Formel 1-Boliden sind hochmoderne Prototypen, vollgestopft mit komplizierter Elektronik und bis ins Letzte ausgereizter Motorentechnik. Der Zuschauer am Fernsehen bekommt davon aber nur wenig mit. Der Otto-Normal-Fan sieht von außen vor allem die Lackierung der PS-starken Sportgeräte.
So ist es nicht verwunderlich, dass auch der Lack, wie jedes Teil eines Formel 1-Autos, absolut makellos sein muss. "Jedes Rennen müssen wir einen Großteil der Außenhaut des Autos komplett neu lackieren", erklärt George Langhorn, der Chef der Lackierabteilung von McLaren im englischen Woking. Egal ob Teile durch Steinschlag beschädigt oder einfach an neue Aerodynamikteile angepasst werden - immer wird eine neue Lackschicht aufgetragen.
Geringe Lebensdauer einer Lackierung
Smart-Repair, wie sie im Automobilbereich immer beliebter wird, kommt bei den aufwendig gestalteten Formel 1-Rennern nicht in Frage. "Wir müssen immer das komplette Teil lackieren, egal wie klein der Schaden ist." So sind die zehn Lackierer von McLaren mittlerweile nicht nur Experten im Farbe auftragen, sondern auch darin, die Farbe wieder zu entfernen. "Die Lackschichten werden zuerst grob mit Metallspachteln abgeschabt und dann die Bauteile per Sandstrahler bis in den letzten Winkel von Lackresten gereinigt", erklärt Langhorn.
Um ein Formel 1-Auto einmal komplett zu lackieren seien insgesamt 250 Arbeitsstunden nötig. Dabei wird das Auto nicht nur großflächig im bekannten Farbton "chrom-silber" überzogen, sondern an den Kanten auch mit schwarzen und roten Kontraststreifen von einem Airbrush-Künstler verziert. Nach der finalen Klarlackschicht müssen im letzten Arbeitsschritt noch sämtliche Aufkleber der Sponsoren aufgebracht werden.
Silberglanz stört Sponsorenlogos
Theoretisch könnten die Silberpfeile sogar noch viel silberner glänzen. Auch eine Oberfläche, die annähernd so reflektiert wie ein Spiegel, wäre theoretisch möglich. "Aber dann könnte man die Logos der Firmen nicht mehr so gut erkennen", erzählt der Lackier-Meister. Die Silberpfeile sind also nur so silber wie nötig.
Vor der aktuellen Saison suchte das Team einen neuen Farbton. Der alte war dem ehemaligen Teamchef Ron Dennis nicht spektakulär genug. Beim niederländischen Hersteller "Akzonobel" wurde man fündig. Der Chemie-Experte mischte dem Rennstall einen speziellen Silberanstrich zusammen, in dem kleinste Chrompartikel für den nötigen Glanz sorgen - ohne dabei zu sehr zu spiegeln. Die Firma sorgte nebenbei auch noch für eine Reduzierung des Gewichts, der insgesamt etwa ein bis zwei Kilogramm schweren Lackschicht.
Silberpfeile ursprünglich ganz ohne Lack
Glaubt man dem gängigen Mercedes-Mythos wirkt es allerdings etwas grotesk, als Lackierer der Silberpfeile zu werben. Der Überlieferung nach hat die Silberpfeil-Legende ihren Ursprung im Jahr 1934, als der W25 von Manfred von Brauchitsch ein Kilo über dem Reglementgewicht lag. Über Nacht soll der weiße Lack abgeschliffen worden sein, um die geforderte Marke zu erreichen. Das nackte silberne Blech gab den Autos dann den Namen.





