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Formel 1 immer teurer

Schlagschrauber und Wagenheber-Wahnsinn

Red Bull Boxenstopp-Training - GP Singapur Foto: ams 12 Bilder

Die Teams reden vom Sparen, doch sie geben immer mehr Geld aus. Mehr Testfahrten, mehr Trainingszeit, mehr Investitionen bei der Boxenstopp-Ausrüstung. Keiner wirft den Anker. Bei den kleinen Teams geht der Verdacht um, dass sie die großen gegen die Wand drücken wollen, um Kundenautos durchzusetzen.

30.09.2013 Michael Schmidt

Beim Geldsparen stellt sich die Formel 1 immer noch taub, obwohl manchem das Wasser bis zum Hals steht. Im nächsten Jahr gibt es acht zusätzliche Testtage während der Saison. Dazu vielleicht noch vier Reifen-Tests. Das alles im Austausch gegen weniger Windkanalzeit und CFD-Nutzung.

Doch das ist eine Augenwischerei. Für zusätzliche Testfahrten müssen die Teams neue Leute einstellen, weil der mit 22 Rennen ohnehin schon volle Kalender das Personal an seine Grenzen treibt. Für die großen Teams ist es kein Problem, eine eigene Testtruppe zu installieren. Für die kleinen schon.

Sauber, Force India, Williams, Caterham und Marussia können vermutlich nicht einmal alle Testtage wahrnehmen. Und rutschen dadurch noch weiter ab. Ob der Windkanal 50, 60 oder 70 Stunden die Woche läuft, hat auf die Belegschaft keinen Einfluss. Sie ist bereits vorhanden.

Keine Einigung für Sparanträge

Auch bei Kleinigkeiten versäumt es die Formel 1 Kosten zu reduzieren. Als Lotus Anfang des Jahres den Antrag stellte, den Druck in den Schlagschraubern auf 20 bar zu beschränken, gab es Gegenstimmen. Einige Teams modifizieren ihre Schlagschrauber so, dass sie mit Drücken von bis zu 40 bar die Radmuttern auf die Achsen hämmern.

Ferrari fragte bei der FIA an, ob man nicht die vernetzten Fahrwerke verbieten könne. Mittlerweile hat sie jeder, und ihr Service kostet rund 300.000 Euro pro Jahr. Auch hier fehlte für ein Verbot die nötige Einstimmigkeit. Weil einige darin einen Wettbewerbsvorteil sehen.

100.000 Euro für Wagenheber-Wahnsinn

Der jüngste Streit entzündete sich an der Boxenstopp-Ausrüstung. Die Top-Teams rüsten auch auf diesem Gebiet weiter auf als gäbe es kein Morgen. Inzwischen gibt es Wagenheber, die über ein Signal mit den vier Schlagschraubern verbunden sind. Wird an allen vier Ecken grün gedrückt, senkt sich das Auto automatisch ab.
 
Der Fahrer schaut gar nicht mehr auf die Ampel, sondern in den Spiegel. Sobald er merkt, dass sein Fahrzeug auf dem Weg nach unten ist, legt er den ersten Gang ein und gibt Gas. Teilweise sind die Hinterräder noch in der Luft. Der automatisierte Ablauf bringt eine halbe Sekunde, kostet aber 100.000 Euro. Zu viel für Teams wie Sauber, Force India und Williams.
 
Bis jetzt haben sich nur Red Bull, Ferrari und Mercedes den teuren Spaß geleistet. McLaren hatte ihn, operiert zur Zeit allerdings manuell. Force India-Teammanager Andy Stevenson klagt: "Wenn keiner diese Wagenheber hat, sind halt alle Boxenstopps um eine halbe Sekunden langsamer. Wen stört das?"

Mosley kritisiert Entwicklung

Es entsteht der Eindruck, dass die großen Teams nur darauf hinarbeiten, dass den kleinen die Luft ausgeht. Sie wollen die kleinen Rennställe vor vollendete Tatsachen stellen, damit der Widerstand gegen Kundenteams bricht. Nur weil sie eine Kostendeckelung scheuen. Sie wollen ihre großen Mannschaften nicht abbauen und ihre Werkzeuge voll auslasten.

Eine kurzsichtige Ansicht, findet der frühere FIA-Präsident Max Mosley: "Die drei Teams mit großen Budgets halten sich so lästige Konkurrenz vom Hals. So haben sie nur zwei echte Gegner. Bei einer Kostendeckelung wären alle elf Teams Rivalen. Man hat das Punktesystem auf die ersten Zehn erweitert, um den kleinen Teams ein paar Almosen zu geben. Wenn wir Kundenteams einführen, werden selbst einige große Teams leer ausgehen. Und den gleichen Tod sterben wie vorher die kleinen."

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