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Formel 1: Red Bull

Ist Red Bull irgendwie zu schlagen?

Sebastian Vettel Foto: Red Bull 30 Bilder

Sechs Pole Positions in sechs Rennen sind eine klare Ansage. Red Bull hat das schnellste Auto im Feld. Gerätselt wird über den tatsächlichen Vorsprung. Er ist im Training größer als im Rennen. Und er ist nicht so groß wie in Barcelona, aber auch nicht so klein wie in Bahrain.

21.05.2010 Michael Schmidt

Eine Konstante gibt es in dieser Saison. Ein Red Bull steht auf der Pole Position. Drei von sechs Mal okkupierten gleich beide Red Bull die erste Startreihe. Mit unterschiedlich großem Vorsprung. Am knappsten war es beim Saisonauftakt in Bahrain. Sebastian Vettel und Fernando Alonso trennten nur 0,141 Sekunden. Umgerechnet auf den Kilometer war das ein Vorsprung von 0,022 Sekunden. Also ein Wimpernschlag.

Red Bull hat den größten Sprung in der Entwicklung gemacht

Mark Webbers Bestzeit in Malaysia mit 1,346 Sekunden Vorsprung auf Platz zwei ist für eine Analyse nicht repräsentativ. Der Australier düpierte auf abtrocknender Strecke alle Gegner mit einer anderen Reifenwahl. Somit haben die Red Bull in Barcelona ihre bislang überlegenste Vorstellung geboten. Webbers Pole Position lag um 0,834 Sekunden unter der Zeit von Lewis Hamilton. Das entspricht einem Vorteil von 0,179 Sekunden pro Kilometer.
 
Barcelona fiel mit dem Debüt der C-Version des Red Bull RB6 zusammen. Es ist die extremste Auslegung eines Erfolgskonzepts. Beim Schaulaufen der ersten großen Ausbaustufen hat Adrian Neweys Konstruktionsbüro den größten Sprung geschafft. Demoralisierend für all jene, die den Vorsprung verkürzen wollten. Monte Carlo passt da durchaus ins Bild, obwohl der Stadtkurs vom Layout her das glatte Gegenteil von Barcelona ist. Webber stellte sein Auto mit einem Polster von 0,294 Sekunden auf Robert Kubicas Renault auf Startplatz eins. Auf der kürzesten GP-Strecke im Kalender bedeutet das einen Vorteil von immerhin 0,088 Sekunden pro Kilometer. Da in Monte Carlo der mechanische Grip mindestens gleich wichtig ist wie die Aerodynamik, zeigt das die Allroundqualitäten des RB6. Er ist nicht nur aerodynamisch die Nummer eins.

F-Schacht wird nur wenig Einfluss auf das Kräfteverhältnis in der Formel 1 haben

Der wahre Vorsprung liegt etwa in der Mitte von Barcelona und Monte Carlo. Also bei 0,133 Sekunden. Legt man diesen Maßstab auf die 5,338 Kilometer lange Strecke von Istanbul an, dann müsste Red Bull am kommenden Wochenende in der Startaufstellung zum GP Türkei einen Abstand von 0,709 Sekunden zum besten Verfolger haben. Vorausgesetzt, keiner bewegt sich nach vorne.
 
Der vielzitierte F-Schacht wird auf das Kräfteverhältnis nur einen geringen Einfluss haben. Lediglich McLaren wird im Vergleich zu Konkurrenz etwas an Boden verlieren, weil der Trumpf der Erfinder des Systems immer kleiner wird, je mehr Gegner den Trick kopieren. Red Bull will damit in Istanbul debütieren. Das wird den Topspeed steigern, doch die anderen bewegen sich auch nach vorne. Ferrari zum Beispiel, die in Barcelona schon einmal mit dem System gefahren sind, sich aber ein Eigentor geschossen hatten, weil es nicht funktionierte und in den schnellen Kurven Abtrieb gekostet hat.

Nur der Defektteufel könnte Red Bull stoppen

Bei der Analyse der Rundenzeiten fällt auf, dass Red Bull im Training überlegener ist als im Rennen. Das hat zwei Gründe. Bei den Rennen, die Mark Webber und Sebastian Vettel bis zum Schluss anführten, bestand keine Notwendigkeit mehr, in den letzten Runden aufs Tempo zu drücken. Hätten die beiden es immer darauf angelegt, hätten sie mit Ausnahme von Shanghai auch jedes Mal die schnellste Rennrunde gedreht. So wie Vettel in Monte Carlo.

Der kleine Trostpreis war dem Deutschen wichtig. Der zweite Grund hat einen technischen Hintergrund. Lewis Hamilton erklärt ihn: "Kein anderes Auto generiert mit wenig Benzin an Bord so effizient Reifentemperaturen. Bei uns geht das erst mit genügend Sprit im Tank. Dann lässt das Gewicht die Reifen arbeiten. Sind die Reifen dann im optimalen Arbeitsbereich, sind wir auch näher an den Red Bull dran."
 
Der Vorsprung von Red Bull ist nicht über Nacht aufzuholen. Ferrari, McLaren, Mercedes und Renault müssen hoffen, dass die WM-Spitzenreiter in den nächsten Rennen wieder über die eigenen Füße stolpern. Sprich, dass der Defektteufel zuschlägt. Die Standfestigkeit ist der einzige wunde Punkt der dunkelblauen Autos. Und Red Bulls Gegner müssen auf den Rennstrecken zuschlagen, auf denen die neue Macht der Formel 1 nur bedingt von ihrem technischen Vorsprung zehren kann. Stop-and-Go Kurse mit einem hohen Anteil an Geraden wie Montreal, Valencia, Hockenheim, Monza oder Singapur.
 
Ferrari-Rennleiter Stefano Domenicali sieht noch nicht schwarz: "Wir haben in der WM nur 20 Punkte Rückstand auf die Red Bull, bei Alonso sind es sogar nur drei Zähler. Das ist angesichts der Überlegenheit der Red Bull ein gutes Zwischenergebnis." Ferraris Capo weiß aber auch, dass er sich nicht ewig auf Pannen beim Rivalen verlassen kann. "Wir müssen unser Entwicklungstempo steigern."
 
In die gleiche Kerbe schlägt Martin Whitmarsh: "Wir halten an unserem Prinzip fest: Jedes Rennen etwas Neues. Demnächst kommen einige größere Entwicklungsschritte. In unserem Auto steckt noch viel Potenzial." Red Bull-Teamchef Christian Horner blieb trotz des Doppelsieges von Monte Carlo auf dem Teppich: "Das dümmste wäre jetzt, sich selbstzufrieden zurückzulehnen. Wir müssen wachsam bleiben. Die Konkurrenz schläft nicht."

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