley belehrte ihn: "Fernando schont seine Reifen. Das solltest du auch tun."

Alonso war sich sicher, dass er noch zwei oder drei weitere heiße Runden hätte drehen können. So wäre er an Rosberg, vielleicht sogar an Webber vorbeigekommen. "Hinterher bist du immer schlauer", zuckte der Ferrari-Pilot mit den Schultern. Ferrari redete sich damit heraus, dass die Pirelli-Reifen eine Wundertüte sind. "Sie hätten auch von einer Runde auf die andere einbrechen können, und dann hätten wir den Platz an Hamilton wieder abgegeben", verteidigte sich Technikchef Pat Fry.

Was war mit Lotus los?

Den Lotus war es zu kalt. Während des Rennens sank die Asphalttemperatur von 38 auf 27 Grad. Das ist tödlich für die schwarzen Autos. Wenn schon die anderen Mühe haben, die härteren Reifen auf Temperatur zu bringen, dann wiegt das beim reifenschonenden Lotus doppelt schwer. Komischerweise waren die extraweichen Reifen keine Hilfe. Im Gegenteil: Als sich nach 15 Runden die obere Gummischicht abgerubbelt hatte, fielen Kimi Räikkönens Rundenzeiten in den Keller. Die Supersoft-Kleber verloren ihren ganzen Extragrip.

Wie kam Paul di Resta vor Nico Hülkenberg?

Force India splittete die Taktik. Paul di Resta startete auf soft, Nico Hülkenberg auf supersoft. Man fragt sich, warum nur der Rennstall aus Silverstone auf diese Strategie gekommen ist. Die Plätze 7 und 8 gaben Force India Recht. Doch wie kam es zu dem Platztausch der Teamkollegen? Hülkenberg fuhr ein starkes Rennen. Die ersten 22 Runden hielt er den Anschluss an die Spitzengruppe. Immer im Windschatten von Michael Schumacher. Dann mussten die beiden abreißen lassen, weil vor ihnen Kimi Räikkönen immer langsamer wurde.

In der entscheidenden Rennphase unterlief den Strategen von Force India ein grober Fehler. Sie holten Hülkenberg gleichzeitig mit Räikkönen in der 29. Runde an die Box. So kam er wieder hinter dem Finnen auf die Bahn. Eine Runde mehr, und er hätte den Lotus durch den späteren Stopp geknackt. Erst in der 34. Runde kam Hülkenberg an der Straßensperre vorbei. Zu spät. Di Resta hatte in der Zwischenzeit so viel Zeit gutgemacht, dass er mit seinem Stopp in Runde 35 wieder vor dem Teamkollegen auf die Strecke kam.

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