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Formel 1-Krisengipfel

Howett spielt den Brandstifter

FOTA-Sitzung Foto: FOTA 32 Bilder

Die Sitzung der Formel 1-Teamchefs mit FIA-Präsident Max Mosley und Bernie Ecclestone am Freitag (15.5.) in London verlief bei weitem nicht so harmonisch wie es den Anschein hatte. Es kam zu mehreren Eklats.

16.05.2009 Michael Schmidt

Es war ein Treffen in zwei Teilen. Um 11.00 Uhr vormittags trafen sich die zehn Teamchefs in einem Hotel am Londoner Flughafen Heathrow. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo ließ sich durch Teamchef Stefano Domenicali vertreten. Sein Vater war am Vortag gestorben.
 
Schon bei dem FOTA-Treffen ging es heiß her. Toyota-Teamchef John Howett, Flavio Briatore und Stefano Domenicali wollten die restlichen Teams auf eine Linie einschwören. Tenor: Wir sprechen mit einer Stimme, und wenn Max Mosley anfängt über ein Budgetlimit zu sprechen, stehen wir auf und verlassen den Saal. Williams-Geschäftsführer Adam Parr, Ross Brawn und Force-India-Chef Vijay Mallya wiesen diesen Vorschlag zurück. Sie stellten sich auf den Standpunkt: Lasst uns anhören, was Max zu sagen hat. Deshalb wurde dieses Treffen einberufen. Wir sind hier, um Rennautos zu bauen und an den Start zu bringen und nicht um Politik zu machen.

Toyota, Renault und Ferrari destruktiv

Solchermaßen gespalten traf man sich drei Stunden später Mit Max Mosley und Bernie Ecclestone zum vermeintlichen Showdown. Mosley eröffnete das Treffen mit einem überraschenden Angebot: "Im Sinne einer einvernehmlichen Lösung mache ich euch ein Angebot. Wir geben die Idee einer zweigeteilten Meisterschaft auf. Sie wurden ohnehin nur ins Leben gerufen, um neue Teams anzulocken. Wir überlassen die Überprüfung der Finanzflüsse in den Teams einer Spezialfirma (Deloitte). Die FIA wird sich nicht einmischen. Und wir sind bereit, die Budgetgrenze schrittweise einzuführen, wenn es dafür vernünftige Vorschläge gibt. Sollten wir alles unter einen Hut bringen, wäre die FIA bereit, das Concorde Abkommen auf der Basis von 1998 bis 2012 zu verlängern.

Toyota-Teamchef John Howett ließ daraufhin seine Maske fallen. Bislang hatte sich der ehemalige Gebrauchtwagenhändler eher moderat zu einem Budgetlimit geäußert. Doch Toyota hat am meisten zu verlieren. Die Kölner Truppe müsste ihr gegenwärtiges Budget um vier Fünftel kürzen, um auf 40 Millionen Pfund zu kommen. Howett warf Mosley an den Kopf: "Über eine Budgetobergrenze reden wir nicht. Sollte das heute das Thema sein, gehen wir." Howett stand auf, mit ihm Briatore und Domenicali. Der Rest blieb sitzen. Mosley entgegnete dem Toyota-Mann kühl: "Wir haben alle viel zu tun. Dieses Treffen wurde einberufen, um über alle Themen zu reden. Wer aufsteht, benimmt sich kindisch. Wenn ihr nicht über das Thema reden wollen, lasst uns alle gehen und hier keine Zeit verschwenden."

Kein "Aufstand" aller Teams

Als die drei Rebellen merkten, dass sie allein dastanden, setzten sie sich wieder auf ihre Plätze. Einer aus dem Reigen der FIA-Getreuen spottete: "Der Howett merkt nicht, dass er von Ferrari und Renault benützt wird. Die haben ihn vorgeschickt, damit sie nicht selbst mit Mosley in den Clinch gehen müssen." Mosley begann daraufhin die entscheidende Frage zu stellen: "Es gibt keinen Weg zurück: Wir müssen sparen, und wir brauchen neue Teams. Was habt ihr gegen eine Budgetobergrenze vorzubringen? Sie belohnt den Cleversten und nicht den, der das meiste Geld hat."

Die Gegner des Budgetlimits wussten keine Antwort. Stattdessen boten sie Mosley an: "Wir werden darüber diskutieren und in zwei Wochen mit einer Lösung kommen, die die gleiche Ersparnis bringt wie das Budgetlimit von 40 Millionen Pfund." Mosley nahm das Angebot unter einer Bedingung an: "Ihr habt nur eine Woche Zeit. Es ist genug geredet worden." Demnach könnte es am Freitag in Monte Carlo zu einer weiteren Runde in diesem Theater kommen. Wenn nicht Ferraris juristischer Akt das Tuch völlig zerrissen hat. Die Sitzung in London wurde dann abrupt unterbrochen, als Mosley die Nachricht zugespielt wurde, dass Ferrari gegen die 2010er Regeln vor einem Pariser Gericht eine einstweilige Verfügung erlassen hatte. Der FIA-Präsident empfand das als Anschlag auf die Konsolidierungsgespräche.

Ferrari kämpft für seine Sonderrechte

Da sein vergangene Woche an einer Überdosis Drogen verstorbener Sohn Alexander am kommenden Montag (18.5.) beerdigt wird, steht ein genauer Termin in Monte Carlo noch nicht fest. Die FIA sieht sich jedoch nach Ferraris Einspruch vor Gericht in einer noch stärkeren Position. So langsam müsse jedem anderen Team klar werden, heißt es aus Paris, dass Ferrari nicht für die Sache sondern nur für sich selbst und seine Sonderrechte kämpft. Irgendwann müssten auch die Teams, die jetzt Seite an Seite mit Ferrari kämpfen, merken, dass sie bald schon das Opfer des Beherrschungsanspruchs aus Maranello werden könnten.
 
In einigen Teams wird bereits gelästert: "Ferrari hat doch nur Angst, dass sie unter gleichen Voraussetzungen gegen uns antreten müssten. Bis jetzt hatten sie immer das meiste Geld, die besten Sponsoren, die teuersten Fahrer." Mosley widerspricht dieser Auffassung: "Ferrari sollte keine Angst haben, unter einer Budgetgrenze zu fahren. Sie haben sehr viele sehr gescheite Leute im Team. Ferrari hat es gar nicht nötig, drei mal soviel Geld auszugeben wie andere Teams. Sie müssen das nur begreifen."

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