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Formel 1 in der Krise

Wie lange überlebt die Formel 1?

Glock GP England F1 Crashs 2012 Foto: xpb 25 Bilder

Man muss sich um die Formel 1 Sorgen machen. HRT ist bereits ausgestiegen. Caterham und Marussia können nur noch mit Bezahlfahrern überleben. Das kostet Piloten wie Timo Glock oder Heikki Kovalainen den Job. Die Königsklasse kränkelt. Der Sport muss sich fragen, wie er langfristig überleben will.

22.01.2013 Michael Schmidt

Es war noch nie ein gutes Zeichen, wenn Mitte Januar drei Cockpits in der Formel 1 noch nicht vergeben sind. Bei Force India, Caterham und Marussia steht die Bestätigung des zweiten Fahrers noch aus. In mindestens zwei Fällen geht es darum, den Fahrer zu finden, der zusätzlich zur größten Mitgift noch den besten Speed hat. Wir reden dann von Piloten der Güteklasse Giedo van der Garde, Luiz Razia, Davide Valsecchi, Narain Karthikeyan oder einen, an den im Moment noch keiner denkt.

Vitaly Petrov und Bruno Senna haben Sponsoren im Gepäck, die Frage ist nur, ob die auch für Teams wie Caterham oder Marussia ihre Millionen auspacken. Immerhin haben die beiden ihre Formel 1-Reife schon bewiesen. Für andere gilt die Formel: Kein Geld, kein Cockpit. Timo Glock, Heikki Kovalainen, Kamui Kobayashi, Sebastien Buemi, Jaime Alguersuari oder Rubens Barrichello schauen zu.

Bezahlfahrer als Vorboten einer Krise

Mit Charles Pic und Max Chilton haben sich bereits zwei Fahrer ihren Arbeitsplatz gekauft. Im weitesten Sinne kam auch Esteban Gutierrez wegen finanzieller Überlegungen zu seinem Job. Sauber verpflichtete den Mexikaner, weil das die mexikanischen Sponsoren des Teams bei Laune hält.

Wenn Bezahlfahrer hoch im Kurs stehen, ist der Sport krank. Meistens sind das Vorboten einer größeren Krise. Anfang der 90er Jahre gab es bis zu 18 Teams in der Formel 1. Ein Drittel von ihnen überlebte nur, weil die Fahrer Geld mitbrachten. War das verbraucht, kam der nächste.

Irgendwann ging selbst diese Rechnung nicht mehr auf. 1994 schrieben sich nur noch 14 Teams in die Weltmeisterschaft ein. 1998 hatte sich die Formel 1 auf elf Teams gesundgeschrumpft.

Zwei Mal hat sich die Formel 1 selbst gerettet

Bei einem Fundus von 18 Rennställen kann man getrost auf ein paar verzichten. Sinkt die Zahl unter zwölf wird es kritisch. In den letzten zehn Jahren musste die Formel 1 zwei Mal eine solche Phase überstehen. Zwischen 2004 und 2006 verschwanden fünf Teams. Der Zufall wollte es so, dass genug Übernahmekandidaten bereitstanden. Honda schluckte BAR, BMW übernahm Sauber, Red Bull hielt Jaguar und Minardi am Leben, und ein russischer Stahlhändler namens Alexander Shnaider führte das Jordan-Team weiter.

Doch so viel Glück hat man nicht immer. Zwischen 2008 und 2010 musste sich der Zirkus schon eine Notlösung basteln, um die Verluste auf der Herstellerseite zu verkraften. Innerhalb eines Jahres zogen sich Honda, BMW, Toyota und Renault werksseitig zurück. Renault wurde privatisiert. BMW ging an Sauber zurück. Honda bezahlte Ross Brawn ein Übergangsjahr, und der Verlust von Toyota wurde durch die Neulinge Lotus, Virgin und Hispania kompensiert.

Man hatte sie allerdings mit falschen Versprechungen in die Formel 1 gelockt. FIA-Präsident Max Mosley sicherte den Einsteigern eine Budgetdeckelung zu, konnte aber sein Versprechen nicht halten, weil sich die anderen Teams das Geldausgeben nicht verbieten lassen wollten.

Böses Erwachen mit der Turbo-Ära

Jetzt steht der Sport erneut vor einer kritischen Phase. Vielleicht seiner schwierigsten überhaupt. HRT hat bereits aufgegeben. Ersatzlos. Marussia und Caterham kämpfen ums Überleben. Wenn man Timo Glock und Heikki Kovalainen gegen Paydriver austauschen muss, dann ist der Anfang vom Ende schon erreicht. Da wird nicht einer gesucht, der fünf Millionen Dollar im Gepäck hat, sondern mindestens das Doppelte.

Doch wie lange hält das an? Man kann jetzt bereits Wetten abschließen, dass wir diese beiden Teams 2014 nicht wiedersehen. Mit dem Beginn der Turbo-Ära droht noch anderen Teams ein böses Erwachen. Dann werden die Motoren nicht mehr acht sondern 18 oder 21 Millionen Euro pro Jahr kosten. Dann kann es auch für Williams, Sauber und Force India eng werden. Bei den großen Teams hat man den Ernst der Lage noch immer nicht begriffen. Die Bereitschaft zum Sparen hört dann auf, wenn sie eigene Interessen tangiert.

Die Formel 1 ist ein Monster

Diesmal zeichnet sich kein Ersatz am Horizont ab. Trotz der neuen Turboformel schreien die Hersteller nicht gerade Hurra. Die meisten haben fürs Erste von der Formel 1 die Nase voll. Vielleicht kommt Honda zurück, aber dann nur als Motorenlieferant. Möglicherweise bringt der VW-Konzern unter einem seiner Markennamen bis 2016 ein eigenes Team an den Start. Wenn es die Formel 1 bis dahin in ihrer heutigen Form überhaupt noch gibt.

Den Einstieg eines neuen Privatteams kann man abhaken. Caterham, Marussia und HRT sind ein abschreckendes Beispiel. Trotz großer Anstrengungen haben sie innerhalb von drei Jahren nicht den Anschluss geschafft. Weil es gar nicht mehr möglich ist. Die Formel 1 ist ein hochtechnisiertes Monster geworden. Nur noch Hersteller können aus dem Stand ein Auto bauen, das mitfährt. Vom Gewinnen wollen wir gar nicht reden.

Kein Rennstall aus der GP2 oder der Renault-Weltserie darf davon träumen, jemals den Aufstieg in die Königsklasse zu schaffen. Da fehlt es an der Basis. Windkanal, Fahrsimulator, Prüfstände, Autoklaven, Hochleistungsrechner - wir sprechen von Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe.

Erster Schritt zur Einheitsformel

Damit wird bald wieder der Lieblingsvorschlag von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo die Runde machen. Die großen Rennställe leisten sich ein B-Team. Di Montezemolo zum Beispiel schwebt vor, zwei Autos an einen amerikanischen Rennstall zu verleasen. Der müsste dann nur die Einsatzkosten bezahlen.

Doch wie lange geht das gut? Wenn Ferrari, Red Bull, McLaren und Mercedes mit je vier Autos antreten, bleibt für Force India, Sauber, Williams und Toro Rosso nichts mehr übrig. Sie könnten dann nur noch überleben, wenn sie selbst ein B-Team werden. Bei sechs Herstellern und sechs Kunden braucht es nur ein bisschen Mathematik um zu begreifen, dass wenigstens zwei Hersteller und ihre Satelliten in die Röhre schauen, weil es nur für zehn Fahrer Punkte gibt.

Für die andere Fraktion mit insgesamt acht Autos geht die Rechnung dann nicht mehr auf. Sie müssten bei den erfolgreicheren Herstellern Schlange stehen, um von dort ein Kundenauto zu bekommen. Zum Schluss bleiben zwei oder drei Chassisproduzenten übrig. Und am Ende gibt es eine Einheitsformel. Wir haben alles schon erlebt. Die Formel 2 und IndyCar sind warnende Beispiele.

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